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    Blitzlicht Fotografie – Das Heim-Fotostudio Teil 10

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    Blitzlicht Fotografie im Fotostudio

    Beim Blitzlicht muss man zwischen verschiedenen Geräteklassen unterscheiden. Studioblitzgeräte werden primär im Studio genutzt und mit Netzspannung betrieben.

    Der Vorteil von Studioblitzgeräten ist neben der hohen Blitzlichtleistung, das umfangreiche Lichtformerprogramm und vor allem das integrierte Dauerlicht. Dieses wird auch als Einstelllicht oder Pilotlicht bezeichnet und bietet eine leistungsreduzierte Vorschau des Blitzlichts.

    Das Pilotlicht ist normalerweise getrennt vom Blitzlicht einschaltbar und in der Helligkeit proportional und/oder frei zum Blitzlicht regelbar.

    Einstelllicht hilft übrigens nicht nur beim Abschätzen der Lichtsituation, sondern auch bei der Fokussierung. Die maximale Helligkeit des Einstelllichts, ist je nach Blitzmodell sehr unterschiedlich, je heller desto besser. Manche Blitzgeräte verfügen über Einstelllicht von bis zu 650 Watt, andere liegen deutlich unter 100 Watt, womit der Nutzen extrem abnimmt.

    Meistens handelt es sich um Halogenbrenner, bei akkubetriebenen Geräten wird zunehmend LED-Licht verbaut.

     

    Lichtformerbajonett

    Studioblitzgeräte besitzen meistens eine Art Bajonettanschluss, mit dem Lichtformer befestigt werden können. Leider nutzt jeder Markenhersteller seinen eigenen Anschluss, manchmal sogar mehrere mit verschiedenen Durchmessern.

    Softboxen nutzen konstruktionsbedingt einen (austauschbaren) Speedring. So können diese mit einem anderen Adapterring (sofern verfügbar) an unterschiedlichen Fabrikaten angebracht werden.

    Bei asiatischen Anbietern gibt es manchmal eine Kompatibilität zum Bowens Typ-S Bajonett.

     

    Blitzlicht-Leistung

    Die Leistungsangabe erfolgt bei Studioblitzen in Wattsekunden (Ws) oder Joule und nicht in Watt, was man leider ab und zu liest. Neben der reinen Blitzleistung spielt die optische Konstruktion sowie der verwendete Lichtformer für die effekktive Helligkeit eine Rolle.

    Worauf es bei der Wahl des Studioblitzes ankommt, habe ich in einem anderen Beitrag bereits beschrieben. Auch zur Leistungsfindung gibt es einen Artikel.

    In der Kurzfassung hat man oft das Problem, das man den Blitz nicht weit genug nach unten regeln kann. Falls man mehr Licht benötigt, dann muss die Leistung um ein vielfaches höher sein, denn jede Verdopplung bringt gerade mal eine Blendenstufe.

     

    Kompaktblitz / Monolight

    Bei Kompaktblitzen befindet sich die Blitzeinheit (Blitzröhre und Einstelllicht) sowie der Leistungsteil (Steuerung und Kondensatoren) in einem Gehäuse.

    Kompakte Studioblitzgeräte aus Asien beginnen preislich schon ab etwa 100 EUR. Selbstverständlich darf man hier keine Wunder bezüglich Ausstattung und Qualität erwarten. Für höherwertige und besser ausgestattete Geräte der Top-Marken kann man tiefer in die Tasche greifen und landet schnell bei 1.000 EUR oder mehr.

    Lichtformer müssen dazu gekauft werden.

     

    Nachteile
    Jeder nach vorne geneigte Blitzkopf, der auf der Rückseite die Anzeigen besitzt, muss per Leiter inspiziert und bedient werden, weil man vom Boden aus diese nicht einsehen kann. Viele billige Geräte besitzen keine leuchtende Leistungsanzeige, sondern nur einen Drehknopf, wo man mit einer Taschenlampe versuchen kann die Position des Nippels auf der aufgedruckten Skala zu finden.

    Je leistungsstärker der Blitz, desto größer und schwerer wird der Kompaktblitz, was eine höhere Kopflastigkeit auf dem Stativ bedeutet.

