Ticker

    Handbelichtungsmesser gegen App (3. Update)

    Von
    Handbelichtungsmesser gegen App im Praxistest. Das Bild zeigt ein iPhone mit Luxi Diffusor und ein Minolta Belichtungsmesser

    Smartphone mit Belichtungsmesser App gegen Handbelichtungsmesser. Man beachte das Messergebnis: Blende 3,4 und Blende 2,8 plus 5/10

    Wozu ein Handbelichtungsmesser?

    In einer DSLR-Kamera ist natürlich ein Belichtungsmesser eingebaut, in der Regel kann man auch unterschiedliche Messmethoden wie z.B. Intergralmessung, Mehrfeldmessung, Mittenbetont oder Spotmessung einstellen. Jedoch sind alle Messmethoden eine Objektmessung, das bedeutet, ich stehe hier und peile mein Motiv dort an und es wird das reflektierende Licht gemessen. Je nach eingestellter Messmethode werden mehrere Werte erfasst und diese gegeneinander mit hinterlegter Logik abgeglichen.

    Das Problem ist, dass die Kamera automatisch versucht den (richtigen) Wert zu ermitteln und das geht je nach Motiv auch gerne mal schief, z.B. bei Gegenlicht, im Schnee, bei hellen oder dunklen Hintergründen,  etc.

    Mit der Spotmessung kann man gezielt einzelne Teile eines Bildes ausmessen, z.B. den hellsten und dunkelsten Bereich, der noch Zeichnung haben soll. Oder man misst auf eine Referenz (Graukarte). Das kann man auch mit einem Handbelichtungsmesser machen, wenn dieser einen entsprechenden Sucher hat. Je nach Modell kann aus mehreren Messpunkten ein Mittelwert gebildet werden.

    Wenn man selber Licht setzt und mehr als eine Lichtquelle verwendet, dann spielt der Handbelichtungsmesser seine Vorteile aus, denn mit ihm kann man eine Lichtmessung vornehmen. Alternativ muss man etliche Testbilder machen, um die richtige Helligkeit der einzelnen Lampen einzustellen.

    Der Handbelichtungsmesser besitzt über seinem Sensor eine weiße Halbkugel, die lichtdurchlässig ist. Dieser sphärische Diffusor wird auch Diffusor-Kalotte oder einfach Kalotte genannt und wird bei der Lichtmessung eingesetzt.

     

    Beispiel für eine Lichtmessung

    Der Belichtungsmesser wird beim folgenden Beispiel direkt vor das Gesicht gehalten und die Halbkugel zeigt dabei in Richtung Kamera (für die Messung der Hauptlichtquelle Nr. 1).

     

    In diesem Beispiel werden mehrere Lichtquellen verwendet. Die Grundbeleuchtung ist ein sog. Clamshell Light, wie man im Auge erkennen kann. Die Hauptlichtquelle 1 reflektiert sich im Auge und darunter sieht man noch einen Reflektor zur Aufhellung 5. Der Hintergrund 2 wird nur auf der rechten Seite beleuchtet. Dann gibt es noch das Haarlicht 3 und die Lichtkante am Arm 4, die auch als Gegenlicht für die unteren Haare dient, um das Motiv auf dieser Seite vom dunklen Hintergrund zu trennen.

    Das Hintergrundlicht wird direkt vor dem Hintergrund gemessen, der Diffusor ist wieder zu Kamera ausgerichtet.

    Die Lichtquellen für 1 und 2 stehen vor dem Hintergrund und der Person und leuchten von der Kamera weg. Das Haarlicht 3 und das Konturlicht 4 stehen seitlich hinter der Person und leuchten in Richtung zum Motiv und somit auch zur Kamera.

    Das Bild wurde so ausgeleuchtet, das nichts überstrahlt und alle Details in den Haaren und auf der Haut zu erkennen sind. Das bedeutet, dass die Lichter 3 und 4 nur etwas heller sein dürfen als das Hauptlicht damit diese Partien betont sind aber nicht ausfressen.

