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    2.6 Die Wahl der richtigen Perspektive

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    2-6-Perspektive

    Die Wahl der richtigen Perspektive

    Die Perspektive eines Fotos wird durch die Kameraposition und ihrer Ausrichtung zum Motiv bestimmt.

    Jeder kennt die Frosch- und Vogelperspektive, die sich durch ihren extrem niedrigen oder hohen Kamerastandort auszeichnen. Die Kamera muss bei beiden Perspektiven extrem nach oben oder unten geneigt werden. Da diese Perspektiven nicht unserer gewohnten Sehweise entsprechen, fallen diese Motive in der Regel mehr auf.

    Wenn man beispielsweise die „Geschichte“ eines Kindes, Zwerges oder Kleintieres bebildern wollte, dann würde man sinnvollerweise auch auf deren Augenhöhe fotografieren, damit man deren Blickwinkel auch in den Bildern zeigt.

    2-6-Perspektiven-Augenhoehe

    Unsere normale Sichtweise ist die Augenhöhe. Von Unter- und Obersicht spricht man, wenn man unterhalb oder oberhalb der Augenhöhe die Kamera positioniert, sich aber noch nicht in den Extremen wie z. B. der Froschperspektive befindet.

    Wenn man die Kamera nach unten neigt, um beispielsweise ein Kind zu fotografieren, befinden wir uns nicht auf der Augenhöhe des Motivs (Kind) und fotografieren mit einer deutlichen Aufsicht.

    In Filmen wird eine Untersicht z. B. gerne für Angstszenen verwendet, weil z. B. ein Feind (Ungeheuer, Zombie, Mörder, etc.) so größer und bedrohlicher wirkt. Eine Aufsicht lässt eine Person, in diesem Zusammenhang, klein und hilflos erscheinen.

    2-6-Tuer
    Die Türklinke erscheint durch die Wahl der Perspektive nahezu unerreichbar.

     

    Die Komfortzone

    Was ist die Komfortzone?
    Als Mensch laufen wir aufrecht durch die Welt, und wenn wir unsere Kamera dabei haben, finden wir hier und da auch ein Motiv. Die Kamera wird gezückt und der Sucher vor das Auge gehalten und abgedrückt. Wir sind in unserer aufrechten und bequemen Haltung geblieben, alles andere hätte uns angestrengt. In die Hocke gehen oder sich sogar in den Dreck auf den Boden legen, ist aufwendig.

    Dies beschreibt die Komfortzone in der Fotografie, so wie ich den Begriff verwende. Es ist jetzt auch mehr knipsen als fotografieren, denn beim Fotografieren muss man sich das Bild erarbeiten und das hat mit Komfort überhaupt nichts zu tun.

    Beim Fotografieren die Komfortzone verlassen!

    Leider hat man sich bis jetzt wenig um die Bildgestaltung bemüht, denn dazu gehört die Suche nach der besten Perspektive. Die findet man meistens nicht in der angenehmen Komfortzone. Häufig muss man tiefer gehen, denn das Motiv, wie beispielsweise Kinder, Tiere oder Pflanzen sind oft unten zu finden. Vielleicht noch ein paar Schritte gehen, um den idealen Bildausschnitt zu finden? Das ist aber auch mit Arbeit verbunden und Arbeit ist kein Komfort.

    Die Kamera auf Augenhöhe des Motivs zu bringen ist bei Kindern, Hunden, etc. meistens die bessere Wahl für das Bild und wer möchte nicht lieber ein schönes Bild, auch wenn er dafür seine persönliche Komfortzone verlassen muss?

    Natürlich gibt es auch Kamerapositionen, die besser in der Höhe sind. Wichtig ist, dass man sich mit dem Motiv beschäftigt und über Bildgestaltung und Komposition nachdenkt und viel ausprobiert.

