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    Das kleine Heim-Fotostudio – Teil 4 Hintergrund farbig leuchten

    Von

    colors

    Wie ein schwarzer Hintergrundkarton schon bei der Aufnahme farbig wird.

    Wie das funktioniert, erkläre ich in diesem Beitrag damit wir langsam mit der praxisnahen Ausstattung und Verwendung im Studio beginnen können.

    Nebenbei stütze ich so meine Argumentation für einen schwarzen oder dunkelgrauen Kartonhintergrund als Grundausstattung, denn dieser kann durch entsprechende Beleuchtung leicht modifiziert werden und auf Farben muss nicht verzichtet werden. Das funktioniert natürlich auch mit einer gestrichenen Wand.

    Jede Rolle Hintergrundkarton kostet ca. 70 EUR und muss natürlich auch gelagert werden. Bei normaler Zimmerdeckenhöhe von 250 cm kann die Rolle mit ihren 275 cm leider nicht senkrecht in die Raumecke gestellt werden und ist irgendwie immer im Weg. Wenn man jetzt noch mehrere besitzt, wird dies nicht besser. Wie man trotzdem zu farbigen Hintergründen ohne Bildbearbeitung kommt, möchte ich in diesem Beitrag vorstellen.

    Für die Hintergrundbeleuchtung benötigen wir eine Lichtquelle. Bei genügend Leistung können wir den schwarzen Fotostudio Hintergrundkarton sogar weiß leuchten.

     

    Das Setup

    Ich trenne das Setup in zwei Teile. Die Ausleuchtung vom Hintergrund und die meines Modells „Pia“, die in diesem Beitrag aber eine untergeordnete Rolle spielt.

    Ich arbeite hierbei mit Studioblitzgeräten, es können aber auch entfesselte Systemblitze oder Dauerlicht (mit entsprechender Leistung) verwendet werden.

     

    Hintergrundbeleuchtung

    Für den Hintergrund verwende ich eine Lichtquelle, die direkt hinter dem Mannequin aufgestellt wurde. Die Wahl des Lichtformers ist von folgenden Faktoren beeinflusst worden:

    Das Modell muss den Blitz inkl. Lichtformer verdecken, daher scheidet z.B. eine Softbox aufgrund ihrer Größe aus.

    Der Hintergrund soll komplett und möglichst gleichmäßig also ohne Verläufe ausgeleuchtet werden, weil ich ja die Farbe in diesem Beispiel zeigen möchte.

    Der Abstrahlwinkel des Lichtes spielt also die entscheidende Rolle und somit ist die Auswahl des Reflektors abhängig vom Abstand zum Hintergrund.

    Meine Reflektoren (Elinchrom) haben einen Abstrahlwinkel von 90°, 65°, 50° oder weniger. In  diesem Fall war der 65°-Reflektor am besten geeignet den Hintergrund ganz zu beleuchten.

    Ein zu großer Abstrahlwinkel verteilt das Licht mehr, wodurch zum einen die Helligkeit auf dem Hintergrundkarton geringer wird und zum anderen negative Effekte durch zurückgeworfenes Licht (Decke, Wände) entstehen und das Motiv mit Streulicht beleuchten.

     

    Streulicht minimieren

    Hintergrundbeleuchtung nit unterschiedlich viel Streulicht

    Das linke Bild zeigt das Ergebnis, wie der schwarze Hintergrundkarton mit dem 65°-Reflektor angeblitzt wurde. Leider sind das Gesicht und die Haarsträhnen schon deutlich zu erkennen. Besonders viel Licht wird über die weiße Decke des Zimmers reflektiert.

    Viel Licht erzeugt somit auch viel Streulicht, was besonders im kleinen Studio schnell zu einem Problem werden kann. Deswegen sind dunkle Wände (Decke und Boden) oder das Abhängen mit schwarzem Molton sinnvoll.

    Der verwendete Kartonhintergrund war schon älter und nicht mehr ganz glatt, daher entstehen die leichten „Wolken“ im Hintergrund.

    Um das Streulicht zu reduzieren wurden Klappen vor den Reflektor aufgesetzt um den Lichtausfall zu begrenzen (Bild Mitte). Es ist bereits ein deutlicher Unterschied zum ersten Bild zu erkennen.