    Wenn man den Belichtungsmesser wieder in Richtung Kamera halten würde, dann wäre dies jetzt sinnlos, da das Licht den Belichtungsmesser von hinten treffen würde. Man misst also an der Stelle, wo das Licht auf das Motiv trifft in Richtung zur Lichtquelle, die jetzt ca. 1 Blende heller sein sollte als das Hauptlicht.

    Wir haben jetzt alle Lichtquellen grob eingestellt, ohne ein einziges Foto zu machen. Es ist ratsam mit jeder einzelnen Lichtquelle ein Testbild aufzunehmen, um das Ergebnis zu kontrollieren und erst dann alle Lampen einzuschalten, um das Zusammenspiel zu bewerten.

    Soviel erst einmal als kurze Einführung, jetzt kommen wir aber zum Vergleich.

     

    Die Belichtungsmesser App

    Wie auf dem Bild ganz oben zu sehen, ist auch auf dem Smartphone (iPhone) ein Diffusor, den es als Zubehör zu kaufen (Werbung) gibt und z.B. mit den kostenlosen Apps Luxi (Werbung) und Pocket Light Meter (Werbung) funktioniert.

    Die Belichtungsmesser App FotometerPro (Werbung) behauptet auch Objekt- und Lichtmessungen ohne Zubehör machen zu können, mal sehen, ob es stimmt.

     

    Was wird getestet?

    Die Spotmessung auf eine 18% Graukarte.
    Die Lichtmessung mit Diffusorkalotte (bei unterstützen Apps)

    Vergleich:
    Genauigkeit
    Anzeige von Lichtwert, Lumen, Lux, etc.
    Bedienung
    Sonstiges

     

    Referenzmessung

    Als Referenz verwende ich einen Handbelichtungsmesser von Minolta. Es ist ein Auto-Meter III F mit sphärischem Diffusor und Spotvorsatz (Objektmessaufsatz mit Sucher).

    Das Messergebnis der Lichtmessung bei ISO 100 beträgt Blende 2 bei 1/60 Sekunde. Die Spotmessung einer Nikon D7100 auf eine Graukarte ergibt Blende 1,8 bei sonst identischen Werten.

    Die Apps sind auch alle auf ISO 100 eingestellt und eigentlich wollte ich auch die Zeit vorgeben, was aber nicht bei jeder App geht. Bei den Apps sollte als Messergebnis somit Blende 2 oder alternativ 1/60 Sekunde stehen, wenn sie identisch wie die Referenz messen.

     

    Luxi (App mit Diffusorkalotte)

    Luxi Belichtungsmesser App

    Objektmessung – Messung auf Graukarte – Lichtmessung inkl. Kalibrierung

    Spotmessung auf Graukarte = Blende 2 
    Lichtmessung mit Diffusor = Blende 2

    Funktioniert in Echtzeit. Angabe von Lux und EV

    Die App misst extrem schnell, daher ist es gut das es eine Hold-Taste gibt, um das Messergebnis einzufrieren. Bei der Spotmessung ist der Messpunkt im Display per touch einstellbar, allerdings ist das Messfeld deutlich größer als eingezeichnet.

    Der Diffusor wird einfach auf das iPhone aufgesteckt, aufgrund der verschiedenen Bauformen der Smartphones passt der 5er Diffusor nicht auf das 4er iPhone. Es sitzt auch nicht sehr fest, d.h., wenn ich das iPhone kräftig schüttle fliegt er ab.

    Kalibrierung

    Man benötigt eine Graukarte für die Referenzmessung, um die App für den Diffusor zu kalibrieren. Man stellt die Graukarte auf und misst diese nun per Objektmessung aus. Dann stellt man die App um und setzt den Diffusor davor und schiebt den Kalibrierungsregler EV soweit, bis man denselben Messwert hat. Dies macht man nur ein einziges Mal und dann kann man mit dem Lichtmessungen loslegen.

    Es gibt eine englische Dokumentation der App als PDF (Werbung) ca. 12 MB.

    Die App konnte ich nur auf dem 5er iPhone testen.