    Wenn man wirklich über Komfort nachdenkt, ist möglicherweise eine Kamera mit einem klappbaren Display inklusive dem passenden Sonnenschutz eine Option. Alternativ gibt es Winkelsucher, die am Okular befestigt werden. So kann man auch im Stehen oder in der Hocke eine tiefere Kameraposition einnehmen.

    Vielleicht ist es sinnvoll eine Picknickdecke in der Fototasche dabeizuhaben, denn die hat eine wasserundurchlässige Unterseite und man traut sich dann eher, in Kontakt mit dem Boden zu kommen. Eine Klappleiter wünscht man sich auch öfter.

    2-6-Makro

    In der Makrofotografie fühlt man sich wie in einer anderen Welt, weil die Dinge aus einer ungewohnten Perspektive und mit anderen Größenverhältnissen gesehen werden.

     

    Ungewöhnliche Perspektiven und optische Täuschungen

    Ungewöhnliche Perspektiven und optische Täuschungen
    Die untergehende Sonne sitzt genau an der richtigen Stelle, um als Leuchtfeuer des Leuchtturms zu wirken.

    Aufgrund unserer beiden Augen sind wir es gewohnt dreidimensional zu sehen und unser Gehirn weiß aus der Erfahrung und Erinnerung heraus, wie Dinge aufgebaut sind und zusammen gehören. Da ein Foto normalerweise ein zweidimensionales Abbild der Realität darstellt, kann unser Gehirn gezielt manipuliert werden und es können ungewohnte Perspektiven oder optische Täuschungen entstehen, die auf den Betrachter auch eine stärkere Wirkung haben.

    Wahrscheinlich hat jeder schon einmal eine Zeichnung vom holländischen Künstler und Grafiker Maurits Cornelis Escher gesehen, der durch die Darstellung unmöglicher Figuren bekannt wurde. Die Zeichnungen sehen auf den ersten Blick perspektivisch korrekt aus, aber der Betrachter merkt sehr schnell, dass irgendetwas nicht stimmt.

    2-6-perspektivische-taeuschungen

    Wer schon einmal in Pisa gewesen ist, hat vielleicht auch ein Foto gemacht, wo im Vordergrund eine Person mit ausgestrecktem Arm versucht, den schiefen Turm festzuhalten. Bei entsprechender Schärfentiefe entsteht so leicht eine optische Täuschung.

    Weil der Mann unscharf ist, erkennt man sofort den Fake. Mit genügend Schärfen- tiefe wäre man zunächst verwirrt und die Bildwirkung wäre deutlich stärker. (Man müsste mehr abblenden und besser ein Weitwinkelobjektiv nutzen. Auch eine Kamera mit einem kleinen Bildsensor würde bei diesem optischen Trick helfen.)

    Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, z. B. die Mondsichel an der Leine oder die Sonne im Bilderrahmen. Jeder hat bestimmt schon einmal den Mond oder die Sonne in den Händen gehalten.

    2-6-perspektivische-wolken-einfangen

    Die Wahl der richtigen Perspektive ist bei vielen Bildideen entscheidend.

     

    Uebung

    Mache Fotos, wo du gezielt auf eine besondere Perspektive achtest. Also Motive, die ohne die richtige Perspektive nicht funktionieren würden, weil diese auf einer Täuschung basieren.

    Ziel ist es zu erkennen, wie wichtig die richtige Perspektive für die beste Bildwirkung ist. Die Täuschungen funktionieren sonst nicht, daher sind diese ideal zum Üben. Auch bei „normalen“ Motiven gibt es bessere und schlechtere Blickwinkel, die es zu finden gilt.

    Hier gibt es noch 50 coole Beispiele. (Werbung)

     


    Jeden Sonntag um 8 Uhr erscheint ein neuer Beitrag dieser Serie, welche auf meinem eBook "Richtig fotografieren lernen – Bildgestaltung und Bildkomposition für Einsteiger" basiert.

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    Zum Anfang: Fotografieren lernen – Bildgestaltung und Bildkomposition für Einsteiger

    Zum 2. Kapitel: Gestaltungsregeln

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