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    Ein Reisestativ ist immer ein Kompromiss

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    Warum Stative auch im Zeitalter der Bildstabilisatoren ein sinnvolles Zubehör sind.

    Sicher haben die Bildstabilisatoren in Kameras und Objektiven die Möglichkeiten erweitert, auch unter nicht so optimalen Licht-Bedingungen noch fotografieren zu können, ohne mit verwackelten Bildern rechnen zu müssen. Auch die Verbesserungen bei der Empfindlichkeit der Sensoren, ihrem Rauschverhalten und der Optimierung der Bildverarbeitung haben ihren Teil dazu beigetragen, dass man nicht in jedem Falle ein Reisestativ mit sich herumschleppen muss, wenn man auf Reisen geht. Die Plattenkameras der Urgroßväter forderten da noch eine erheblich bessere körperliche Kondition von den Fotografen.

    Für Schnappschüsse und andere ganz spontane Aufnahmen, bieten die Bildstabilisatoren und die anderen technischen Verbesserungen sicher eine Erleichterung. Für zahlreiche andere Situationen, wo ein Bildinhalt beispielsweise gezielt komponiert wird oder man über einen längeren Zeitraum ein bestimmtes Motiv in den Blick nehmen will, kann eine Entlastung des Fotografen durch ein Stativ jedoch durchaus empfehlenswert sein. Eine solche Unterstützung muss aber nicht unbedingt ein Dreibein Reisestativ sein.

     

    Vom Bohnensack zum Schnurstativ

    Steht eine Auflagefläche zur Verfügung, auf welcher man die Kamera aufstützen kann, so bietet sich ein sogenannter Bohnensack an, der unter die Kamera oder das an der Kamera befindliche Teleobjektiv gelegt wird. Er schützt die Ausrüstung einerseits vor Beschädigungen, andererseits ermöglicht er in gewissem Umfange auch eine Feinjustage der Kameraausrichtung. In manchen Fällen hilft hier auch ein stabiles Tischstativ. Die Betonung liegt auf stabil, denn nicht alles, was als Tischstativ in den Regalen steht, wird den einfachsten Anforderungen auch gerecht. Vor Ort beim Händler ausprobieren, kann viel nachträglichen Ärger sparen.

    Schnurstativ, Seilstativ (Werbung)

    Foto: Amazon

    Wem es darauf ankommt, mit möglichst geringem Gepäck zu reisen, sollte es einmal mit einem sogenannten Schnurstativ versuchen. Die gibt es mit einer aufrollbaren Schnur fertig zu kaufen. Man kann sie jedoch mit einer 1/4“-Ringschraube im Stativgewinde und einer daran befestigten Schur auch selbst bauen. Dabei steht man mit einem Fuß auf dem unteren Ende der Schnur und spannt die Schnur durch Anheben der Kamera bis in Augenhöhe. Beim Einschauben der Ringschraube in das Stativgewinde muss darauf gerachtet werden, dass die Schraube nicht zu lang ist und die Kamera beschädigt. Eine sogenannte Kontermutter kann dabei hilfreich sein.

     

    Ein-, Zwei-, Drei- und Vierbeine

    Auch wenn Ein- und Dreibeinstative die bekannteren Versionen sind, es gibt auch Stative mit vier Beinen und solche mit zweien. Bei den Zweibeinstativen handelt es sich zumeist um Abwandlungen eines Einbeinstativs, das im Fußbereich über ein zweites Bein verfügt. Obwohl diese Stative mit nur geringem konstruktivem Aufwand und geringem Zusatzgewicht die Stabilität durch Reduzierung der Seitwärtsbewegungen durchaus verbessern können, haben sie sich im Markt nicht durchsetzen können und führen ein Außenseiterdasein, das auch den Vierbeinern unter den Stativen nicht erspart geblieben ist.

    Auch Einbeinstative werden häufig nicht so richtig ernst genommen, sind jedoch bei geringem Gewicht praktisch immer besser, als gar kein Stativ. Einbeinstative gibt es aus Eschenholz, Carbon- oder Mineralfaser sowie aus Aluminiumrohren oder -profilen. Wichtig ist bei allen Stativen, dass sie möglichst nicht schwingen. Ein Kabel- oder Drahtauslöser an der Kamera reduziert zudem das Risiko, beim Druck auf den Auslöser die Kamera zu bewegen.

    Bei den Dreibeinstativen kommen die gleichen Materialien zum Einsatz, die schon bei den Einbeinstativen genannt wurden. Stative aus Stahlprofilen werden für den Einsatz als Reisestativ heute aus Gewichtsgründen nicht mehr produziert. Nun ist das Gewicht bei Stativen ein durchaus zweischneidiges Schwert. Die Stative sollen möglichst leicht sein, damit man sie gut und ohne zu große Belastung transportieren kann. Auf der anderen Seite sollen sie bei der Nutzung möglichst schwer und schwingungsarm sein. Das ist in der Praxis immer ein Kompromiss, der noch dadurch verkompliziert wird, dass die Stative mit Beinen aus Carbon- oder Manganfaser zwar leichter, aber auch deutlich teuerer als ihre Vettern aus Aluminium und zudem empfindlicher gegen Schäge und Stöße sind. Wer seine Stative auf nassem Grund einsetzen will, sollte darauf achten, dass die unteren Beinsegmente gegen Eindringen von Wasser versiegelt sind. Stative aus Eschenholz bieten auch in diesem Zusammenhang durchaus ihre Vorteile, gelten viele Fotografen jedoch als eher altbacken und museumsreif. Dass sich Holzstative bis heute auch im Vermessungswesen und in der Astronomie gehalten haben, zeigt, dass sie durchaus noch ihre Berechtigung haben. Mit speziellen Dreieckstüchern, die an den Beinen des Stativs befestigt werden und mit Steinen oder der Kameratasche beschwert werden, lässt sich das Gesamtgewicht des Stativs erhöhen und meist auch die Stabilität verbessern.

     

     

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