    Luxi (Werbung)im Apple iTunes Store und den Diffusor bei Amazon (Werbung)

     

    Pocket Light Meter

    Belichtungsmesser App - pocketlightmeter

    Obejektmessung – Lichtmessung – Lichtmessung mit Luxi-Diffusor

    Spotmessung auf Graukarte = 1/90 Sekunde
    Lichtmessung mit Diffusor = 1/60 bis 1/90 Sekunde

    Minimale Zeitverzögerung bei der Messung. Angabe von EV bei Verwendung vom Luxi-Diffusor auch Angabe Lux und Food Candela

    Der Messpunkt ist im Display per touch einstellbar. Blende, Zeit und ISO-Werte können als Halbe oder Drittel-Stufen eingestellt werden. Es gibt zwei Designs. Man kann  z.B. Zeit und oder Blende vorgeben und es wird dann die nötige ISO angezeigt. Maximal 2 Vorgaben können fixiert werden. Es wird auch der Luxi Diffusor unterstützt. Die Messergebnisse sind ordentlich, es dauert einen Augenblick länger als bei Luxi. Leider ist die App mehrfach abgestürzt.

    Zwischen iPhone 4 und 5 gab es leichte Abweichungen in den Messergebnissen (bis max. ca, 1/2 EV-Stufe)

    Pocket Light Meter (Werbung) im Appstore

     

    FotometerPro

    Belichtungsmesser App - fotometer-pro

    Spotmessung auf Graukarte = 1/125 Sekunde iphone 5 (1/60 Sekunde iPhone 4)
    Lichtmessung = 1/60

    Sehr träge, braucht ca 4 bis 5 Sekunden, bis das richtige Ergebnis da ist.

    Das schöne Retro-Design hat leider die Schwäche, dass es nicht leicht abzulesen ist. Man gibt ISO und Blende vor und bekommt die Zeit angezeigt, man kann also nicht die Zeit vorwählen, um dann die nötige Blende angezeigt zu bekommen. Es gibt die Möglichkeit einer Korrektur in EV, also Lichtwerten einzustellen, aber nicht ohne Lupe. Auf dem iPhone 5 gibt es einen schwarzen Balken oben und unten, da die App nicht für diese Auflösung optimiert wurde.

    Auch der „Sucher“ verdient seinen Namen, weil man diesen erst einmal finden muss. Er ist zudem extrem klein. Die Bedienung der App ist einfach und es gibt für lange Belichtungszeiten einen Timer, der ab 1 Sekunde hilft die Zeit zu messen, wenn man mit der Einstellung B fotografiert.

    Dadurch das nur ganze Zeitstufen angegeben werden, springt die Anzeige auch schon mal um eine Blendenstufe hin und her.

    FotometerPro (Werbung)  im Appstore

     

     

    Kann eine Belichtungsmesser App einen „echten“ Handbelichtungsmesser ersetzen?

    Hier stellt sich als Erstes die Frage ob man Dauerlicht und/oder Blitzlicht messen möchte?
    Die getesteten Apps können alle nur Dauerlicht messen!

    Die Ergebnisse sind auch leicht unterschiedlich und teilweise dauert es einfach zu lange, um damit professionell arbeiten zu können.

    Meine Empfehlung ist Luxi inkl. Kalotte, sofern man nur Dauerlicht messen möchte, z.B. beim Filmen. Oder wenn man nicht das Geld für einen „richtigen“ Belichtungsmesser ausgeben möchte oder ein Zweitgerät haben möchte.
    Es gibt da auch noch eine teurere Alternative, den Lumu. (Werbung)  Doch auch der kann kein Blitzlicht messen.

    Belichtungsmesser gibt es von z.B. Gossen, Sekonic, Kenko (Nachfolger der Minolta Belichtungsmesser)

     

    Anmerkung: Alle Angaben ohne Gewähr. Dies ist ein von mir persönlich durchgeführter Praxistest. Die Messergebnisse basieren auf eigenen Messungen. Deren Interpretation und weitere Anmerkungen spiegeln meine subjektive Meinung wider. Ein Test mit zertifiziertem Messgerät nach DIN/ISO unter Laborbedingungen könnte zu anderen Ergebnissen kommen.

     


     

    Ergänzung

    1. Ergänzung des Beitrags vom 6. Nov. 2014 am 6. Aug. 2015

    LxMeter von Optivelux kann auch Blitzlicht messen

    Die App ist bis jetzt nur für Android im Playstore (Werbung) erhältlich. Die Sensoren SS04 oder SS04P gibt es zurzeit für 59 EUR und 99 EUR beim Hersteller (Werbung)

    Wie gut das LxMeter ist, kann ich leider nicht beurteilen.


