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    Das Heim- Fotostudio – Teil 2 Raumplanung

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    Heim- Fotostudio zu hause einrichten - der Plan

    Raumplanung vom Heim- Fotostudio inkl. Fotostudio Hintergrund, Molton- Verdunklung und Deckenschienensystem. Das Bild zum Vergrößern anklicken.

    Raumplanung für das Heim- Fotostudio

    Basierend auf den gemachten Vorüberlegungen (siehe Teil 1) wird es jetzt mit dem Heim-Fotostudio konkret.

    Die aufgestellten Anforderungen und Elemente werden in den Grundriss des Zimmers so übertragen, das man diese verschieben kann. Nach einiger hin und her Schieberei bin ich zu folgender Lösung gekommen.

    Jedes Zimmer ist anders geschnitten und ich versuche hier meine Vorgehensweise und Überlegungen zu beschreiben, damit man es für sich selber nachvollziehen kann.

    Es gibt auch eine DIN-Schablone um Lichtwinkel und Scheinwerfer im Studio zu planen, das finde ich dann doch zu abstrakt und es geht hier ja auch nicht um ein TV-Studio, wo schnell 20 oder mehr Scheinwerfer an die Decke kommen.

    Die Zeichnung basiert also auf meinem Raum und ist mit dem Schreibprogramm „Pages“ erstellt. Es braucht also keine CAD-Software oder andere High End Zeichenprogramme. Ich habe ein großes Dokument mit 50 x 50 cm angelegt und kann jetzt Prima ohne großartig umrechnen zu müssen meinen Grundriss übertragen, d.h. 1 m sind 10 cm in meiner Zeichnung.

     

    Ich möchte Folgendes berücksichtigen:

     

    Fotomotiv – Stern

    Egal ob es sich um Portrait, Erotik, Hochzeit oder Bewerbungsfotos handelt, der Abstand zum Hintergrund (Gelb) sollte variabel sein.

    Die eingezeichnete Position, auf der gestrichelten Linie, ermöglicht eine separate Hintergrundausleuchtung z.B. bei Porträts. Bei der Food- oder Objektfotografie kommt man gut um das Motiv herum, um beispielsweise Aufheller, Spiegel, etc. zu positionieren.

    Das Motiv kann auf der gestrichelten Linie vor und zurück versetzt werden. Zu beiden Seiten hat man identisch viel Platz.

     

     

    Kartonhintergrundrollen – gelber Bereich

    Die 2,75 m breiten Papierrollen kommen mit einer Halterung direkt an die Wand, so ist die maximale Distanz zur Kamera (grüner Pfeil) gegeben.

    Da der Raum sehr klein ist, sollen nur zwei Hintergrundrollen dauerhaft befestigt werden. Eine dritte Rolle wäre schon zu weit von der Wand abgerückt und würde gleichzeitig zu tief hängen und so den möglichen Bildwinkel in der Höhe beschränken.

    Wer genug Platz hat, kann selbstverständlich auch drei oder je nach Halterung auch bis zu 6 Rollen anbringen.

    Damit die Papierrollen gewechselt werden können, muss zur Decke ein Mindestabstand gelassen werden. In der Seitenansicht sieht man, das die Rolle nach oben herausgenommen werden können. Die Gardinenschiene (Magenta) wird vom Hintergrundkarton nicht berührt, wie in der Aufsicht zu erkennen ist.

    Je nach Halterung kann diese auch an der Decke angebracht werden, oder man wählt eine temporäre Variante mit Stativen.

     

     

    Kamerapositionen – grüne Pfeile

    Die Kameradistanz zum Hintergrund sollte die längstmögliche Entfernung sein, damit man über Gestaltungsspielraum verfügt. Der Hintergrund kann sich bei Bedarf in Unschärfe verlieren oder getrennt ausgeleuchtet werden. Ach hätte der Raum nur 10 Meter Länge ;-)

    Die Hauptkameraposition befindet sich mit der Blickachse (gepunktete Linie mittig zum Hintergrund) zwischen den Regalen, denn im kleinen Raum zählt jeder Zentimeter!

