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    06 Brennweite und Bildwinkel – Fotokurs

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    Bei Objektiven werden die Brennweiten und nicht die Bildwinkel angegeben, was etwas verwirrend ist. Denn so spielt die Sensorgröße eine wichtige Rolle, um zu wissen, ob es sich bei dem Objektiv um ein Weitwinkel-, Normal- oder Teleobjektiv handelt.

    Beim Kleinbildformat (KB, Vollformat, FX) hat der Sensor eine Größe von ca. 24 x 36 mm. Daraus ergibt sich eine Sensordiagonale von ca 43 mm. Eine Brennweite von 43 mm entspricht im Kleinbildformat somit einem Normalobjektiv, allerdings wird hier großzügig gerundet und es hat sich das 50mm Objektiv als Normalobjektiv etabliert.

    Viele DSLR-Kameras besitzen einen kleineren Sensor als das volle Kleinbildformat, dann spricht man von einem Crop Faktor gegenüber KB. Nikon hat den Crop-Faktor 1,5 (DX-Format) und Canon 1,6. Bei Nikon ist der Sensor dann noch halb so groß wie KB, nämlich 24 x 18 mm. Die Angaben sind etwas idealisiert, denn bei jeder Sensorgeneration sind die Werte leicht unterschiedlich. Das Normalobjektiv für einen DX-Sensor entspricht ungefähr 35mm, was im Vollformat schon ein Weitwinkel ist.

    Die Sensorgrößen schauen wir uns im nächsten Kapitel genauer an, jetzt beziehen wir uns erst einmal auf das klassische Kleinbildformat, also Vollformat mit 24 x 36mm.

    Bei einer DSLR-Kamera können die Objektive ausgewechselt werden, damit man für das jeweilige Motiv, die am besten geeignete Brennweite auswählen kann.

     

    Übersicht Brennweiten und Bildwinkel

    Brennweite und Bildwinkel unterschiedlicher Objektive - Fotokurs

    Bildwinkel Nikon FX (Vollformat KB = 36 x 24mm)

    Bildwinkel Nikon FX (Vollformat KB = 36 x 24mm)

    Die Grafik zeigt beispielhaft unterschiedliche Brennweiten mit ihrem Bildwinkel an. Bei Canon und Nikon gehen die Teleobjektive z.Z. bis 800mm Brennweite.

     

    Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektiv

    Objektive, welche eine kleinere Brennweite als die Bilddiagonale des Sensors besitzen, sind Weitwinkelobjektive. Teleobjektive haben eine größere Brennweite. Objektive die eine feste Brennweite besitzen werden Festbrennweite oder (engl-) Prime-Lens genannt. Objektive mit einer verstellbaren Brennweite nennt man Zoom, Zoom-Objektiv selten auch Varioobjektiv oder Gummilinse.

    Das oberste Foto wurde mit 24 mm Brennweite aufgenommen. Wenn man jetzt einen kleineren Ausschnitt vom Motiv aufnehmen möchte, kann man „normalerweise“ dichter an das Motiv heran gehen, um einen kleineren Bildausschnitt zu erhalten. Dies ist in diesem Beispiel aufgrund des Flusses nicht möglich. Es sei denn, man hat ein Boot dabei. Durch einen Objektivwechsel kann aber auch vom selben Standort ein kleinerer Bildwinkel aufgenommen werden. Exemplarisch sind einige Bildausschnitte für größere (längere) Brennweiten eingezeichnet.

    Wenn man einen größeren Bereich abbilden möchte und nicht weiter mit der Kamera zurück gehen kann, benötigt man ein Objektiv mit einem größeren Bildwinkel, wie im folgenden Beispielbild.

    fisheye mit extremen Bildwinkel

    f = 8 • ISO 200 • t = 1/15 s • Brennweite 15 mm Fisheye

    Die Objektivwahl kann auch aufgrund der extremen Darstellungsmöglichkeiten z.B. für dieses karikaturähnliche Foto genutzt werden.