    Die Befestigung der Farbfilterfolien kann in diesem Fall direkt am Zubehörhalter erfolgen, da er eine entsprechende Klemmvorrichtung besitzt. Am Zubehörhalter werden auch die Klappen einzeln angebracht. Alternativ bietet sich eine Doppelklammer zur einfachen Befestigung der Folie an.

    Das rechte Bild zeigt, wie eigentlich das Modell aussehen sollte, wie ein Scherenschnitt. Der Lichtwinkel wurde mit Waben weiter begrenzt, was allerdings auch im Hintergrund einen Helligkeitsverlauf erzeugt hat, der eigentlich ganz nett ist aber in diesem Beispiel nicht gewollt ist und daher wird das mittlere Bild als Basis dienen. Dies ist der Kompromiss, der aufgrund der „Studiogröße“ in Kauf genommen werden muss.

    Scherenschnitt Foto

    Zum Vergleich ein Beispiel, wo mehrere Personen in einem großen Studio auch vor einem weißen Hintergrund aufgenommen wurden. Aufgrund der großen Hintergrundfläche sind mehrere Lichtquellen zur Beleuchtung verwendet worden, wobei auch hier Licht auf die Personen fällt.

    In diesem Fall ist es aber kein Streulicht von der Decke oder den restlichen Wänden, sondern es ist der Hintergrund selber, der wie eine riesige Lichtquelle wirkt und die teilweise hellen Kleidungsstücke (z.B. weiße Hemden, Blusen, Hosen) seitlich beleuchtet. Der teilweise transparente Stoff lässt auch Licht durchscheinen. Durch weitere Optimierungen in der Beleuchtung, dunkle Kleidung oder Bildbearbeitung könnte das Ergebnis verbessert werden. Von daher ist ein hundertprozentiger „Scherenschnitt“, als theoretisches Optimum für eine getrennte Beleuchtung zu sehen.

    Für unseren Zweck ist es wichtig festzuhalten, das die Beleuchtung durch Streulicht nur ganz minimal ausfallen darf, weil wir sonst einen Farbstich auf dem Motiv bekommen werden, sobald die Farbfilter eingesetzt werden. Auch farbige Wände sind in einem Fotostudio deswegen ungeeignet.

     

    Setup Pia

    Wichtig bei der Lichtsetzung ist, dass jede Lichtquelle einzeln gesetzt und in ihrer Wirkung beurteilt wird. Und gegebenenfalls auch entsprechend optimiert wird, wie es beim Hintergrundlicht beschrieben wurde und danach erst wird das Zusammenspiel mit weiteren Lichtquellen beurteilt.

    drei Lichtquellen für die Ausleuchtung der Puppe

    Es gibt viele verschiedene Licht Setups und man hätte das Modell auch nur mit einer Lichtquelle beleuchten können. Ich verwende drei Lichtquellen aus mehreren Gründen. Zum einen um zu zeigen das auch in einem kleinen Studio mehrere Lichtquellen sinnvoll nutzbar sind und der Einsteiger ein Gefühl bekommt, wie viele Lichtquellen man für welchen Zweck nutzen kann.

    Pia wurde mit drei Lichtquellen beleuchtet. Je ein Konturlicht von links und rechts und ein Hauptlicht von vorne.

    Im Detail war es (Bild links) ein Standardreflektor mit Waben ausgerichtet auf die Haare. Positioniert hinten links knapp unter der Raumdecke. Von hinten rechts etwas tiefer positioniert (Bild Mitte) ein Fresnelspot mit Toren.

    Es hätten aber auch andere Lichtformer wie z.B. Striplight oder Tubus verwendet werden können. Es kommt darauf, an was man zur Verfügung hat oder was man für eine Lichtsituation schaffen möchte. Und man muss nicht jeden Lichtformer besitzen den es gibt. Ziel war es Licht zu erhalten, dass die Haarstruktur erkennbar wird und auch nur diese inkl. der Schultern beleuchtet werden.

    Als Hauptlicht (Bild rechts) wurde ein 56 cm Beauty Dish mit Waben relativ frontal verwendet.

    Auffällig ist, dass ich immer den Leuchtwinkel durch Waben oder Klappen eingeschränkt habe, um Streulicht zu minimieren und auch den direkten Lichteinfall (der Haarlichter) in das Objektiv zu unterbinden. Direkter Lichteinfall senkt den Bildkontrast und erzeugt oftmals störende Reflexionen (lens flares).

