Ticker

    Das kleine Heim-Fotostudio – Teil 3 Fotohintergrund

    Von
    Studio Hintergrund, Fotohintergrund, Hintergrundsystem, Fotostudio selbst gemacht, Hintergrundkarton, Zubehör für das Heimstudio, Hintergrundsystem mit zwei Stativen

    Foto: colourbox.de

    Der Fotohintergrund.

    Bevor ich  im Detail auf unterschiedliche Hintergründe und Befestigungen für das Studio eingehe, stellt sich zunächst die Frage, wie der Fotohintergrund vom Fotografen eingesetzt werden soll? Wir schauen uns die Beispiele zu diesem Zweck erst einmal genauer nur unter dem Gesichtspunkt des Hintergrunds an, damit wir einen Eindruck bekommen, was man beeinflussen kann. Es ist auch nur ein erster Einblick, es gibt da noch weitere Möglichkeiten.

    Das Foto vom Hamburger und der Frau mit Absperrband haben vieles gemeinsam aber auch ein paar Unterschiede.

    Der Burger befindet sich auf einem spiegelnden Untergrund, da die Spiegelung dunkler als das eigentliche Motiv ist, handelt es sich wahrscheinlich um schwarzes Acrylglas oder schwarze Lackfolie. Das Objekt wird auf einem Tisch, Böcken mit einem Brett oder ähnlich positioniert. Das Ende der spiegelnden Platte verliert sich in der Tiefe und ist aufgrund der Beleuchtung und Unschärfe im Bild nicht vom Hintergrund zu unterscheiden. Die Frau steht und ist im Anschnitt, man sieht also nur den Hintergrund und keinen Fußboden. Die Frau ist viel größer als ein Hamburger, das sind die wesentlichen unterscheide, die eine Rolle für das Thema Fotohintergrund spielen.

    Der eigentliche Hintergrund ist bei beiden Fotos sehr ähnlich. Es handelt sich um einen Verlauf mit mittlerer Helligkeit, der zu einem Rand dunkler wird. Der Hintergrund befindet sich in einem größeren Abstand zum Motiv und wird eigenständig so beleuchtet, dass der Lichtkegel zum Rand deutlich dunkler wird und ein Helligkeitsverlauf entsteht. Das kann beispielsweise durch einen Standard-Reflektor mit Wabe erreicht werden. Das Grün kann durch die Verwendung eines Farbfilters vor der Lichtquelle erzeugt worden sein oder es wurde ein farbiger Fotohintergrund verwendet.

    Hintergrundsystem / Fotohintergrund

    Model Fotos: colourbox.de

    Der junge Mann sitzt auf dem Fußboden mit dem Rücken direkt an der Wand. Die beiden wesentlichen Unterschiede zu den anderen Bildern sind, die unmittelbare Nähe des Motivs zum Hintergrund und der deutlich sichtbare Übergang zwischen Wand und Fußboden. Der Schatten fällt deutlich sichtbar auf die Flächen. Ob der Schlagschatten hart oder weich ist, gehört in den Bereich der Beleuchtungstechnik. Der Punkt, der an dieser Stelle interessiert ist, ob er sichtbar ist.

     

    Wir halten also folgende Fakten fest:

    – Unser Motiv kann klein oder groß sein und benötigt dementsprechend auch einen größeren Hintergrund

    – Der Übergang zwischen Standfläche (Boden, Brett, Acryl, etc.) und Hintergrund (Wand, Hintergrundkarton, Stoff, etc.) kann in die Bildgestaltung einfließen. Entweder ist dieser deutlich sichtbar oder geht fließend ineinander über.

    – Der Hintergrund kann unterschiedlich Abstand zum Motiv besitzen und bietet dann verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten.

    – Der Boden (Standfläche auf dem das Motiv sich befindet) kann sichtbar in die Gestaltung einfließen.

    – Der Hintergrund (das Umfeld) fließt in die Bildgestaltung (harmonisch) ein oder trennt sich deutlich.

    – Möglicher Schlagschatten auf dem Hintergrund

     

    Was kann als Hintergrund im Fotostudio genutzt werden?

    Die 1. Frage ist also ob man sichtbare Kanten, Raumecken oder unsichtbare Übergänge haben möchte, sofern man einen Übergang von 2 Flächen im Foto abbildet.

