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    2.2 Gestaltungsgesetze und Wahrnehmung

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    2-2 Gestaltungsgesetze Wahrnehmung Auge Gehirn

    Das Auge erzeugt ein auf dem Kopf stehendes Bild auf der Netzhaut, welches vom Gehirn automatisch umgedreht und interpretiert wird.

     

    Gestaltungsgesetze und Wahrnehmung

    Neben der Figur-Grund-Beziehung gibt noch viele weitere Gestaltungsgesetze oder Gestaltgesetze, welche die Wahrnehmung beeinflussen und man in der Fotografie, Malerei, Grafik Design oder Gestaltpsychologie kennen sollte. Die wichtigsten Gestaltungsgesetze werden hier kurz mit Beispielen aufgezählt, da diese ebenfalls unterbewusst auf den Betrachter wirken.

     

    Gesetz der Nähe

    Elemente, die nah beieinanderliegen, werden vom Betrachter als eine Einheit wahrgenommen. Wir erkennen in der linken Abbildung deswegen zuerst ein Quadrat, das aus 9 Punkten gebildet wird.

    Gesetz der Nähe

    In der 2. Abbildung liegen die Elemente weiter auseinander. Hier erkennt man drei separate Figuren, ein Rechteck, eine Linie und einen Punkt.

     

    Gesetz der Erfahrung

    Unser Gehirn erinnert sich an bereits gesehene Formen und Objekte. Wenn man Teilelemente sieht, die zu diesen bekannten Formen passen, dann ergänzt unser Gehirn automatisch deren Gestalt.

    2-2-Gesetz-der-Erfahrung-Ergaenzung-Form

    Die Linien ergänzt man zum Buchstaben „E“. Die 8 Punkte, denen ein paar Segmente fehlen, werden zu Figur eines Würfels.

    Das funktioniert nicht nur bei geometrischen Figuren, auch in unregelmäßigen Mustern, Linien und Strukturen können wir manchmal Gesichter oder andere Figuren erkennen, so wie im folgenden Beispiel.

    2-2-Gesetz-der-Erfahrung-Gesicht - - Gestaltungsgesetze

    Es genügt dann, dass in den richtigen Abständen Elemente beispielsweise für Augen, Nase und Mund im Bild erkennbar sind.

    In der abgebildeten Struktur kann man beispielsweise ein Gesicht im Profil sehen.

    Unser Auge liest übrigens ganze Texte nach dieser Methode. Das bedeutet, es wird nicht Buchstabe für Buchstabe gelesen, sondern man schaut die Form der Wörter insgesamt an, die auch nicht vollständig zu sehen sein muss.

    2-2-Gesetz-der-Erfahrung-Fotografie- Gestaltungsgesetze

    Sogar die Schreibweise spielt eine untergeordnete Rolle wie folgender Buchstabensalat verdeutlicht:

    Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige, was wcthiig ist, dxss dsr estre und der leztte Bstabchue an dsr ritihcegn Pstoiion snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sien, tedztorm knan mcn ihn onhe Peoblrme lseen. Das ist so, wiel wir nciht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als Gnazes.

     

    Gesetz der Ähnlichkeit / Gleichartigkeit

    2-2-Gesetz-der-Aehnlichkeit-Gleichartigkeit

    Elemente, die sich aufgrund ihrer Farbe, Form oder Größe ähneln, werden als zusammengehörige Einheit gesehen (wie die roten Punkte im Bild).

     

    Gesetz der Fortsetzung

    2-2-Gesetz-der-Fortsetzung

    Einzelne Elemente die eine Zusammengehörigkeit vermitteln, weil diese z. B. eine Linie, Richtung, Form oder Ähnliches ergeben, werden als zusammenhängende Fortsetzung angesehen.

     

    Gesetz der fortgesetzten Linie

    2-2-Gesetz-der-fortgesetzten-Linie - Gestaltungsgesetze

    Wir erkennen hier zwei Linien, die jeweils ein Quadrat formen. Dies ist jedenfalls die einfachste und naheliegende Interpretation.

    In Wirklichkeit könnte es sich beispielsweise auch um die drei folgenden Figuren handeln: Zwei L-Winkel und ein Quadrat.

    2-2-Gesetz-der-fortgesetzten-Linie-Quadrat

     

    Gesetz der Geschlossenheit

    2-2-Gesetz-der-Geschlossenheit-Kreis

    Offene Formen werden erkannt und automatisch zur geschlossenen Form ergänzt. Es bleibt ein Kreis, auch wenn Teile fehlen.

    2-2-Gesetz-der-Geschlossenheit

    Beim folgendem Beispiel werden viele sofort ein Quadrat sehen, obwohl diese Form nicht vorhanden ist.

    In Wirklichkeit handelt es sich um vier Kreisflächen, denen jeweils ein Viertel fehlt.

     

    Tuftes Gesetz:

    2-2-Tuftes-Gesetz

    1 + 1 = 3

    Der Zwischenraum einer Doppellinie wird als dritte Linie wahrgenommen.

     

    Resümee der Gestaltungsgesetze

    Es gibt noch mehr Gestaltungsgesetze (Gestaltgesetze), aber es soll hier nicht zu tief in die Gestaltpsychologie abgetaucht werden.

    Wichtige Erkenntnisse sind, dass in Bildern Dinge gesehen werden können, die gar nicht vorhanden sind. Andererseits können einzelne Elemente auch als verbunden und zusammengehörige Figur oder Objekte wahrgenommen werden.

    Beides kann in unsere Bildgestaltung beim Fotografieren einfließen, wenn die Gestaltungsgesetze gezielt, also zum Motiv passend, angewendet werden.

     


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    Zum Anfang: Fotografieren lernen – Bildgestaltung und Bildkomposition für Einsteiger

    Zum 2. Kapitel: Gestaltungsregeln

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