     

    Welche Farbfilter?

    Sowohl für System- als auch für Studioblitze oder Dauerlicht werden unterschiedliche Farbfilter angeboten. Aufgrund der Hitzeentwicklung, besonders beim Dauer- oder Einstelllicht, sollten die Filter eine gewisse Temperaturfestigkeit besitzen. Markenanbieter haben oftmals verschiedene Serien im Angebot, wovon meist eine für höhere Temperaturen geeignet ist z.B. Lee HT oder Rosco Supergel.

    Wenn man das Einstelllicht wirklich nur zum kurzen Einstellen nutzt und danach ausschaltet, sollte man auch mit den einfachen Filtern keine Probleme bekommen. Bei Dauerlicht jedoch ist die Lebenserwartung der Filter begrenzt und die hitzebeständigeren Filter halten entsprechend länger. Zu heiße Filter fangen an sich zu verformen, zu kokeln und können abschmelzen.

    Luftzirkulation vor und hinter dem Filter und ein größerer Abstand zur heißen Lichtquelle, verlängern die Lebensdauer. Bei LED-Licht wird die Wärme nach hinten abgestrahlt und ist deswegen problemlos nutzbar.

    Viele Hersteller bieten eigene Filter-Sets an, hierbei handelt es sich jedoch nur um passend zugeschnittene Bögen von Drittherstellern. Da verheimlicht wird, um welche Filter es sich handelt, hat man schlechte Karten, wenn man beispielsweise das mittlerweile lieb gewonnene aber geschmolzene zarte grün neu und vor allem einzeln besorgen möchte.

     

    Hersteller von Filterfolien und Diffusorsmaterialien sind z.B. Lee (Werbung), Rosco (Werbung), Chris James (Werbung), Cotech (Werbung), Q-Max

    Ich persönlich verwende primär Filterfolien von Lee, habe aber auch schon mit Chris James und Co gearbeitet. Da ich keine direkten Vergleichstest angestellt habe, könnte ich jetzt auch nicht sagen, dass die einen besser sind als die anderen. Wie gesagt das Temperaturverhalten ist unterschiedlich, und da ich keine Diskothek betreibe, sondern ab und zu mal eine Folie für ein Motiv verwende sehe ich da keine gravierenden Probleme. Es handelt sich schließlich um Verbrauchsmaterial.

    Die Bezeichnungen oder Farbcodes können zwischen den Herstellern variieren, auf der Website von Lee gibt es ein Vergleich (Werbung) .

     

    Filtergrößen

    Am Anfang steht die ganze Filterfolienrolle, die braucht man, wenn man z.B. vor einer Softbox einen Filter aufbringen möchte oder ganze Fensterscheiben z.B. mit ND-Filterfolie abkleben möchte.

    Die Rollengrößen sind natürlich je nach Produktserie und Marke unterschiedlich. Es gibt z.B. ganze Rollen in der Größe von ca 122 x 762 cm.

    Aus dieser Größe werden dann beispielsweise Mini-Rollen geschnitten, die sind dann ca. 122 cm lang und 25 oder 50 cm breit. Teilweise erhält man auch einzelne Bögen in anderen Formaten.

    So eine Mini-Rolle kostet um die 5 – 6 EUR, eine ganze Rolle liegt je nach Material und Hersteller bei ca. 60 bis 100 EUR.

    Von Lee gibt es beispielsweise das Master Location Pack, eine Sammlung von 30 x 30 cm großen Bögen mit Farbfolien, Konversionsfiltern, Diffusorfolien und einem Bogen schwarzer Aluminiumfolie auch BlackWrap oder Cinefoil genannt.

     

    Das Master Location Pack bekommt man zum Beispiel bei foto-morgen (Werbung) und einzelne Lee-Folien in unterschiedlichen Größen (Bogen/Mini-Rolle oder ganze Rolle) gibt es z.B. bei Thomann (Werbung)

    Die Hersteller bieten Musterfächer an, deren Größe für Systemblitze meistens schon ausreicht.