    Manche Anbieter bieten Funk- oder Kabelfernbedienungen zu ihren Geräten an, teilweise gibt es auch Funkauslöser, die eine Leistungsregelung ermöglichen. Andere bieten Apps für Smartphones, Tabletts oder Computer an, um die Geräte per WLAN steuern zu können.

     

    Generatoren und Blitzköpfe

    Der Blitzkopf ist in einem separaten kleinen und leichten Gehäuse untergebracht, der über ein dickes Kabel mit dem Generator verbunden wird. An einem Blitzgenerator lassen sich meistens mehrere Köpfe anschließen. Die Anzahl variiert je nach Gerät und Hersteller.

    Man unterscheidet zwischen symmetrischen und asymmetrischen Generatoren. Bei symmetrischen Generatoren wird die Blitzleistung identisch auf die Menge der angeschlossenen Blitzköpfe verteilt. Bei 2 Köpfen bekommt jeder 50%, bei 3 jeder 33,33%. Mit asymmetrischen Blitzgeneratoren, wird die Leistung entweder in einem festen Verhältnis aufgeteilt oder ist frei verteilbar.

    Da ein Generator meistens auf dem Boden steht oder am Stativ hängt, lassen sich auch hoch angebrachte Blitzkopfe leicht in der Leistung regulieren.

    Nachteile
    Höherer Preis gegenüber Kompaktblitzbauweise, mehr Verkabelung.

     

     

    Porty (portabler Studioblitz)

    Hierbei handelt es sich um die portable Version von Studioblitzgeräten, die per Akku betrieben werden. Mobile Studioblitzgeräte gibt es in Kompakt- und Generatorblitzbauweise.

    Nachteile
    Meistens kein direkter Netzbetrieb möglich, schwächeres Einstelllicht, beschränke Blitzanzahl per Akkuladung,

    Als es diese Geräte noch nicht gab, hatte man einen Stromgenerator im Gepäck um Studioblitzgeräte mobil nutzen zu können. Heutzutage gibt es diverse Anbieter, die eine mobile Akku-Stromversorgungen mit 230 Volt Steckdose ermöglichen.

     

     

    Systemblitz / Aufsteckblitz

    Dies sind die Blitzgeräte, die normalerweise auf den Blitzschuh der Kamera gesteckt werden und welche man oftmals von der Marke des Kameraherstellers kauft und dann schnell 250 bis 600 EUR kosten.

    Systemblitze sind sehr leicht und kompakt und mittlerweile gibt es von vielen Anbietern diverse Lichtfomer oder Adapter um Studioblitzlichtformer, wenigstens eingeschränkt, nutzen zu können. Aufgrund der Bauweise ist eine Nutzung als Punktlichtquelle im Brennpunkt eines Lichtformers kaum möglich.

    Entfesseltes Blitzen mit preiswerten Aufsteckblitzen wird immer beliebter und kann natürlich auch im Heimstudio betrieben werden. Der Vorteil ist, dass man hierfür keine TTL-Blitze benötigt und mit relativ kostengünstigen Geräten arbeiten kann.

    Nachteile
    Kein Einstelllicht (und nein, Stroboskopblitze für 3-6 Sekunden Dauer oder ein AF-Hilfslicht sind kein Ersatz), eingeschränkte Lichtformerauswahl. Geringere Leistung.

     

    Entscheidungshilfen zum Lichtsystem:

    Neben dem verfügbaren Budget spielt die persönliche Erfahrung und die Einsatzgebiete bei der Wahl des Lichtsystems eine Rolle. Wer echte Eis-Desserts fotografiert, wird mit heißem Licht sicher schlechter zurechtkommen. Wer auf einem Cocktail-Glas mühsam einzelne Wassertropfen mit dem Pinsel gesetzt hat, wird diese nach ein paar kräftigen Blitzen vermissen. Je nach vorhandener Helligkeit, weiten oder verkleinern sich die Pupillen eines Modells. Wer in der kälteren Jahreszeit in seiner Garage fotografiert, freut sich vielleicht über die wärmenden Scheinwerfer.

    Alle Lichtvarianten besitzen unterschiedliche Vor- und Nachteile, daher kann dir niemand die Wahl abnehmen. Ich empfehle mit dem zu beginnen, was man bereits besitzt. Man merkt eigentlich sehr schnell ob und was einen daran stört.

