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    05 Schärfe und Belichtungszeit

    Von
    Fotokurs_Belichtungszeit

    Foto: Colourbox.de

    Die Belichtungszeit hat Einfluss auf die Schärfe im Bild.

    Die Belichtungszeit ist nicht nur ein Parameter, um die auf den Sensor auftreffende Lichtmenge zu regulieren.

    Beim Fotografieren möchte man nicht nur richtig belichtete Fotos machen, sondern auch scharfe Bilder erzeugen. Neben der Abbildungsqualität des Jeweiligen Objektives und der eingestellten Blende spielt auch die Zeit besonders für die Schärfe von bewegten Motiven eine wesentliche Rolle.

    Zwei Aspekte spielen bei der Bewegung eine wichtige Rolle:

     

    Das Motiv bewegt sich.

    Das Motiv z.B. ein Auto, ein Sportler, Vögel, Tänzer etc. sind in deutlicher Bewegung.

     

    Die Kamera ist in Bewegung

    Hierbei gibt es die offensichtliche Bewegung, weil wir beispielsweise aus dem fahrenden Zug oder Kraftfahrzeug heraus fotografieren. Oder während wir gehen Fotos schießen.

    Und die eher unbewusste Kamerabewegung, weil wir die Kamera in der Hand niemals zu 100% ruhig wie ein gutes Stativ halten können.

    Der auf dem Tisch liegende Apfel bewegt sich also, wenn man die Kamera mit den Händen festhält und durch den Sucher schaut. Dieses Wackeln wird um so stärker desto länger die Brennweite ist.

    Vielleicht kennt man es auch vom Blick durch ein Fernglas oder Fernrohr, oder vom schießen, wo man nicht immer ins Schwarze trifft, da man selber und auch der Gegenstand in der Hand sich leicht bewegt.

    Das Verwackeln des Bildes durch unbeabsichtigte Kamerabewegungen, kann durch die richtige Kamerahaltung, Atemtechnik oder mit Hilfsmitteln wie z.B. Bildstabilisatoren in der Kamera oder dem Objektiv und andere Hilfsmittel verbessert werden.

     

    Bewegung einfrieren

    Mit der Verschlusszeit kann Bewegung eingefroren werden, indem das Zeitintervall der Belichtung kürzer ist als die sichtbare Bewegung des Motivs oder der Kamera. Ja, klingt sehr theoretisch also schnell ein Beispiel, das zu unserem Foto passt.

    Die Kamera steht an einer Straße auf einem Stativ. Die stehenden Gebäude, Ampeln, Brücken etc. werden jetzt bei jeder Belichtungszeit scharf abgebildet. Die Fußgänger, die Radfahrer und die Autos bewegen sich alle mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Und wenn diese keine Bewegungsunschärfe haben sollen, dann muss eine entsprechend kurze Verschlusszeit gewählt werden. Am schnellsten bewegt sich das Auto und benötigt auch die kürzeste Verschlusszeit, dann sind auch die Radfahrer und Fußgänger scharf.

     

    Geschwindigkeit und zurückgelegte Strecke

    Im Beitragsfoto oben sieht man unterschiedlich stark verwischte (unscharfe) Autos, dies hängt mit ihrer Bewegungsgeschwindigkeit zusammen.

    Schärfe und Belichtungszeit -Fotokurs lange Belichtungszeit und zurückgelegte Distanz

    Die Grafik zeigt den schematischen Blick durch den Kamerasucher und die Distanz (farbige Balken), die bei einer Belichtungszeit von 1 Sekunde mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten zurückgelegt wird. Damit man überhaupt erkennt was sich da bewegt liegt ein scharfes Piktogramm am Ende über jeder Spur.

    Das Auto durchquert bei dem gewählten Bildausschnitt während der Belichtung das ganze Bild und ist deswegen komplett verwischt, im Gegensatz zum Fußgänger, der eine viel kürzere Spur erzeugt. Je schneller die Bewegung ist desto stärker ist die Verwischung oder auch Bewegungsunschärfe.

    Bei einer Belichtungszeit von einer halben Sekunde würden sich die Balken halbieren. Bei einer viertel Sekunde wären sie 1/4 so lang, usw. Je kürzer die Zeit gewählt wird um so geringer ist die Bewegungsunschärfe. Je nach Belichtungszeit, Geschwindigkeit und Abbildungsgröße kann man keine Unschärfe mehr erkennen.