     

    Konkret

    Nachdem ich nun viel mehr geschrieben habe, als ich eigentlich wollte, sind wir nun beim Kernpunkt angekommen. Man nehme eine Farbfilterfolie und bringe diese vor dem Reflektor der Hintergrundbeleuchtung an. Entweder gibt es eine passende Filteraufnahme oder man nimmt eine Doppelklammer oder kann die Folie an Toren z.B. mit Holzwäscheklammern oder Metallklammern befestigen.

    abenteuerdslrfotografie_027 - Hintergrund mit Lee Filter 027 unterschiedlich hell beleuchtet abenteuerdslrfotografie_154 - Hintergrund mit Lee Filter 154 unterschiedlich hell beleuchtet abenteuerdslrfotografie_181 - Hintergrund mit Lee Filter 181 unterschiedlich hell beleuchtet

    Durch die Regulierung der Leistung kann der Effekt dosiert werden, wobei aufgrund der unterschiedlichen Dichten der Farbfilter die Helligkeit deutlich unterschiedlich ausfallen kann.

    Die Blitzleistung wurde von links nach rechts in den Stufen 2, 4 und 6 mit einem Elinchrom Style 600 RX beleuchtet, dies entspricht einer Blitzleistung von 27, 106 und 424 Wattsekunden (Joule).

    Kameraeinstellungen: ISO 25 Blende 2,8

    Auf der rechten Seite steht die Lee Filterbezeichnung inklusive Code. Die hinterlegte Farbfläche entspricht der dargestellten Webfarbe von Lee, diese weicht von den Fotos deutlich ab, da die Filterangaben sich auf Kunstlicht beziehen und bei der Verwendung von Tageslicht wir eine Farbverschiebung von über 2.000 Kelvin haben.

    Manche Farben wurden auf der linken Seite mit einem M markiert, diese Filter sind im Master Location Pack enthalten.

     

    134 Farbbeispiele

    Da alle Abstufungen zu viel Platz auf dieser Seite brauchen würden, habe ich ein PDF-Dokument mit 12 Seiten erstellt.

    colors vorschau - Hintergrund beleuchtung mit unterschiedlichen Lee Filtern

    Es handelt sich dabei um eine persönliche Auswahl aus dem Lee Filter Programm und bildet nicht das komplette Lee Filter Sortiment ab.

    Download Hintergrund-farbig-leuchten PDF ca.8,4 MB

     

    Die 3D Setup Datei

    Licht setup - hintergrund farbig leuchten

    Wer sich für das genaue Setup interessiert kann die 3D Datei laden. Da es in der Software keine Stufenlinse gibt, wurde ein anderer Lichtformer verwendet.
    Zum lesen benötigt man die Set a light 3D Studio Software. Die kostenlose Testversion wird nach der Evaluierungsphase zum kostenlosem Viewer. Die Software habe ich hier beschrieben.

    Download als .zip Datei: Hintergrund-farbig-leuchten-1.set

     

    Lagerung und Transport von Folien

    Folien sind empfindlich und knicken leicht, wenn man etwas von der Rolle abschneidet, werden die Folienstücke mit der Zeit immer kleiner und es stellt sich die Frage wie man die Folien gut aufbewahrt. Man sollte zunächst einmal jedes Stück in der Ecke mit der Bezeichnung markieren, damit man die Übersicht behält.

    Zusammengerollt und mit einem Klettbinder oder einem Blatt Papier (plus Klebefilmstreifen) zusammengehalten ist eine Papp- oder Kunststoffrolle eine gute Wahl. Der Nachteil ist, dass man dieses Paket immer öffnen muss, um die richtige Folie zu finden.

    Ich persönlich verwende zwei Folientaschen der Firma Bestboy, eine für Diffusorfolien und die andere für Farbfilter.

     


    weiter mit Teil 5 – Lichtstative

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    3 Kommentare
    1. Avatar

      Olaf Raabe

      9. April 2015 at 17:04

      guter Artikel….wieder was dazu gelernt

    2. Avatar

      Olaf Raabe

      9. April 2015 at 17:05

      Klasse Artikel

    3. Avatar

      Jens

      20. Mai 2015 at 6:39

      Sehr guter Artikel, der die Materie verständlich erläutert.
      Habe selbst mal eine solche kleine Serie auf meinem Blog veröffentlicht ( http://fotoblog-reiseberichte.de/fototechnik/aufbau-fotostudio/ (Werbung) ). Diese Hilfen zeigen, dass man selbst in einem kleinen Raum sich doch ein kleines Studio einrichten kann.

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