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    Das Heim- Fotostudio – Teil 1 Vorüberlegungen

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    Das zukünftigen Heim- fotostudio einrichten und planen.

    In diesem Zimmer werden wir das Heim-Fotostudio einrichten. Das kleinere Bild zeigt den Raum die gegenüberliegende Wand inkl. zwei Regalen mit Fotoausrüstung.

    In diesem Zimmer werden wir das Heim-Fotostudio einrichten. Das kleinere Bild zeigt den Raum die gegenüberliegende Wand inkl. zwei Regalen mit Fotoausrüstung.

    Das eigene Heim-Fotostudio oder Fotoatelier zu Hause mit der richtigen Ausrüstung und geeignetem Zubehör einrichten, wer möchte das nicht?

    Ein nicht mehr gebrauchtes Kinderzimmer, ein Kellerraum, der Dachboden, die Garage oder ähnlich ist frei geworden und schon soll ein Fotostudio zu Hause eingerichtet werden. Aber vielleicht bietet auch nur das Wohn- oder Esszimmer, durch ein wenig verrücken von ein paar Möbeln, genug Platz für ein temporäres Fotostudio.

    Diese Reihe beschäftigt sich Schritt für Schritt mit der Einrichtung, dem Equipment und Nutzung eines solchen Raums als Heim-Fotostudio. Damit dies auch realistisch praktiziert werden kann und nicht nur reine Theorie bleibt, habe ich einen kleinen Raum ausgesucht und werde diesen entsprechend ausrüsten und erkläre dabei alles Wesentliche aus meiner Erfahrung und sicherlich auch subjektiven Sichtweise. Fragen sind sehr willkommen, die Beiträge werde ich auch ab und zu überarbeiten, weil man unmöglich an alles direkt denkt.

    Diese Serie ist für Hobbyisten und Fotoanfänger gedacht. Da diese Zielgruppe oft kein großes Studio besitzt, wird es auch absichtlich in einem kleinen Zimmer umgesetzt. Der Begriff Studio ist mit ca. 3,5 mal 4 Meter und 2,5 m Deckenhöhe sicherlich nicht ganz der richtige.

    Aufgrund der räumlichen Enge ist es schwieriger zu arbeiten und man bekommt zahlreiche Probleme, die man in einem großen Studio nicht hätte. Aber genau darum geht es in dieser Reihe, denn nicht jeder hat gleich 100 bis 200 Quadratmeter oder mehr mit 5 Meter hohen Decken ;-)

    Auch der Fortgeschrittene Leser findet bestimmt den ein oder anderen Tipp.

     

    Der Grundriss und Vorüberlegungen zum Heim-Fotostudio

    Als Erstes wird der Raum genau vermessen und überlegt in welche Richtung fotografiert werden soll und geschaut, ob ein Standard Hintergrundsystem mit Papierrollen ins Zimmer passt. Auch wäre es schön, die Ausrüstung in diesem Raum lagern zu können. Auf der linken Seite befinden sich zwei Fenster, vor einem hängt der Heizkörper (graue Fläche, maximale Tiefe vom Thermostat). Gegenüber die Tür.

     

    Die Fenster müssen abgedunkelt werden können – geht durch Rollladen. Da die Scheibe allerdings, ähnlich wie ein Spiegel, das Licht reflektiert, wird schwarzer Molton an einer Gardinenleiste so angebracht, dass die ganze Wand verdunkelt werden kann.

     

    Die Tür muss auch während der Aufnahme nutzbar sein, damit man hinauskommt.

     

    Steckdosen

    Die Steckdosen sollten nach aktuellem Standard, möglichst mit 16 Ampere, abgesichert sein. – Ja, ist alles aktuell aber leider sind die neun vorhandenen Steckdosen nur über eine Sicherung abgesichert. Aber im Flur gibt es eine weitere Steckdose mit eigener Sicherung und im Nebenraum auch.

    Der Absicherungsbedarf richtet sich nach der Leistung der verwendeten Lichtquellen. Eine Absicherung mit 16 Ampere lässt eine theoretische Belastung von ca. 3.600 Watt zu. Mein Elektriker rät allerdings, diese Leistung nicht dauerhaft zu nutzen.

    Ich habe schon erlebt, dass eine Aufputzsteckdose bei zu hoher Belastung geschmolzen ist, inkl. Kabel und dem, was eingesteckt war. Die Sicherung ist übrigens nicht rausgesprungen, das passiert eher, wenn z.B. ein 2-KW-Scheinwerfer ohne Dimmerpack einsteckt, wird.

    Bei vorhandenem Lichtequipment sollte man in die Datenblätter schauen, um den Leistungsbedarf zu kennen. Studioblitzgeräte können oftmals in einen langsamen Lademodus geschaltet werden, wo auch schwächere Absicherungen z.B. 10 Ampere ausreichen.