    Auch die Überlegung nach anderen möglichen Kamerastandorten z.B. für Hoch- oder Querformat macht Sinn. Bei mir gibt es alternativ die Position im Flur mit Blick durch die Tür. Diese Position kann zB für Greenscreen verwendet werden. Durch die „Raumecke“ können dann zwei verschiedene Perspektiven gleichzeitig für Bewegtbildaufnahmen genutzt werden. Deswegen auch der Bogen oben links in der Gardinenschiene, damit man die „Ecke“ leichter schattenfrei ausgeleuchtet bekommt.

    Vielleicht gibt es bei Dir auch die Möglichkeit den Abstand wenigstens temporär zu vergrößern, z.B. eine geöffnete Zimmer- oder Terrassentür, Garagentor, etc.

    Moderne Kameras lassen sich gerne per Computer, Tablet oder Smartphone auch entfernt bedienen, man muss also nicht zwangsläufig hinter der Kamera stehen und kann per LiveView das Motiv ansehen und auslösen und so wertvolle Zentimeter, zumindest bei statischen Motiven, gewinnen.

     

    Welche Aufnahmewinkel haben die Objektive?

    Da der Raum leider in den wenigsten Fällen veränderbar ist, muss man also damit leben, wie er ist und dies schränkt oft die optimale Umsetzung oder die Wahl der Motive ein.

    Gruppenbilder wird man in diesem Raum nicht machen können. Ob eine Person von Kopf bis Fuß aufgenommen werden kann, bleibt spannend. Je größer das Motiv, desto kleiner muss die Brennweite gewählt werden, da man sich nicht weit genug mit der Kamera entfernen kann.

    Man zeichnet jetzt also ein Dreieck mit dem Blickwinkel des jeweiligen Objektives ein, die Spitze bildet die Kamera. Das eingezeichnete Motiv muss sich innerhalb der Schenkel befinden und diese dürfen nicht breiter als der Hintergrund werden. Idealerweise erstellt man auch eine Seiten- und Vorderansicht. Mit deren Hilfe kann man erkennen ob die Person z.B. erst ab der Hüfte oder den Knien abgebildet wird. Dies ist natürlich sehr umständlich und aufwendig zu zeichnen. Es gibt ein nützliches 3D-Programm, was hierbei hilfreich sein kann und weiter unten kurz beschrieben wird.

     

    Raumverdunklung – Magenta

    Ich werde dreispurige Gardinenschienen verwenden, eine Spur für Greenscreen, eine für schwarzen Molton, eine Reserve oder für Fenstergardinen. Parkposition ist am Regal.

     

    Stative / Deckenschienen – Blau

    Ich habe ein paar Stellversuche gemacht und der Raum ist für normale Dreibeinstative (ein Stativ hat einen Standkreisdurchmesser von ca. 1 m) eine Herausforderung, daher sind Autople eine gute Ergänzung. Die Frage ist jetzt, wie oft man gegen die Stativbeine rennt und ob dies einen stört? Mich stört dies, genauso wie die ganzen Kabel auf dem Boden. Daher habe ich überlegt, ob ich ein Deckenschienensystem einbauen soll.

    Die Deckenhöhe ist normalerweise für ein Deckenschienensystem viel zu niedrig. Eine Softbox direkt an der Decke braucht mit einem Kompaktblitzgerät, abhängig von der Größe beider Teile mindestens ca. 60 bis 100 cm Platz.

    Diesen Meter schlägt man eigentlich auf die Deckenhöhe auf. Plus einen Abstand, damit die Lichtquelle nicht direkt über dem Zielobjekt klebt. Aus diesem Grund sind Studios idealerweise sehr hoch. Denn nur dann ist man bei der Lichtgestaltung von oben frei, siehe auch Licht nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab.

    Damit die Lampenposition in der Höhe variabel ist, werden diese teilweise an Pantographen (Scherengitter) gehängt. Man zieht also die Lampe zu sich runter und an dieser Stelle bleibt sie dann, wie durch Geisterhand positioniert. Der Nachteil bei niedriger Studiodecke ist, dass der Pantograph eine Mindesthöhe hat, um welche die Lampe immer tiefer hängt.