    Lumo Power

    2. Ergänzung am  2. Dez. 2015

    Lumo Power

    Die 2. Generation des Lumo läuft als Kampagne auf Kickstarter. Der Lumo Power soll auch Blitzlicht und die Farbtemperatur messen können.

    Zur Kickstarter-Kampagne (Werbung)


    Lumo Power Lightning-Stecker

    3. Ergänzung am  17. Okt. 2016

    Lumo Power mit Lightning-Stecker

    Nachdem Apple beim iPhone 7 die Klinkenbuchse abgeschafft hat, bietet Lumo ab Ende November 2016 den Lumu Power mit Lightning-Stecker zum UVP von 299,- $ an. Der Pre-Order-Preis beträgt z.Z. 229 $.

    Das Projekt wurde bei Kickstarter von 1.705 Unterstützern,  mit einer Summe von 318.877 $, finanziert.

    Hier geht es zur Produktwebsite (Werbung)


     

     

    Werbung

    4 Kommentare
    1. Avatar

      Dominik

      8. Oktober 2015 at 6:29

      Hallo Jörg, super Zusammenfassung! DIe Lichtmessung finde ich sehr gut beschrieben, ebenso die Kalibrierung.

      Die FxMeter App ist komplett neu für mich. Das sieht sehr interessant aus, zumal die Sensoren im Vergleich zum LUMU Aufsatz deutlich günstiger sind und jetzt auch noch die Blitzbelichtungsmessung beherrschen. Für mich ist das eine ernste Alternative zu einem Belichtungsmesser.
      Leider habe ich ein iOS Gerät :-(

      Bisher verwende ich die LUXI App zusammen mit dem LUXI Kalottendiffusor und bin sehr zufrieden. Auch andere Apps verrichten Ihre Arbeit meiner Meinung nach hervorragend und zuverlässig bei einer einfachen Belichtungsmessung.

      Am liebsten setze ich aber immer noch meinen Sekonic Belichtungsmesser ein. Der kann natürlich wesentlich mehr als jede App, hat dafür aber auch einen stolzen Preis. Ich mag auch die Haptik einfach lieber.

      Da man sein Mobiltelefon aber immer bei sich hat und bei den Apps, die auch die Lichtmessung beherrschen, nur einen kleinen Aufsatz zusätzlich mitnehmen muss, ist das die ideale Lösung für kleines, kompaktes Gepäck.

      VG und weiter so mit Deinem Blog
      Dominik

    2. Avatar

      Jörg Pumpa

      8. Oktober 2015 at 7:42

      Hallo Dominik,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich sehe das genauso wie du und für den Einstieg oder als Ergänzung ist so eine App sicher keine schlechte Wahl.

      Ein Smartphone ist ähnlich wie eine Universal-Küchenmaschine mit unterschiedlichen Aufsätzen, man kann fast alles damit machen, aber eine Maschine für nur eine Aufgabe ist am Ende meistens die bessere Wahl, wenn man diese Funktion häufig nutzt.

      VG Jörg

    3. Avatar

      Spree-Liebe Hochzeitsfotografie

      15. Juli 2016 at 12:50

      Finde es nicht verkehrt. Als Backup (mir ist mein Belichtungsmesser schonmal abgeraucht bei nem Shooting) sicher nicht verkehrt. Ich finde den Ansatz von LX Meter sehr interessant. Mein Gossen hat auch verschiedene Aufsätze. Interessiert mich mal wie die Messgenauigkeit bei großer Dunkelheit ist im Vergleich zum ProfiSix.

      Gruß aus Berlin,
      Alex

    4. Avatar

      Jörg Pumpa

      15. Juli 2016 at 14:33

      Tja, das Problem ist, das beim nächsten iPhone wahrscheinlich die Klinkenbuchse wegfällt (jedenfalls wenn man den Gerüchten glauben schenkt) und dann wieder einmal zahlreiches Zubehör obsolet wird.

    You must be logged in to post a comment Login