    Wer mit Dauerlicht arbeiten möchte, kommt mit konventionellen Scheinwerfern schnell an die Grenzen von Standardsteckdosen und Starkstrom gibt es leider meistens nur für den Herd in der Küche. Hier kommen Niedervolt-, HMI- oder LED-Systeme ins Spiel. Diese bieten eine größere Helligkeit pro Watt und damit ist auch die Wärmeentwicklung geringer. Doch dazu später mehr.
    Die Entfernung zwischen Kamera und Hintergrund sollte möglichst groß sein. Ja, es passt ein Hintergrundsystem in Standardbreite von 272 bis 275 cm. Es gibt alternativ noch die Breiten von ca 136 und 360 cm. Teilweise bieten Anbieter an, die Papierrollen auf ein Wunschmaß zu kürzen.  Die lange Seite ist zum Fotografieren besser geeignet, damit man eine Person möglichst ganz abbilden kann. Zwischen der Person und dem Hintergrund sollte auch viel Abstand vorhanden sein, damit man hier Gestaltungsmöglichkeiten hat, um den Hintergrund unabhängig vom Motiv auszuleuchten und damit dieser auch unscharf werden kann, damit er sich vom Motiv trennt.

     

    Belastbarkeit und Stabilität der Decke

    Es ist eine verputzte Betondecke und geeignet um Dinge zu befestigen oder auch Autopole einzuklemmen.

     

    Fußboden 

    Es ist Laminat der auf einer Betondecke (Estrich), also auch hier biegt sich nichts durch und ist für Autopole geeignet.

     

    Welche Wand- und Deckenfarbe?

    Die Decke ist weiß gestrichen und die Wände sind Raufaser weiß. Die gute Nachricht ist, dass es keine bunten Farben gibt, die würden Farbstiche erzeugen. Beim Fotostudio gibt es eigentlich nur drei Möglichkeiten, wobei jede Ihre Anhänger und Vor- und Nachteile besitzt und auch etwas davon abhängt, was man aufnehmen möchte.

     

    Weiß

    Dies ist natürlich am angenehmsten und macht z.B. in einem Tageslichtstudio Sinn, weil es so relativ hell ist. Allerdings wird so von den Wänden und der Decke immer die maximale Lichtmenge (solange nicht Silber oder Gold verwendet wird, siehe Reflektoren ;-) reflektiert. Dies Streulicht wird uns im kleinen Studio aufgrund der Regel Licht nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab, Probleme bereiten, da es das Bild in der Regel gegen unsere Absicht verändert. Allerdings können Sie die weißen Wände auch gezielt nutzen, um indirekt zu beleuchten (bouncen).

     

    Neutralgrau

    Man hat immer eine Graukarte an der Wand ;-) doch Scherz beiseite. Es ist der Kompromiss zwischen Weiß und Schwarz. Man kann es weiß leuchten oder auch schwarz werden lassen, indem man Licht auf der Wand vermeidet.

     

    Schwarz

    Dies ist meine bevorzugte Variante, da das Licht geschluckt wird und nicht unkontrolliert reflektiert wird. Darüber hinaus hat man auch keine Reflexionen in spiegelnden Flächen, was z.B. in der Still Life-Fotografie oft störend ist. Stellen Sie sich vor Sie fotografieren eine fußballgroße silberne Kugel, in dieser Kugel spiegelt sich jetzt das gesamte Studio, wenn dieses Schwarz ist, haben Sie eine schwarze Kugel und können gezielt Lichtreflexe mit Lichtwannen setzen. Bei einem weißen Studio sehen sie das sich alles Mögliche in der Kugel spiegelt ;-(

    Ich werde den Raum weiß lassen aber schwarzen Molton an Gardinenschienen anbringen. Das bedeutet, auf der Fensterseite und der gegenüberliegenden Seite kann ich schwarze Wände per Gardinenschiene erzeugen. Mittels einer schwarzen Hintergrundrolle habe ich einen dunklen Hintergrund und bei entsprechendem Auszug auch einen schwarzen Boden. Nur die Decke und die Rückwand bleiben bis auf Weiteres erst einmal Weiß.

     

    Hintergrundsystem

    Das kommt direkt an die Wand oder Decke. Bei temporären Studios können Autopole oder Stative verwendet werden, je nachdem wie viel Platz man hat.

     

    Bluebox oder Greenbox

    Ich möchte auch vor einen Hintergrund Filmen können der mittels Chromakey- Verfahren in der Postproduktion (englisch post production) transparent gemacht werden kann.

     

    Hohlkehle – ja oder nein?

    Eine Hohlkehle kommt aufgrund des Aufwands im Heim-Fotostudio nicht infrage.