    Ein weiterer Vorteil der Deckenschienen ist, dass die Lampen an beweglichen Laufwagen in der Schiene hängen und hin und her geschoben werden können. Diese Laufschienen (in der Abb. schräg dargestellt) werden an den fixen Deckenschienen mit einem Querschienenwagen befestigt und so kann auch die ganze Schiene verfahren werden. Die Kabel der Lampe werden über Kabelwagen an der Schiene in Schlaufen geführt und bleiben so auch oben an der Decke. Bei unserer Deckenhöhe können je nach Größe der Schlaufen die Kabel auch schon mal im Bild hängen.

    Da auch die Hintergrundpapierrollen nicht bis zur Decke nutzbar sind und bei der Halterung mit 2 Rollen ca. 30 cm Höhe gebraucht werden, haben wir also mindestens diese 30 cm Raum für das Deckenschienensystem. Die Schienen selber sind ca. 6 cm hoch bei zwei Schienen sind das dann 12 cm. Dazu kommen noch die Schienenbefestigung ca 1 cm der Querschienenwagen und der eigentliche Schienenwagen. Ohne befestigte Lampe ist also im nutzbaren Kameraaufnahmewinkel nichts im Bild.

    Da der Raum sehr klein ist, müssen die Querschienenwagen inkl. Laufschienen eingehangen werden. Dies wird an der Seite der Papierrollen gemacht, die Gardinenschiene kann erst danach montiert werden, weil die Querschienenwagen je nach Hersteller ca. 15 bis 20 cm Platz benötigen.

    Ich sehe also zurzeit keine Nachteile durch das Deckenschienensystem, sondern nur Vorteile des Systems. Wenn es nötig werden sollte, kann ich immer noch ein Stativ nutzen. Die Fragen, die sich jetzt stellen, sind folgende.

    Welche Deckenschienensysteme gibt es? Sind diese kompatibel untereinander, gibt es Qualitätsunterschiede und aus welchen Komponenten besteht so ein Deckenschienensystem?

     

    Ich habe zwei Regale so positioniert, dass diese nicht in der Blickachse stehen und der Molton kann zwischen dem Fenster und dem breiten Regal geparkt werden, wenn er nicht benötigt wird.

     

     

    Lichtrichtungen / Lampenpositionierung

    Licht wird aus unterschiedlichen Richtungen benötigt, dies fliest in die Planung mit ein. Die Lampen müssen um das „Objekt“ herum positioniert werden können. Wir denken uns einen Kreis um das im Zentrum stehende Motiv. Die Kamera steht auf der Null-Gradlinie in einen entsprechenden variablen Abstand. Die Lampen befinden sich in einem Winkel zum Objekt, wobei der Abstand auch unterschiedlich weit sein kann.

     

    Die Lichtquellen teilen sich je nach Winkel in folgende Gruppen ein.

    A. Gegenlicht oder Hinterlicht (Backlight), Konturlicht (Kicker), Kante, Haarlicht, Spitze, Streiflicht, o.ä.

    B. Seitenlicht, Streiflicht (es kommt auf die Definition an, ich persönlich sehe Streiflicht in Segment A)

    C. Hauptlicht (Führungslicht, Key-Light), Aufhelllicht oder Fülllicht (Fill-Light), Augenlicht
    Das ist jetzt auch nicht alles in Blei gegossen, ein Hauptlicht kann natürlich auch im Segment B stehen oder das Streiflicht in A, usw. Es geht hierbei darum, erst einmal verschiedene Lichtrichtungen zu unterscheiden. Und zu wissen das Licht quasi aus allen Richtungen, für unterschiedliche Zwecke genutzt werden kann. Da man meistens mit mehreren Lichtquellen aus unterschiedlichen Richtungen arbeitet, benötigt man dafür entsprechend Platz.

    Lichtrichtungen im Heim-Fotostudio

    Im Heim-Fotostudio wird das Licht aus unterschiedlichen Richtungen gesetzt. Der Kreis und die Unterteilung in drei Bereiche erleichtert die Definition.