     

    Mit einer Lichtquelle beginnen

    Als Einsteiger sollte man tunlichst mit einer einzelnen Lichtquelle beginnen und lernen diese auf unterschiedlichste Art und Weise einzusetzen. Hierzu gehören auch Hilfsmittel und diverse Lichtformer, um das Licht gezielt zu verändern.

    Jede weitere Lichtquelle erhöht deutlich das Risiko Fehler zu machen. Wenn du noch nicht weißt, worauf es beim Licht setzen ankommt, wird meistens nach dem Motto „viel hilft viel“ gearbeitet. Jede weitere Lichtquelle wirft dann leicht einen zusätzlichen Schatten im Bild.

    Dies ist ein Grund dafür, warum Einsteiger-Licht-Sets vornehmlich nur aus Softboxen bestehen. Das Problem dabei ist, das man mit Softboxen weiche Schatten erzeugt und die gemachten Fehler nicht so offensichtlich sichtbar werden wie mit harten Schlagschatten.

     

    WYSIWYG „What You See Is What You Get“

    Englisch für „Was du siehst, ist das, was du bekommst.“

    Wie bereits erwähnt zeigt Dauerlicht schon während der Einstellung jede Veränderung an, was zum Lernen ideal ist, selbst wenn das Einstelllicht nicht hundertprozentig dem Blitzlicht entspricht.  Somit sind auch die meisten Studioblitzgeräte gut geeignet.

    Aufsteckblitzgeräte ohne Einstelllicht, sind die schlechteste Wahl die gezielte Lichtsetzung zu erlernen, denn man sieht immer erst nach dem Fotografieren ein Ergebnis. So nähert man sich durch Versuch und Irrtum seinem Ziel an oder entfernt sich auch wieder. Das dauert lange und ist extrem unbefriedigend. Für Einsteiger ist es so sehr schwierig, beispielsweise ein Rembrandt-Licht zu erzeugen. Das ist beim ersten Mal selbst mit einer Dauerlichtquelle nicht einfach.

     

    Leistung

    Du wirst beim fotografieren auch feststellen, ob die Leistung für deine Zwecke die richtige ist. Oder ob du beispielsweise bei Nutzung einer großen Softbox, doch lieber eine Lichtquelle mit doppelter, vierfacher oder achtfacher Leistung hättest. Oder du hast dir vielleicht ein Blitzlicht mit 1.000 Ws gekauft und merkst jetzt, dass du diesen nicht weit genug in der Leistung reduzieren kannst. Langfristig wirst du sehr wahrscheinlich eh weitere Lichtquellen anschaffen, um die Möglichkeiten zu erweitern. Von daher ist es nicht tragisch, wenn die Erste Anschaffung nicht für alle Zwecke optimal ist.

    Es gibt übrigens Software, mit der man Lichtsetzung im virtuellen Fotostudio ausprobieren kann, die habe ich hier vorgestellt. So kannst du auch einen groben Eindruck von der nötigen Leistungsfähigkeit bekommen.

     

    Empfehlung

    Eine Kaufempfehlung zu geben ist nicht einfach, deswegen würde ich es ähnlich wie bei einer Kamera machen und eine Preiswerte ohne großen Schnickschnack kaufen. Das gesparte Geld lieber in gute Objektive stecken. Die Objektive kann man später auch mit den nachfolgenden Kameras nutzen, jedenfalls wenn man bei der Marke bleibt.

    Das Ganze kann man auf die Beleuchtung übertragen. Aus diesem Grund würde ich auf einen Markenhersteller setzen, wo es ein entsprechendes Lichtformerprogramm gibt und man auch mit anderen Ansprüchen passende Blitzgeräte findet. Ein D-Lite RX One (Werbung)* von Elinchrom mit Standardreflektor (oder der 18 cm Reflektor inkl. Wabe) wären eine Möglichkeit. Sicherlich kann man auch bei diesem Gerät einige Dinge bemängeln, wie z.B.  das Einstelllicht hat „nur“ 100 Watt, Plastikbomber, ruppiges Lichtformerbajonett und obwohl es eine Schweizer Firma ist, wird der Blitz in Asien gebaut.