     

    Was soll fotografiert werden? 

    Personen, Porträts, Katzen, Stills, Food, etc.? Es gibt ein paar Unterschiede je nachdem, was man aufnehmen möchte, nicht zuletzt auch durch die Größe bedingt. Ich will natürlich alles machen können, was geht.

     

    Welche Lampen, Lichtformer und Ausrüstung werden benötigt? 

    Gut, das Sie hier gelandet sind, denn darum geht es in diesem Blog. Da ich auch Videos machen werde, gibt es neben Blitz- auch Dauerlicht mit allem möglichen Zeug, worauf ich genau an anderen Stellen eingehen werde, z.B. bei den Lichtformern.

     

    Wie werden die Lampen im Raum befestigt?

    Stative, Galgen oder Deckenschienensystem? Dieses komplexe Thema behandeln wir in einem Folgekapitel.

     

    Stauraum

    Das ganze Equipment braucht Platz, also sollten Regale integriert werden und vieles kommt in Euroboxen. (Werbung) Diese gibt es in unterschiedlichen Größen auch im Baumarkt. Dazu den passenden Rollwagen, so wie ihn Bäcker auch verwenden. Aber Achtung ohne gummierte Räder macht der einen Heiden Lärm. Ich nutze diese Boxen mit Deckel, wo ich ein Brett einlege, auch als fahrbare Ablage. Während der Aufnahmen kann man so einen Trum auch schnell in den Flur schieben.

     

    Sicherheit

    Sowohl das Einstelllicht von Blitzgeräten, welches bis zu 650 Watt stark sein kann, als auch das Dauerlicht wird extrem heiß. Von daher wird über kurz oder lang etwas schmelzen (z.B. Filterfolien, Diffusoren, o.ä.) oder ankokeln. Daher dürfen nur hitzebeständige Komponenten und flammgehemmte Stoffe (Molton) verwendet werden. Aber auch diese haben ihre Grenzen, daher ist ein Feuerlöscher sehr sinnvoll.

    Es gibt verschiedene Füllungen für unterschiedliche Brandherde, ich würde einen Kohlendioxidlöscher (CO2) nehmen, da dieser nicht das Equipment und den Rest des Studios versaut und für z.B. elektrische Anlagen gedacht ist. Ergänzend ein Schaumlöscher und eine Löschdecke.

    Darüber hinaus ist ein Rauchwarnmelder zu empfehlen, da die heißen Geräte einige Zeit brauchen, bis diese auskühlen.

    Bei gewerblichen Nutzungen gibt es zahlreiche gesetzliche Bestimmungen, nicht nur über die nötigen Löscheinheiten. Diese sind natürlich je nach Bundesland unterschiedlich und würden den Rahmen sprengen.

    Es gibt viele Anforderungen an das zukünftige Heim-Fotostudio und diese gilt es, erst einmal auf dem Papier oder per Software zu spezifizieren.

     

    Weitere Heim- Fotostudio Beiträge

    Teil 2 – Fotostudio- Raumplanung

    Teil 3 – Hintergrund

    Teil 4 – Hintergrund farbig leuchten

    Teil 5 – Lichtstative 

    Teil 6 – Leuchtenstativ-Bauformen

    Teil 7 – Befestigung

    Teil 8 – Studiobeleuchtung

    Teil 9 – Dauerlicht Fotografie

    Teil 10 – Blitzlicht Fotografie

    Teil 11 –

    Teil xy – Einführungs Lichtsetup


    Weiter mit Heim-Fotostudio – Teil 2 Raumplanung

     

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    2 Kommentare
    1. Avatar

      Stefan

      24. Mai 2017 at 18:06

      Hallo,

      ich lese hier schon seit einiger Zeit mit zunehmender Begeisterung Deine Serie über Studiofotografie.
      Obwohl kein Anfänger, finde ich immer wieder etwas Neues. Besonders gut gefällt mir der systematische Aufbau- so etwas gibt es nicht sehr oft und zur Studiofotografie ist es das Einzige, das ich kenne.
      Ich werde Deine Seite zukünftig gerne weiter empfehlen.

      Ein ganz großes Dankeschön von mir für die viele Arbeit und das Teilen Deines Know-hows :-)

      vg, Stefan

      • Avatar

        Jörg Pumpa

        24. Mai 2017 at 18:26

        Hallo Stefan,
        danke für dein Feedback. Es freut mich, dass es Dir gefällt, leider geben viel zu wenig Leser Feedback oder Anregungen.

        Ich schreibe gerade an weiteren Beiträgen, die das Thema der gezielten Lichtsetzung und Modifikation im Studio behandeln. Es wird allerdings deutlich umfangreicher als ursprünglich gedacht.

        Viele Grüße Jörg

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