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    01 Licht und Belichtung der Lichtwert

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    Fotokurs Licht und Belichtung der Lichtwert

    Model Foto: Colourbox.de

    Der Lichtwert (LW)

    Beim Fotografieren geht es darum die richtige Lichtmenge auf den Film oder Sensor zu bekommen, um ein technisch korrekt belichtetes Bild zu erhalten. Dieses Bild soll in der Regel so aussehen, wie es auch das menschliche Auge wahrnimmt.

    Bei einer Kamera gibt es verschiedene Parameter (Einstellungsmöglichkeiten) um die Menge des Lichtes, die auf den Sensor fällt, zu beeinflussen. Damit das Bild bei der Aufnahme nicht zu hell (überbelichtet) oder zu dunkel (unterbelichtet) sondern richtig (ausgeglichen) belichtet wird.

    Die zu wählenden Einstellungen richten sich also erst einmal nach der vorhandenen Helligkeit, welche durch Lichtquellen, wie z.B. Kerzenlicht oder Sonnenlicht (sonnig oder bedeckter Himmel) oder Glühlampenlicht vorgegeben werden.

    Die Helligkeit des Lichtes misst man mit einem Belichtungsmesser, der ist in der Kamera eingebaut oder auch separat als Handgerät erhältlich. Belichtungsmesser gibt es sogar als App für Smartphones. Was man wie und wozu einsetzt, werde ich an anderer Stelle vertiefen. Hier geht es erst einmal nur darum, das wir die Helligkeit des Lichtes messen können und je nach vorhandener Lichtmenge ein Helligkeitswert zugeordnet wird, dies ist der Lichtwert (LW) eng. Exposure Value (EV).

    Dieser Lichtwert ist also unterschiedlich groß und man stellt dann die Kamera entsprechend ein.

    Da das menschliche Auge die Ausbreitung Licht nicht sehen kann, man sieht nur z.B. den Glühfaden einer Birne oder die Reflexion auf einem Objekt (Tisch, Wand, etc.). Durch Dunst, Nebel oder Staubpartikel in der Luft kann man z.B. einen Lichtstrahl erkennen aber auch hier ist es nicht das Licht selber, was man sieht, sondern nur die Reflexionen auf Staub- oder Wasserpartikeln.

    Es gibt also einen Lichtwert, der die Helligkeit beschreibt. In meinen Beispielen verwende ich gerne Wasser für Licht, um es anschaulicher zu machen, da wir Wasser aus unserer Erfahrung besser kennen, es sehen und abmessen können. Wir wollen „nur“ein Behälter mit Regenwasser komplett füllen, dies entspricht dann einem richtig belichteten Foto.

     

    Versuch:

    Es regnet konstant mehrere Stunden lang und unsere Kamera muss jetzt so eingestellt werden, dass diese für eine Aufnahme komplett mit Regenwasser gefüllt wird. Die Kamera selbst ist ein Behälter (Flasche) mit einem fest definierten Volumen. Wie haben mehrere Trichter in verschiedenen Durchmessern zur Verfügung und eine Stoppuhr, damit der Versuch über einen gemessenen Zeitraum erfolgen kann. Dies sind dieselben drei Parameter die eine echte Kamera auch hat.

    Wir übertragen hierbei folgende Parameter:

     

    01 Fotokurs Versuch 01 - richtige Belichtung

    Lichtwert

    Die Regenstärke (Niederschlagsmenge) kann zwischen extrem starken und ganz leichten Regen variieren, so wie auch der Lichtwert unterschiedlich hoch sein kann. In unserem Beispiel regnet es immer in derselben Stärke, welche das ist, spielt erst einmal keine Rolle, denn das kann man sich bei der Fotografie im Freien auch nicht aussuchen.

     

    Sensor-Empfindlichkeit (ASA)

    Aufnahmefähigkeit der Kamera (benötigte Wassermenge um diese zu füllen). Es gibt Gefäße die wenig Wasser benötigen, um gefüllt zu sein und welche die mehr Wasser benötigen. Dies ist genau wie bei Filmmaterial und Sensoren auch diese benötigen entweder mehr oder weniger Licht.

    In diesem Beispiel hat die Kamera (Behälter) eine Füllmenge von 100 ml.

     

    Blende

    Die Blende ist wie ein Trichter, ein großer Trichter-Durchmesser sammelt mehr Wasser als ein kleiner Trichter in derselben Zeit. Durch den Durchmesser wird die Größe der Fläche bestimmt mit der der Regen gesammelt wird. Der mittlere Trichter hat die halbe Fläche des großen Trichters und die doppelte Fläche des kleinen Trichters. Bei der echten Kamera ist es genauso, im Objektiv gibt es eine Blende, die verstellt werden kann und dann unterschiedlich viel Licht durchlässt.

     

    Zeit

    Dies ist die Zeit, in welcher wir den Regen mit dem Trichter einfangen. Es regnet unabhängig von der Zeit immer weiter. In der Kamera gibt es einen Verschluss, dieser wird beim Auslösen geöffnet und schließt sich automatisch nach der vorher eingestellten Zeit. Wie ein Timer.