    Bei anderen europäischen Marken wie Profoto, Bron, Hensel, Multiblitz, etc. kosten die preiswertesten Geräte im Einstieg mehr.

    Die weiteren Anbieter sind asiatische Hersteller, mit denen ich vor einigen Jahren noch sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe. Sowohl die Bedienung als auch die Qualität war bei meinem Blitz mangelhaft. Bei einem People-Shooting mit kurzer Blitzfolge, begann der Blitz eine Kommunikation auf traditionelle Indianerart, indem er dunkle Rauchzeichen von sich gab. Bevor er in Flammen aufging, konnte ich ihn vom Netz trennen und wusste warum er billig war.

    Mittlerweile soll sich die Qualität (teilweise) deutlich verbessert haben. Von Jinbei hört man beispielsweise viel Positives. Wer ein Ladengeschäft in seiner Nähe hat, sollte sich die Geräte am besten ansehen und ausprobieren.

    Viele Hersteller bieten Kits oder Sets mit deutlichem Preisvorteil gegenüber dem Einzelkauf an.

     

    Dauereinsatz vs. sporadische Nutzung

    Damit hier kein Missverständnis entsteht, auch das D-Lite würde ich nicht als das Arbeitstier für den professionellen Dauereinsatz sehen, wo es täglich 8 Stunden am Tag genutzt wird, sondern als ein Einstiegsgerät für Gelegenheitsnutzer. Natürlich kann man damit regelmäßig ein paar Passbilder am Tag damit machen. Für den Dauereinsatz z.B. bei (halb-) automatisierten 360° Produktaufnahmen würde ich es nicht verwenden.

    Normalerweise schalten sich Blitzgeräte bei Überhitzung ab und man muss einige Zeit abwarten bis man weiter Blitzen kann. Als Hobbyist ist das kein Thema. Wenn aber der Agenturkunde im Studio steht und ein vielköpfiges Team darauf wartet, das es weiter geht, dann hat man ein echtes Problem oder zumindest noch ein Ersatzgerät.

    Es ist übrigens kein Problem mit mehreren Blitzgeräten verschiedener Anbieter gleichzeitig zu arbeiten. Blöd ist nur, dass aufgrund der unterschiedlichen Anschlüsse man die Reflektoren nicht beliebig wechseln kann.

     

    Einschränkungen

    Der Bildsensor hat eine andere Wahrnehmung als das menschliche Auge. Dies kann zu einen Unterschied zwischen dem gesehenen und dem Fotografierten Bild führen.

    Studioblitzgeräte blitzen mit Tageslicht, das Einstelllicht hat allerdings die Farbtemperatur von Kunstlicht. Beim Einstellen und kontrollieren des Bildes per Liveview und dem gemachten Foto, kann es so zu deutlichen Farbverschiebungen kommen. Teilweise wird der Liveview auch künstlich von der Kamera verfremdet und in der Helligkeit automatisch verändert.

    Das Einstelllicht ist normalerweise eine Punktlichtquelle. Die Blitzröhre liegt meistens ringförmig gebogen um die Birne herum und hat dabei einen Durchmesser von etwa ca. 6 bis 7 cm und ist damit bereits flächig. Diese Unterschiede können sich im Bild sichtbar auswirken, sind gewöhnlich aber vernachlässigbar.

    Sollte das Pilotlicht nicht proportional zum Blitzlicht eingestellt sein, kann es zu Abweichungen kommen, besonders wenn man mit mehreren Blitzen arbeitet.

    Da mit höherer Lichtleistung die Preise der Geräte steigen, bietet möglicherweise eine lichtempfindlichere Kamera (ohne deutliches Bildrauschen) eine Alternative.

    Wer in einem großen Fotostudio mit entsprechenden Lichtformern arbeitet oder gegen die Sonne blitzt, hat einen erheblichen Leistungsbedarf. Nicht ohne Grund gibt es Studio-Blitzgeneratoren mit einer Leistung von mehreren tausend Wattsekunden.

     


    Das Heim-Fotostudio Teil 1

    < Teil 9 – Dauerlicht


    siehe auch: Der richtige Studioblitz

    Studioblitz welche Leistung?

     

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