    15mm Brennweite

    f = 18 • t = 1/125 s • Brennweite 15 mm Fisheye • Foto: Colourbox.de

    Bei den letzten beiden Bildern erkennt man gut die große Schärfentiefe. Diese ist nicht nur von der Blende abhängig, sondern ganz wesentlich von der verwendeten Brennweite. Je größer die Brennweite desto geringer ist die Schärfentiefe, wie beim folgenden Foto gut zu erkennen ist. Die offene Blende wirkt sich hierbei kaum aus, d.h. auch abgeblendet wären die Füße des Mädchens immer noch unscharf. (Siehe Schärfentiefe)

    Teleobjektiv mit 200mm Brennweite

    f = 2,8 • ISO 320 • t = 1/800 s • Brennweite 200 mm

    Die bis jetzt gezeigten Bilder sind alle mit Kameras von Canon fotografiert worden, daher sind die folgenden Angaben von Nikon um einen Ausgleich zu schaffen. Nein, der wahre Grund ist, dass die Angaben bei jedem Hersteller ganz leicht variieren können, was wiederum mit der leicht unterschiedlichen Sensorgröße zu tun hat.

    Beim Fisheye-Objektiv gibt es zwei Varianten. Einmal das Fisheye (15mm Canon oder 16mmNikon), welches das rechteckige Bildformat voll ausfüllt und das Zirkular-Fisheye (8mm z.B. Sigma), welches ein kreisrundes Bild auf dem Vollformat-Sensor abbildet und der Rest der Fläche Schwarz bleibt.

     

    Unterschied bei identischer Abbildungsgröße

    Das Motiv kann mit verschiedenen Objektiven, aufgrund des unterschiedlichen Abstands zwischen Kamera und Motiv identisch groß abgebildet werden. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede, welche nicht nur die Ausdehnung des Schärfentiefenbereiches angeht. Aufgrund der unterschiedlichen Kamerastandpunkte gibt es auch Unterschiede in der Perspektive.

    Es ist ein großer Unterschied im Beispielbild zu sehen, wenn man beispielsweise ein Teleobjektiv verwendet und aus größerer Entfernung fotografiert oder das Motiv bei identischer Abbildungsgröße aus kürzester Distanz mit einem Weitwinkel fotografiert.

     

    Das Beispiel wurde extra mit einem 3D Programm (Werbung) erstellt, damit die Bilder bis auf die Änderung wirklich identisch sind. Es wurde lediglich die Entfernung der Kamera zum Modell verändert und die Brennweite von A = 20mm auf B = 200mm verändert. Man sieht sehr gut, wie sich die Perspektive z.B. an der Hand und auch die Verzerrung des Kopfes verändert. Auch die Schärfentiefe und der sichtbare Hintergrund sind deutlich unterschiedlich. Dieses absichtlich so gewählte extreme Beispiel soll aufzeigen, wie leicht man das Bildergebnis verändern kann und wie wichtig die richtige Objektivwahl ist, wenn man ein natürlich wirkendes Ergebnis haben möchte.

     

    Verzeichnung

    Objektive, besonders Weitwinkelobjektive verzerren das Bild. Dies nimmt mit größeren Bildwinkeln zu den Bildrändern stark zu. Beim Beispiel sieht man, dass die vertikalen Linien vom Haus am Rand extrem gebogen sind. Bei der mittleren Kontrolllinie ist kaum eine Verzeichnung zu erkennen.

    Verzeichnung

    Foto: Colourbox.de

    Diese Darstellungsfehler lassen sich per Software in der Bildnachbearbeitung entfernen oder zumindest reduzieren. Viele RAW-Entwicklungsprogramme besitzen dafür Objektivbibliotheken, in denen die nötige Fehlerkorrektur gespeichert ist.

     

    Fazit Brennweite und Bildwinkel

    Je nach Motiv und Kamerastandpunkt ist eine andere Brennweite nötig.
    Nicht jede Brennweite und Bildwinkel ist für jedes Motiv ideal.
    Je kürzer die Brennweite je größer ist die Schärfentiefe.

     

    Qualitätsmerkmale und weitere Objektiveigenschaften und Unterschiede schauen wir uns in einem späteren Teil an, wenn es um Objektive geht.

     

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