     

    01 Fotokurs 1Versuch - Belichtung

    Wir stecken den mittleren Trichter auf den Behälter und sammeln das Regenwasser, bis die Flasche voll ist, und messen dabei die vergangene Zeit.

    Es hat genau 10 Minuten gedauert, bis die Flasche voll war und damit im übertragenen Sinn ein richtig belichtetes Bild aufgenommen wurde, denn wir haben die richtige Menge gesammelt.

    Jetzt wechseln wir den mittleren Trichter gegen den Großen und es stellt sich folgende Frage:

    Wie lange wird es dauern, bis die Flasche erneut gefüllt ist?

     

    01_Fotokurs_2Versuch

     

    Da der Trichter die doppelte Menge sammelt (er besitzt die doppelte Fläche) dauert es die halbe Zeit.

    Antwort = 5 Minuten

     

    Und wenn wir den kleinen Trichter genommen hätten?

    01 Fotokurs 3Versuch - richtige Belichtungszeit

    Der kleine Trichter sammelt die Hälfte der Menge des mittleren Trichters und braucht deswegen die doppelte Zeit.

    Antwort = 20 Minuten

     

    Es gibt also eine ganz klare Abhängigkeit zwischen der Größe (Fläche) des Trichters und der benötigten Zeit. In diesem Fall ist es immer eine Halbierung oder Verdopplung der Zeit.

     

    Jetzt nehmen wir die kleinere Flasche, diese benötigt die halbe Menge Wasser um gefült zu werden. Dies entspricht einem lichtempfindlicherem Sensor (Film), denn es wird weniger Wasser/Licht benötigt um das Gefäß zu füllen. Bei vollständiger Füllung erhalten wir ein richtig belichtetes Bild.

    Wie lange wird es also mit dem mittleren Trichter dauern, die kleine Flasche zu füllen?

    01 Fotokurs 4Versuch - Belichtungszeit

    Bis auf die Flaschengröße ist der Versuchsaufbau wie im 1. Versuch. Da die Flasche nur die halbe Füllmenge benötigt wurde auch nur die Halbe zeit gebraucht.

    Die richtige Antwort ist somit 5 Minuten.

    Die Füllmenge steht also im Selben Verhältnis wie die Zeit und der Trichterdurchmesser zueinander. Und jedes Mal wenn sich ein Parameter (hier die Flaschengröße) ändert, muss auch ein anderes Parameter verändern, damit die Flasche korrekt gefüllt wird.

     

    Wir haben in den Versuchen bis jetzt die Flaschen, die Trichter und die Zeiten verändert. Die Letzte verbleibende Variable ist die eigentliche Regenstärke. Und auch hierbei gilt, wenn es halb so stark regnet dann dauert es doppelt solange, bis die Flasche gefüllt ist.

    Oder man muss einen größeren Trichter nehmen, damit es dieselbe Zeit braucht.

    Oder man verwendet eine kleinere Flasche mit dem halben Volumen.

     

    Dieser Zusammenhang ist das Wichtigste, was man verstehen muss, damit man gezielt die Parameter beim Fotografieren einstellen kann.

    Und In der Fotografie geht es auch immer eine Verdopplung oder Halbierung der Werte (Lichtmenge), doch dazu im nächsten Beitrag mehr.

     

    Abschließend bleibt noch die Frage offen was passiert, wenn man die Flasche nicht komplett gefüllt hat oder wenn man diese zum überlaufen bringt?

    Wenn zu wenig Wasser (Licht) gesammelt wird, dann ist das Foto zu dunkel. Aber wenn man RAW fotografiert, kann aber später noch die Flaschengröße etwas verändert werden, um ein korrekt belichtetes Bild zu erhalten.

    Wenn wir zu lange Wasser sammeln, läuft die Flasche über und das Bild wird zu hell. Der Behälter ist zwar voll aber in dem überlaufenden Wasser steckten auch Bildinformation, die nun nicht mehr in der Kamera (Flasche) gespeichert wurden. Die hellen Bildinformationen verliert man zuerst.

     

     

    Tipp!
    Deswegen lieber zu wenig Wasser einfüllen als zu viel. Also im Zweifelsfall besser leicht unterbelichten statt überbelichten.

     

    Lichtwert – Fazit

    Richtig belichten bedeutet also „nur“ die richtige Menge „Licht“ abfüllen.

    In der Fotografie wird dem Lichtwert (vorhandene Lichtmenge) eine Kombination von Blende (Trichterdurchmesser) und Zeit bei unterschiedlicher Tankgröße (Film- oder Sensorempfindlichkeit) zugeordnet, damit die vorhandene Lichtmenge richtig umgefüllt werden kann.

    Natürlich ist alles genormt und es gibt definierte Blendenreihen (Trichtergrößen) sowie feste Zeitintervalle und Empfindlichkeiten.

     

    Im 2. Teil schauen wir uns den Lichtwert und die verschiedenen Kameraparameter genauer an.

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