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    Gibt es digitales Großformat?

    Von
    LargeSense digitales Großformat

    Bild: Large Sense

    Digitales Großformat

    War die klassische Fotokamera ursprünglich eine Großbildkamera, die ohne Stativ kaum zu nutzen war, wurden die Kamera-Abmessungen immer kleiner und die Auflösung der Filme immer höher. Mit der Digitalisierung der Fotografie wurde die Miniaturisierung weiter auf die Spitze getrieben. Dennoch gibt es noch heute neben den analogen Großbildkameras auch digitale Varianten mit einer Aufnahmefläche jenseits einer Sensorgröße von 4,5 x 6 Zentimeter, wie sie in sogenannten Mittelformatkameras zur Verfügung steht. Meist kommen die Sensoren als digitale Rückteile an konventionellen Großbildkameras zum Einsatz. Es gibt jedoch von Seitz und Rencay auch Kameras, die direkt für den Einsatz mit digitalen Rückteilen entwickelt wurden.

    Die Sensorgröße, die in Digital-Kameras oder -Rückteilen zum Einsatz kommen kann, wird von zwei Faktoren begrenzt. Da die Sensoren auf sogenannten Wafern produziert werden, gibt die Größe des in der jeweiligen Sensorproduktion eingesetzten runden Silizium-Wafers die maximale Sensorgröße vor. Da die Sensoren immer durch Pixelfehler beeinträchtigt werden, erhöht sich mit steigender Abmessung der Sensorfläche das Risiko dieser Pixelfehler, die dann über die Software des Bildprozessors wieder herausgerechnet werden müssen. Die mit der Sensorfläche steigenden Kosten setzten ihrer Größe meist noch engere Grenzen.

     

    Scannerkameras

    Daher werden für Formate jenseits des Mittelformats meist sogenannte Zeilenscanner eingesetzt, die hinsichtlich ihres Funktionsprinzips mit den gebräuchlichen Flachbettscannern vergleichbar sind. Die CCD-Scanzeile wird dabei von einem Schrittmotor angetrieben durch das Scanfenster bewegt. Aufgrund des zeilenweisen Auslesens des Bildfensters sind die Scanner-Kameras nicht für (schnell) bewegte Motive geeignet. Sie werden zumeist zur Digitalisierung von Kunstschätzen in Museen und vereinzelt in der Architekturfotografie eingesetzt.

    Einer der ersten Hersteller von Scanbacks für Großbildkameras war die Better Light, Inc. (Werbung). Sie wurde 1992 von Michael Collette gegründet und hat im Laufe der Jahre zahlreiche Scan-Rückteile entwickelt, die bis 1999 von der Dicomed, Inc. vermarktet wurden. Eingesetzt wurden damals sogenannte „trilinear color“ CCD-Scanzeilen von Kodak. Der Sensorbereich von Kodak wurde 2011 als Truesense Imaging, Inc. Verkauft und wurde inzwischen von ON Semiconductor übernommen, die 1999 von der damaligen Firma Motorola abgespalten wurden.

    Die meisten der zuletzt angebotenen Rückteile im Format 4 x 5 sind auf der Firmen-Website inzwischen als ausverkauft gekennzeichnet. Wer sich für eines der Rückteile interessiert, sollte sich direkt mit dem Hersteller in Kalifornien in Verbindung setzen.

    Der Hersteller Seitz Phototechnik AG (Werbung)  im schweizerischen Lustdorf hat mit der Seitz 6×17 Digital und der Roundshot D3 zwei Scannerkameras im Sortiment, die mit dem digitalen Scan-Rückteil Seitz D3 zum Einsatz kommen.


    Der Sensor wurde von der damaligen DALSA Corporation (heute Teledyne DALSA) exklusiv für Seitz entwickelt. Beide Kameras werden nach Aussage von Seitz nicht mehr produziert, sind aber auf Anfrage noch erhältlich.