    Die sichtbaren Übergänge sind ganz einfach, denn die erkennt man (meistens) aufgrund der unterschiedlichen Materialien, Oberflächen und oder Farben und Mustern. Hier kann eigentlich auch alles verwendet werden: Beton, Holz, Putz, Tapete, Stoff, Leder, Filz, Fliesen, Molton, Metallplatten, Papier, Kunststoff, Vinyl, Laminat, Kork, Stein, Marmor, Bast, Seide, etc.

    Kommen wir zu den weniger bis unsichtbaren Übergängen. Am einfachsten wird dies dadurch erreicht, dass es keine harte Kante gibt. Es wird ein 1/4 Kreisbogen als Übergang verwendet. Man nennt dies eine Hohlkehle. In Raumecken wo 3 Flächen aufeinandertreffen, wird ein Kugelausschnitt genauer eine achtel Kugel benötigt. Je größer der Radius desto einfacher kann später damit gearbeitet werden. Ein Radius von einem Meter ist anzustreben. In Studios werden solche komplexen Hohlkehlen fest installiert und in der Farbe gestrichen, die man benötigt.

    Eine einfache 90 Grad Hohlkehle kann man vielleicht mit dem nötigen Geschick noch selber bauen aber wir wechseln jetzt zur Standardhintergrundkartonrolle.

     

    Glänzend oder matt?

    Mattes Material ist am einfachsten zu nutzen, da kaum störenden Reflexe auftreten. Aber es gibt natürlich Motive, wo gerade dies gewünscht wird. Glänzende Oberflächen spiegeln, daher kann dies gezielt eingesetzt werden, es kann einen aber auch schnell stören, wenn die Lichtquellen oder die Kamera so im Bild sichtbar werden.

     

    Der Standard Fotohintergrund ist der Hintergrundkarton.

    Man verwendet oftmals Hintergrundkarton als Standardhintergrund. Den Hintergrundkarton gibt es z.B. als Artikel von Colorama* (Werbung), Hama, Savage* (Werbung) (Tetenal), etc. mit der Standardbreite von 270 bis 275 cm und 11 Meter Papierlänge, welches normalerweise um einen Pappkern aufgerollt ist. Es gibt noch eine schmalere Größe mit etwa der halben Breite und eine extrabreite Version mit ca. 360 cm. Je nach Hersteller variiert dies etwas. Es gibt die Kartonhintergründe, in ca. 50 unterschiedlichen Farben und Grauabstufungen.

    Der Hintergrundkarton kann ganz einfach abgerollt werden und der Bogen (die Kehle) entsteht ganz automatisch am Übergang zum Boden. So kann man leicht einen schattenfreien Übergang zwischen Fußboden und Wand schaffen.

     

    Farben Hintergrundkarton - Fotohintergrund

    Welche Farbe(n) sollte man zuerst kaufen?

    Das hängt natürlich ganz vom geplanten Motiv ab, welches man fotografieren möchte. Ein Musterfächer vom Hersteller hilft bei der Auswahl am besten weiter.

    Ich persönlich würde als Basis mit Mittelgrau beginnen. Gefolgt von Schwarz und Weiß. Es hängt ein wenig von der Entfernung ab, die zwischen dem Hintergrund und dem Motiv möglich ist, denn auch ein heller Hintergrund wird dunkel, wenn er kein Licht abbekommt. Ein dunkler (sogar ein schwarzer) Hintergrund kann durch starke Blitzleistung hell werden.

    Durch Filter* (Werbung) vor der Lichtquelle kann man auch einen unbunten Hintergrund farbig leuchten.

     

     

    Das Hintergrundsystem und seine Komponenten

    Neben dem Hintergrundkarton benötigt man noch eine Abrollvorrichtung und die Befestigung.

     

    Manfrotto Expan - für Fotohintergrund aus Karton

    Das obere Expan ist mit Zahnrad für die Kette. Beim unteren kann die Befestigung etwas nach links und rechts geschoben werden.

    Abrollvorrichtung Expan

    Zur Befestigung werden in die Öffnungen der Pappkerne Halterungen eingesteckt, die sich Expan* (Werbung) nennen und paarweise verkauft werden. Durch einfaches drehen an der Schraube spannt sich der Expan im Pappkern fest.