    Es gibt auch noch das Oberlicht (also lotrecht über dem Objekt), welches auch leicht schräg in Richtung 0° oder 180° gekippt werden kann. Die Beleuchtung für den Hintergrund nennt sich Hintergrundlicht und bei Verwendung z.B. von Gobos wird es Effektlicht genannt.

    Die Lampen sollen für die unterschiedlichen Beleuchtungsarten an eigenen Laufschienen befestigt werden. Drei Arbeitsschienen sehe ich als Basis vor, eine Schiene pro Gruppe.

    An den Schienen können auch noch andere Dinge wie z.B. Aufheller etc. befestigt werden.

    Damit hier nicht der falsche Eindruck entsteht, natürlich braucht man nicht zwingend ein Deckenschienensystem im Fotostudio und es geht auch alles mit Stativen und Auslegern (Galgen). Das werde ich alles genau erörtern, denn auch im temporären Wohnzimmerfotostudio soll man alles nachmachen können, was in späteren Praxisbeiträgen vorgestellt wird.

     

     

    3D-Visualisierung als Simulationshilfe

    Wenn man die Skizze s.o. nicht bemaßt hätte, dann könnte das Ganze auch ein Plan für ein großes Studio sein. Ich hätte lediglich eine zweite Kurve in den Gardinenschienen eingebaut und diese gegen richtige Decken-Schienen getauscht und ein paar Laufschienen mehr. Na gut, die Papierrollen auch noch an eine Schiene und dann doch eine Holkehle ;-)

    Es ist ein ziemlicher Unterschied, ob man auf einen Plan schaut oder sich dann doch in dem Raum befindet. Besonders wenn man den Umgang mit Plänen nicht gewohnt ist, vielleicht habt ihr ein Haus gebaut und euch auch bei den Plänen des Architekten gefragt wie groß ist das denn jetzt wirklich?

    3D-Programme gibt es sehr viele und meist auch sehr kompliziert und teuer. Eine Ausnahme macht Set.a.Light (Werbung) , welches speziell für Fotografen entwickelt wurde. Hier kann man sein Raum einfach übertragen. Die maximalen Größen angeben und dann ein paar Blöcke einsetzen falls der Raum nicht rechteckig ist.

    Der Kamerachip, die Objektivbrennweite und Blende kann man auswählen. Personen und Blitz(e) und ein paar Hilfsmittel können positioniert werden und schon ist man in einem virtuellen Fotostudio inkl. Schärfentiefen– und Lichtsimulation.

    Heim-Fotostudio zu hause einrichten - 3D-Ansicht

    Das Heim- Fotostudio als 3D- Modell inkl. Fotostudio Hintergrund, Modell, Beleuchtung und Fotograf.

    Das Heim- Fotostudio als 3D- Modell inkl. Fotostudio Hintergrund, Modell, Beleuchtung und Fotograf.

    Das Ganze wurde in die 3D-Software übertragen, um ein besseres Gefühl für die Größe zu bekommen. Ich habe die Regale und Wände meines Zimmers fotografiert und als Textur genutzt. Man sieht links ein Fenster und Rechts die Tür und im Anschnitt unten erkannt man die Regale. Die Molton-Vorhänge sind an den Seiten integriert und ein paar weitere Elemente sind eingesetzt, beispielsweise zwei Studioblitze mit Striplight und Beauty-Dish.

    In dem 3D-Modell kann man prima erkennen, dass das Raumangebot des Heim-Fotostudios sehr begrenzt ist. Der Raum wirkt jetzt nicht mehr so großzügig, wie er auf der Zeichnung oder dem Foto im 1. Kapitel erschien, welcher mit einem Fisheye aufgenommen und perspektivisch korrigiert wurde.

    In diesem kleinen Zimmer werde ich übrigens auch Praxisthemen aufnehmen und ausführlich in diesem Blog vorstellen.

     

    Wer sich für diese Software interessiert, kann sich eine kostenlose Demoversion laden.

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    set.a.light 3D STUDIO - für Fotografen (Werbung)


    weiter zu Teil 3 Fotostudio Hintergrund

    Im 1. Teil geht es um die Vorüberlegungen zum Heim- Fotostudio

     

     

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