    In Deutschland wurden Scanbacks für Großformatkameras von Anagramm entwickelt, die Ende 2007 mit dem picture gate 8000 production 2 ein Scanback mit einer maximalen Auflösung von 312 Megapixel vorgestellt hatten, dass an allen Fachkameras mit internationalem Rückteil 9 x 12 cm / 4 x 5″ nutzbar war und mit Adapter auch für die Linhof M 679 genutzt werden konnte. Das Know-how der Anagramm-Rückteile liegt bei Dipl.Ing. Martin Langfeld und damit inzwischen bei Rencay (Werbung) in Hemau.

    Rencay Mobile

    Rencay Mobile – Bild: Rencay

    Für den Einsatz in der bildmäßigen Fotografie zum Beispiel in der Architekturfotografie bietet Rencay mit dem foto4 mit 78 MP und dem foto8 mit 312 MP zwei Rückteile, die beide upgradefähig sind. So lässt sich das foto4 zum foto8 erweitern und bei diesem mit der Software-Option plus die physikalische Auflösung verdoppeln. Die Rückteile (Werbung) von Rencay lassen sich an allen Kameras mit internationalem Rückteil nutzen und passen somit an Kameras von Sinar, Linhof, Cambo, Horseman und Plaubel.

    Rencay Scanback an Technika Großformat, Großbild

    Rencay Großformat Scanback an Technika – Bild: Rencay

    Daneben hat Rencay auch eine eigene Großformatkamera entwickelt, die in einer Version mit manueller Fokussierung und eine AF-Version verfügbar ist. Die AF-Version verfügt über einen eingebauten Entfernungsmesser. Die Schärfe wird dann automatisch anhand der gemessenen Entfernung eingestellt. Es ist aber auch eine manuelle Entfernungs-Eingabe möglich. Für die Rencay-Kameras (Werbung) stehen Objektive mit Brennweiten von 90 bis 180 mm zur Verfügung.

    AF Camera Controller - Großformat Auto-Fokus-Kamera

    Großformat Auto-Fokus-Kamera – Bild: Rencay

     

    Rückteile mit Flächensensoren

    Der in Paris und New York lebende amerikanische Fotograf Mitchell Feinberg (Werbung), der seine Stilleben früher auf großformatigem Polaroid-Sofortbildfilm aufgenommen hat, nutzt nach dem Auslaufen der Fertigung der Polaroid-Materialien ein digitales Rückteil im Format 8×10 Zoll (Werbung). Auch wenn sich der Preis für die beiden produzierten Rückteile in der Größenordnung eines Einfamilienhauses bewegt, relativiert sich der Preis im Vergleich zu den 50.000 Dollar, die Feinberg zuvor jedes Jahr für die Polaroid-Film-Materialien ausgegeben hat.

    LargeSense 5x5 Zoll Digital-Rückteil mit Bildsensor

    5 x 5 Zoll Digitalback Rendering – Bild: LargeSense

    Während es sich beim Rückteil von Mitch Feinberg um ein weitgehendes Unikat handelt, will Bill Charbonnet von LargeSense LLC (Werbung) im kalifornischen Santa Clara mit dem LS55 im quadratischen Format 5 x 5 Zoll noch im Jahre 2016 ein digitales Rückteil mit Flächensensor vorstellen. Die Kamera soll mit Life View und WiFi zur Bildbetrachtung und Fernsteuerung ausgestattet sein und 6,7 MP bieten, die jeweils eine Größe von 50 Mikrometer besitzen sollen. Die Fertigstellung des Rückteil-Prototypen hat sich verzögert. Wann das Rückteil somit verfügbar ist, ist derzeit noch offen. Das LS55 ist ausgelegt für den Anschluss an die Kamera des polnischen Herstellers Svedovski (Werbung), soll aber auch an Sinar-Kameras nutzbar sein. Wer das Rückteil bestellen will, sollte jedoch berücksichtigen, dass der deutsche Zoll möglicherweise genauer hinschaut und überprüft, ob alle hierzulande gültigen Vorschriften eingehalten werden. Large Sense arbeitet derzeit auch an einer Kamera unter dem Namen LS911 mit einem Sensorformat von 9×11 Zoll und 12 MP. Hier soll jedes Pixel eine Größe von 75 Mikrometer haben.

     


    siehe auch: Mittelformat

    LargeSense LS911 Body im Großformat

     

     

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