    Die Expans gibt es in drei Ausführungen einmal nur mit verschiebbarer Halterung, mit Zahnrad oder mit Motor. Normalerweise steckt man auf eine Seite die Version mit Zahnrad oder Motor, damit der Hintergrund auf- und abgerollt werden kann. Bei der manuellen Bedienung wird eine Kette eingefädelt und mit einem Gewicht beschwert. Auf die andere Seite kommt der Expan ohne Antriebsmöglichkeit.

    Kette mit Gewicht für Expan , Fotohintergrund -befestigung

    Richtig ist, dass der Bügel zwischen der Kette als Trenner dient! Nicht zu vergessen ist das Spanngewicht*, (Werbung) welches die Kette beschwert damit diese sich nicht verdreht.

    Das Original kommt von Manfrotto und ist mit stabiler Metallkette (es gibt auch eine Nylonkette, die ich nicht so gut finde). Die anderen Fabrikate und Kunststoffketten kommen von der Qualität nicht an das Original heran, für den Gelegenheitsnutzer sind diese mit Abstrichen durchaus nutzbar.

     

     

    Dauerhafte Fotohintergrundbefestigung

    Die im Fotohintergrund montierten Expans werden in einen Metallhalter* (Werbung) für eine oder mehrere Rollen gesteckt. Bei der Dauerhaften Fotohintergrund Befestigung im Studio wird dieser Halter vorher an der Wand oder Decke geschraubt. Wenn man genug Platz und Deckenhöhe hat, ist die 6fach-Halterung* (Werbung) kein Luxus, ansonsten die 3fach-Halterung* (Werbung) nehmen.

    Es gibt auch Halter von anderen Firmen, auch für vier Expans.

     

    Dies sind Einzelhaken, die mit Super Clamps montiert werden. Per Eipan wird der Fotohintergrund befestigt.

    Dies sind Einzelhaken, die mit Super Clamps montiert werden.

    Temporäre Hintergrundbefestigung

    Wenn man die Halterung nicht fest anbringen möchte, kann man die im Foto abgebildeten Haken* (Werbung) mit den Expans in Verbindung einer Super Clamp nutzen. Man kann auch die vormals genannten Mehrfachhaken an die Super Clamps schrauben. Die Super Clamps werden dann an jeweils an einem Stativ befestigt.

    Gerade wenn man wenig Platz hat, bieten sich als Stative Autopole an, da diese nur aus einem Bein bestehen und wenig Standfläche benötigen. Sie werden zwischen Boden und Decke per Klemmmechanismus eingespannt. Das funktioniert bei stabilen Decken und Böden super.

    Super Clamps gibt es hier relativ presiwert* (Werbung).

    Alternativ kann zwischen den Stativen auch ein langes Rohr gespannt werden, auf das vorher die Papierrolle gesteckt oder der Stoff befestigt wird. Wenn der Stoff gespannt werden soll, damit er faltenfrei hängt, sollte er entweder am Rand geöst sein oder es gibt spezielle Clips* (Werbung) , die dann gespannt werden können, z.B. mit Snakes* (Werbung) von Sunbounce.

    Bei Stativen gibt es riesige Unterschiede in der Stabilität und bei der maximalen Tragkraft. Die maximale Auszugslänge, der Standkreis, die minimale Höhe, das Packmaß und nicht zuletzt die Aufnahme sind beim Kauf zu berücksichtigen. Es gibt auch für viele Zwecke Spezialstative, deswegen beschäftigen wir uns im vierten Teil mit Stativen.

     

     

    Hilfe der Hintergrund rollt sich immer ein.

    Es gibt unterschiedliche Beschwerungsschienen, damit die Hintergrundrolle sich nicht selber einrollen kann, was besonders im Handling mit Mehrfach-Hintergrundabrollsystemen hilfreich ist. Auch reist der Karton nicht mehr am Ende ein und er liegt auch plan auf dem Boden auf, unterm Strich spart er also auch beim Verbrauch der Rollen etwas ein.