     

    Schärfe und Belichtungszeit -Fotokurs kurze Verschlusszeit

    Bei diesem Bild beträgt die Verschlusszeit 1/125 Sekunde. Man erkennt an der Länge der farbigen Balken, die zurückgelegte Distanz während der Belichtungszeit. Wo kein Balken mehr erkennbar ist, da gibt es auch keine sichtbare Bewegungsunschärfe mehr. Das Auto ist noch deutlich unscharf, der Radfahrer nur noch ein klein wenig und der Fußgänger wird scharf abgebildet.

    Anmerkung zur Belichtung:
    Weil die Belichtungszeit verkürzt wurde, musste im Gegenzug die ISO-Empfindlichkeit erhöht werden. Im Beispiel hat es allerdings nicht ganz gereicht, so dass wir noch 2 Blenden zu dunkel sind.

     

    Fotokurs_kurze_verschlusszeit

    Foto: Colourbox.de

    Wenn man die Kamera z.B. bei der Aufnahme des Autos in Bewegungsrichtung mitzieht, wird das Auto auch bei einer eigentlich zu langen Belichtungszeit scharf, weil man die zurückgelegte Strecke durch die Kamerabewegung kompensiert. Allerdings verwischt dann der restliche Teil des Bildes, welcher sich nicht bewegt.

     

    Bis zu welcher Zeit kann man aus der Hand fotografieren?

    Wenn man die Kamera in der Hand hält und während einer zu langen Belichtungszeit sich die Kamera bewegt, dann verwackelt man die Aufnahme, was unerwünschte Bewegungsunschärfe aufgrund der Kamerabewegung erzeugt und sich als Bildfehler bemerkbar macht. Es hängt von vielen Faktoren ab, ob man verwackelt, diese sind z.B. die Größe und Gewicht der Kamera (inkl. Objektiv), die Art und Weise der Kamerahaltung, ist man selber in Bewegung (aktiv beim Laufen oder passiv beispielsweise in einem Fahrzeug.

    Kehrwert der Brennweite ergibt die längste Verschlusszeit aus der Hand.

    Faustregel: Die längstmögliche verwacklungsfreie Verschlusszeit aus der Hand ist der Kehrwert der Brennweite. Mit einem Bildstabilisator kann man ca. 2 Zeitstufen länger ruhig halten.

    Der Bildstabilisator hilft nur vor dem eigenen verwackeln, wenn sich das Motiv bewegt hilft, nur eine kürzere Verschlusszeit. Aus diesem Grund bevorzuge ich persönlich lieber ein lichtstarkes Objektiv.

    Marketing Versprechen, die einem weiß machen wollen, dass z.B. eine offene Blende von f 5,6 durch den Bildstabilisator genauso gut ist, wie eine Blende f 2,8 ist, vergleiche ich gerne mit einem Autohändler, der einem beim Sportwagenkauf sagt, „damit können Sie auch prima einen Umzug machen.“

     

    Längere Verschlusszeiten

    Und wenn man länger belichten möchte, dann benötigt man ein Stativ oder legt die Kamera zumindest auf, es gibt da z.B. den Bohnensack.

    Auch Aufnahmen mit einem Stativ können verwackeln, weil es beispielsweise windanfällig ist, der Boden vibriert oder es einfach nicht stabil genug für das zu tragende Gewicht ausgelegt ist und schwingt. Bereits der Spiegelschlag in der Kamera kann ein Bild verwackeln, deswegen gibt es bei vielen Kameras die Spiegelvorauslösung.

    Ein solides Studiostativ wiegt nicht ohne Grund über 100 Kg.

     

     

    Bewegung als Gestaltungsmittel

    Fotokurs_Belichtungszeit_extrem-kurz

    Foto: Colourbox.de

    Das erste Beispiel zeigt eine Krone, die durch das Einfrieren der Wasserbewegung entsteht.

    Fotokurs Belichtungszeit Schärfe | lange Verschlusszeit mit gezielter Verwischung

    Foto: Colourbox.de

    Langzeitbelichtungen können wie hier gezielt die Sterne als Kreisbahnen darstellen. Oder man möchte Dynamik z.B. bei Tanzbildern oder anderen Bewegungen durch Unschärfe erzeugen.

     

    Fazit – Schärfe und Belichtungszeit

    Die Belichtungszeit spielt auch für die Bildgestaltung eine wichtige Rolle, um gezielt Bewegungen einzufrieren oder sichtbar zu machen.

    Auch kann man nur bis zu einer bestimmten Verschlusszeit aus der Hand fotografieren und kann sich an der Faustregel orientieren.

     

    Weiter mit Teil 06 Brennweiten und Bildwinkel

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