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    09 Crop Faktor und Bildkreis – Fotokurs

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    Cropfaktor, Crop Faktor, Crop factor

    Crop Faktor (Cropfaktor, Formatfaktor, Beschnittfaktor, crop factor)

     

    Was ist eigentlich der Crop Faktor und wie wirkt er sich aus?

    Vom Crop Faktor hat wahrscheinlich jeder schon einmal etwas gehört und man muss da irgendetwas mit dem Objektiv umrechnen und dann ändert sich …

    Ja – was ändert sich eigentlich?

    Und was noch viel wichtiger ist, ist die Frage ob sich auch bei der Darstellung im Bild dadurch etwas verändert. Denn wir wollen ja die Kontrolle beim Fotografieren über das Bild behalten.

    Bei einem Auto haben wir beispielsweise auch eine Erwartung darüber, was sich ändern wird, wenn wir dasselbe Modell statt mit einem 70 PS Motor mit dem optionalen 120 PS Motor bestellen.

    Als Erstes müssen wir wissen worauf sich der Cropfaktor bezieht. Der Crop Faktor gibt das Längenverhältnis der Diagonalen zwischen den unterschiedlichen Sensorgrößen an. Hierbei wird die Diagonale des Kleinbildformats von 36 mm x 24 mm Seitenlänge mit Faktor Eins (1) angegeben. Alle digitalen Kameras mit einem als Vollformat bezeichneten Sensorgröße (bezogen auf das volle Kleinbildformat) benötigen somit keine Umrechnung. Nikon bezeichnet dieses Format als FX-Format.

     

    Objektive und Brennweite

    Du hast gelernt, dass man bei der 50 mm Brennweite bezogen auf das Kleinbildformat vom Normalobjektiv spricht. Kleinere Werte wie z.B. 35 mm oder 28 mm haben einen größeren Bildwinkel und es handelt sich um Weitwinkelobjektive und bei Werten über 50 mm handelt es sich um Teleobjektive, die eher wie ein Fernglas fungieren.

    Dieser Brennweitenangaben und die Einordnung in Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektive basieren auf der Länge der Diagonalen des Bildsensors. Und weil die wenigsten wissen, welche genauen Abmessungen ihr Kamerasensor hat und man noch die Länge der Bilddiagonalen ausrechnen müsste, wurde der Crop Faktor als Hilfestellung eingeführt.

     

    Wenn nun ein 50 mm KB-Objektiv an einer Kamera mit einem Cropfaktor z.B. von 2 genutzt wird, rechnet man einfach

    Brennweite x CropFaktor = Kleinbildformat äquivalente Brennweite

    50 mm x 2 = 100 mm

     

    Die Abbildung oben zeigt die Bildausschnitte die mit demselben Objektiv bei unterschiedlichen Formaten erzeugt werden. An der Kamera mit Cropfaktor bekommt man ein ähnliches Bild, wie es ein 100 mm Objektiv an der KB-Vollformatkamera erzeugen würde.  Ich schreibe übrigens absichtlich „ähnlich“, weil die Blende auch noch berücksichtigt werden muss, doch dazu später mehr.

    Der Crop Faktor von 2 entspricht dem einer Micro-Four-Thirds-Kamera (MFT). Ein 25 mm MFT-Objektiv entspricht demzufolge der KB-Normalbrennweite von 50 mm.

    Die Objektivhersteller geben eigentlich fast immer das Kleinbildäquivalent der Brennweite an, wenn man sich die technischen Daten der Objektive ansieht.

     

    Bildkreis

    Bildkreis Crop-Faktor

    Ein Objektiv erzeugt ein kreisrundes Bild, den Bildkreis. Innerhalb des Bildkreises liegt das nutzbare Bildformat, welches bei DSLR-Kameras ein Rechteck mit dem Seitenverhältnis 3:2 besitzt. Für ein 36 x 24 mm großes Rechteck wird ein Bildreis mit einem Durchmesser von mindestens der Bilddiagonalen benötigt.

    Ein Objektiv welches für Vollformat gerechnet ist kann auch für kleinere Sensorformate wie z.B. das APS-C Halbformat genutzt werden. Dies hat teilweise sogar den Vorteil, das die Bildergebnisse besser werden, weil ein Objektiv normalerweise im Zentrum die besten Abbildungseigenschaften besitzt. Zum  Rand nimmt die Helligkeit ab, man spricht dann von Vignettierung. Auch das Auflösungsvermögen und die Schärfe wird zum Rand geringer.

    Anders herum, also ein APS-C Objektiv an Vollformat funktioniert nicht, weil der Bildkreis zu klein ist und dieser das Vollformat nicht ausfüllt. Viele Kameras stellen automatisch auf das kleinere Bildformat um, was man als Notlösung sehen kann um wenigstens für den Übergang bei einem Formatwechsel seine Objektive weiter nutzen zu können.

    Mittelformatobjektive besitzen einen viel größeren Bildkreis und deswegen kann man diese per Adapter gut als Shiftobjektive nutzen, weil das Aufnahmeformat großzügig im Bildkreis verschoben werden kann. Auch echte Shift-Objektive erzeugen einen größeren Bildkreis als der für das Format erforderliche.

     

     

    Äquivalenzen der Bildformate

    Das Kleinbildäquivalent ist wie oben beschrieben wichtig für identische Bildausschnitte.

    Die Formel kann natürlich auch umgestellt werden.