    Diese Beschwerungsschienen haben je nach Hersteller unterschiedliche Bezeichnungen und funktionieren auch unterschiedlich. Es gibt diese Beschwerungsstäbe z.B. von:

    FobaAbschlussstab (Werbung)

    Hama – Beschwerungsschiene* (Werbung)

    ManfrottoSpanngewicht* (Werbung)

    Walimex – Beschwerungsstange* (Werbung)

    Hensel – Gewichtsstab für Hintergrundpapiere

     

    Ich habe hierbei im Heim-Fotostudio etwas improvisiert und von Ikea z.B. die Beschwerung der Laufleiste (Werbung) KVARTAL missbraucht. Das ist nicht zu 100% optimal geht aber auch. Für einen 275 cm Hintergrund habe ich 4 Stück benutzt und jeweils eine Innenschiene zwischen zwei Außenschienen befestigt und so eine durchgängige Leiste erhalten die schwer genug ist die Rolle am eigenständigen Aufwickeln zu hindern. Es gibt da sicher noch bessere DIY-Lösungen, aber ich hatte gerade diese Teile zu Hand.

     

    Pfleglicher Umgang

    Der Kartonhintergrund ist empfindlich, daher sollte man nur darüber laufen, wenn es wirklich sein muss. Zum Einleuchten kann man ihn beispielsweise mit Malerfilz abdecken und möglichst ohne High Heels betreten.

    Beim Shooting sollten die Schuhe trocken und sauber sein!

     

     

    Weißer Hintergrund mit Bodenspiegelung.

    Man sieht ab und zu Personen oder Gegenstände sich im weißen Boden spiegeln. Bei der Verwendung von Papierrollen wird eine Kunststoffplatte auf den Hintergrundkarton gelegt (Acryl- oder Plexiglas). Aber Achtung, auch diese Platten sind kratzempfindlich.

     

    Andere Foto-Hintergründe:

    Vinyl statt Karton

    Alternativ gib es von Lastolite den Vinyl Background* (Werbung) mit 2,57 m x 6 m auf einer Alurolle, die auch mit Expans genutzt werden kann. Dieser Hintergrund ist abwaschbar und so lange nutzbar.

     

    Textilhintergründe

    Neben Stoffbahnen von der Rolle, Gardinen und Vorhängen gibt es auch spezielle Fotohintergrundvorhänge. Diese haben ein eher fleckiges Muster, damit diese nicht so steril wirken. Hier ein Beispiel bei Amazon*. (Werbung)

     

    Popup- oder Falthintergründe

    Die finde ich persönlich zu teuer und zu klein, von daher muss man wirklich einen Grund haben die zu kaufen, auch hier ein Blick zu Amazon* (Werbung).

     

    Muster- oder Motivhintergründe

    Muster sind natürlich interessant, es gibt auch Motive, die absichtlich unscharf sind, damit man eine bessere Trennung zum Motiv bekommt.

    Das Problem ist der Lagerraum, wenn man sich beispielsweise ein paar Stellwände mit unterschiedlichen Belägen als Hintergrund baut, sind die sicher toll. Aber wie oft verwendet man immer denselben „Muster“-Hintergrund?

    Früher hat man per Frontprojektion und Dias sich künstliche Hintergründe geschaffen, das geht heute mit dem Computer viel besser.

    Ich würde also lieber auf Grau fotografieren und dann per Bildbearbeitung mein Motivhintergrund montieren, da hat man viel mehr Möglichkeiten.

     

    Beleuchtung

    Man kann so einige Hintergründe einsparen, denn durch die richtige Beleuchtung können Hintergründe mit Verläufen, Mustern und Flecken ausgestattet werden, um diese beispielsweise lebendiger zu machen. Auch farbige Hintergründe kann man leicht mit Farbfilterfolien erzeugen. Hitzebeständige Farbfilterfolien bekommt man z.B von Lee hier in unterschiedlichen Formaten (Werbung), für Dauerlicht solle man nur die High-Temperature Version nehmen.

     


     

    weiter mit Fotohintergrund farbig leuchten

    zurück zu Teil 2 Raumplanung

    zur Kategorie Fotostudio

     

     

    Werbung

     

      * Dies ist ein Affiliate-Link. Wenn Du diesen Link bei einem Einkauf nutzt, unterstützt Du unsere Arbeit, ohne dass es Dich mehr kostet. Vielen Dank!

    You must be logged in to post a comment Login