    KB-Brennweite : Cropfaktor = Äquivalentbrennweite

     

    Cropfaktor Übersicht (Auswahl):

    • KB-Format = 1
    • APS-H = 1,3
    • APS-C (Nikon DX) = 1,5
    • APS-C (Canon) = 1,6
    • Micro-Four-Thirds (MFT ) = 2

    Dasselbe 50 mm KB-Objektiv wirkt somit an der DX-Kamera wie ein 75 mm und an der MFT-Kamera wie ein 100 mm Objektiv.

    Beim Mittelformat muss man unterscheiden, ob man als Vollformastbezug das KB-Format nimmt, dann ist der Faktor 0,x und hängt hierbei von der wahren Sensorgröße ab. Oder ob das ursprüngliche kleinste Rollfilm Vollformat mit 4,5 x 6 cm zugrunde gelegt wird.

     

    Beim Crop Faktor muss auch die Blende umgerechnet werden!

    Was im Bezug zum Crop Faktor häufig vergessen wird ist die Öffnungsweite, welche für die Schärfentiefe und Beugungsunschärfe verantwortlich ist und neben dem Bildwinkel ebenfalls umgerechnet werden muss.

    Blendendenwert x Cropfaktor = KB-äquivalenter-Blendenwert

     

    Wenn man an einer Kleinbildkamera also Blende 2,8 mit dem 50 mm Objektiv nutzt muss jetzt Blende 1,4 bei dem 25 mm Objektiv an der MFT-Kamera eingestellt werden, damit die Schärfentiefe gleich ist. (Durch die Veränderung der Blende ist auch eine ISO- oder Verschlusszeitenanpassung erforderlich.)

    Das Bedeutet das ein Halbformat-Objektiv ungefähr eine Blendenstufe lichtstärker sein muss und ein MFT-Kameraobjektiv sogar 2 Blendenstufen um eine identische geringe Schärfentiefe abbilden zu können wie eine Vollformatkamera.

    Weil dies viele nicht berücksichtigen, ist wahrscheinlich die Aussage entstanden, das die Schärfentiefe bei kleineren Sensoren größer wird.
    Ich verzichte an dieser Stelle absichtlich auf die weiteren Punkte einzugehen, die für eine umfassende Behandlung des Themas nötig wären, weil ich dich nicht mit weiteren Begriffen verwirren möchte.

    Am Ende der Seite noch ein Video und hier einen Artikel zum Thema verlinkt (Werbung), falls du es noch etwas ausführlicher wissen möchtest.

     

     

    Fazit des Crop-Faktors (engl. crop factor)

    Der Crop-Faktor kann Segen und Fluch zugleich sein, je nachdem in welchen Bereichen man fotografiert.

    Neben der Brennweitenverlängerung ist bei kleineren Sensorformaten auch die nötige höhere Lichtstärke der Objektive zu berücksichtigen, wenn man mit vergleichbarer geringer Schärfentiefe wie beim Vollformat fotografieren möchte.

    Extreme Weitwinkelobjektive sind bei kleineren Sensoren nicht so verbreitet. Wer auf Fotosafari geht und möglichst lange Brennweiten nutzen möchte, hat durch den Cropfaktor Vorteile, da das Teleobjektiv entweder noch teliger wird oder man sich oftmals für weniger Geld eine kleinere und leichtere Objektivvariante kaufen kann.

    Vor der Anschaffung eines Kamerasystems solltest du dir überlegen was du wie fotografieren möchtest und welche Bildsensorgröße in Verbindung mit den passenden Objektiven für dich am besten oder am universellsten geeignet ist. Auch die Preise des Equipments solltest du in deine Überlegungen einbeziehen.

    Die Objektivauswahl ist je nach Kamerasystem und Format unterschiedlich groß, deswegen solltest du dir überlegen was du langfristig fotografieren möchtest und welche Anforderungen und Ansprüche du hast. Auch ob und wie sich das auch in Zukunft verändern könnte, damit du langfristig mit deiner Ausrüstung fotografieren kannst.

    Denn wenn du erst einmal ein paar hochwertige Objektive gekauft hast, dann wirst du nicht so schnell die Kameramarke mit ihrem Objektivbajonett wechseln. Auch wenn es hier zum Teil Möglichkeiten gibt, wenn das Auflagemaß passt.

     

    Exkurs: Brenizier Methode

    Das Wissen um die unterschiedlichen Abbildungsmöglichkeiten kann auch gezielt eingesetzt werden, um Bilder mit einem besonderen Look zu erzeugen.

    Der Fotograf Ryan Brenizer hat den Begriff Brenezier Methode geprägt. Er imitiert ein viel größeres Sensorformat, indem er Personenaufnahmen anfertigt, die aus zahlreichen Einzelbildern (mit Teleobjektiv) aufgenommen und zu einem großen Bild, ähnlich wie ein Panorama, zusammengesetzt werden. So entsteht ein weit-winkliges Motiv mit sehr geringe Schärfentiefe.

    Der nötige Aufwand und die Einschränkungen sind erheblich und könnten mit deutlich größerem Bildsensor entfallen, Mittelformat lässt grüßen.

    Dieses zugegeben extreme Beispiel soll verdeutlichen, wie stark sich die richtige oder auch falsche Formatwahl auswirken kann.

    Ich habe auf Youtube noch ein dt. Video gefunden, welches die Brenezier Methode anschaulich erklärt. Das Zusammenfügen der Einzelbilder man mit jeder Panoramasoftware machen, Photoshop oder Lightroom geht natürlich auch.


    Wer das Thema Cropfaktor, Darstellungsgröße, Schärfentife, etc. vertiefen möchte, kann sich gerne diesen englischsprachigen Film ansehen oder

     


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