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    Ist Geotagging per App eine Alternative?

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    GPS Fotografie - Geotagging per App mit gps4cam. Das Bild zeigt eine Karte mit markierten Kameraaufnahmestandorten wo per Geo-Imaging dokumentiert wird wo (Geokoordinaten) die Fotos entstanden sind.

    Positionsdaten taggen, wenn die DSLR-Kamera kein GPS besitzt.

    Ein GPS gehört meiner Meinung nach in jede DSLR-Kamera, wie beim Smartphone und vielen Kompaktkameras auch. Geo-Imaging, also die Zuordnung der geografischen Koordinaten innerhalb der Metadaten ist ja kein Hexenwerk. Daher ist es mir völlig unverständlich, warum es die Kamerahersteller nicht schaffen, ihre nicht gerade preiswerten Kameras direkt mit GPS auszustatten.

    Ich habe mal nachgeschaut, was denn so ein Bauelement kostet. Nach einer kurzen Internetrecherche hätte ich High Performance GPS Engine (HPGPS) Module, beim Kauf einer Verpackungseinheit, für weniger als 6,- EUR pro Modul kaufen können.

    Bei den meisten Anbietern muss man allerdings Preise anfragen, was ich mir geschenkt habe. Man kann davon ausgehen das der Preis für Canon, Nikon, Sony & Co, deutlich niedriger sein wird,  denn ich bin weder ein Großkonzern noch habe ich Beziehungen oder bekomme ich Händlerpreise geschweige denn Rabatte durch entsprechende Stückahlen. Auch weiß ich nicht, wo man solche Bauteile am besten einkauft oder kann diese direkt beim Hersteller beziehen.

    Ich wäre gerne bereit diesen Aufschlag beim Kauf einer Kamera zu zahlen, preislich bekommt man dafür nicht einmal ein original Objektivdeckel, eine Augenmuschel oder eine Blitzschuhabdeckung im Zubehör.

    Ich habe mich nach einer preiswerten Alternativlösung umgeschaut. Neben zahlreichen externen GPS-Empfängern gibt es auch Lösungen in Verbindung mit einem, in der Regel bereits vorhandenen, Smartphone.

    Die ganzen externen Zusatzmodule erscheinen für mich nicht wirklich die ideale Lösung zu sein, zumal es bei der gleichzeitigen Verwendung von mehreren Kameras auch richtig teuer wird.

     

     

    Nachteile von angesetztem GPS-Zubehör

    Je nach Bauart treffen nicht alle Nachteile auf jedes Gerät zu. Manche schleifen auch den belegten Stecker durch, sodass man weiteres Zubehör anschließen kann.

    Warum man Erweiterungsmodule nicht so ähnlich wie eine Speicherkarte in einen entsprechenden Slot schieben kann, damit dieser nicht als unnötiges Anhängsel im Weg ist, erschließt sich mir nicht. Das liegt wahrscheinlich an der Historie, Kameras heute immer noch so zu bauen, wie es zu Analogzeiten üblich war.

    Und wenn man heute immer noch ein Winder- (Motor) ähnliches Zubehör anbietet, welches früher den Film automatisch weiter transportiert hat, kann das Teil heute als Berechtigung nur einen weiteren Akku aufnehmen. Ja das bringt wirklich etwas, wo ich doch über 1.000 Fotos mit einem Akku schießen kann. Die Kamerahaltung im Hochformat, kann mit einem weiteren Auslöseknopf auch noch verbessert werden. Wieso ist in dem Teil nicht auch das GPS enthalten oder einsteckbar?

    Naja, es reicht ja, wenn die Kamerahersteller jammern, anstatt zeitgemäße Produkte zu liefern. Bildqualität ist auch nur ein, wenn auch entscheidendes, Kriterium bei der Kamerawahl. Und das Einzige, woran wirklich gearbeitet wird, sind 50 MP auf einem Vollformatsensor und demnächst 120MP.

    Manche GPS-Module bieten auch Höhen- und Richtungsinformationen an, was ein Vorteil gegenüber der Applösung darstellt, die nur die Position der Kamera anzeigt aber nicht in welche Richtung fotografiert wird.

     

    Preis

    Als Originalzubehör für die DSLR-Kamera kostet ein zusätzliches GPS-Modul ein kleines Vermögen. Der Nikon GP-1A Photo-GPS* (Werbung) kostet fast 200,- EUR und auch Canon ruft für den GP-E2* (Werbung) fast 250 EUR auf. Der Solmeta Geotagger Pro 2 GPS* (Werbung) kommt in Testberichten etwas besser weg als z.B der von Nikon und liegt preislich ähnlich. Es gibt auch Geräte für unter 80 EUR, die Nutzbewertungen sind aber sehr durchmischt.

     

    Belegung des Zubehörschuhs

    Die externen Geotagger werden oft auf den Zubehörschuh aufgesteckt und man kann keinen Blitz mehr befestigen, weil auf dem Device kein weiterer Zuberhörschuh vorhanden ist. Bei Befestigung am Kamerariemen verliert man die Kompass-Richtungsangaben, sofern das Gerät diese liefert.

     

    Anschlusskabel

    Eine gummierte Sicherheitsabdeckung, welche die kameraseitige Buchse vor Schmutz und Nässe schützt, muss entfernt werden. Hier wird jetzt ein Kabel eingesteckt, das an der anderen Seite im Geotagger befestigt ist.

    Dieses Kabel ist ab jetzt immer wieder mal im Weg und man bleibt mit der Hand oder auch im Gebüsch damit hängen. Schlimmstenfalls hat man es bei kurzen Brennweiten auch schon mal im Bild, was beim Kamerariemen ja auch schon mal passieren kann.

     

     Steckerlösungen (seitlich oder vorne)

    Das ergonomische Kameragehäuse hat jetzt einen „Fehler“, denn der aus dem Gehäuse ragende seitliche Stecker bietet zum einen eine Art Sollbruchstelle und ist oftmals im Weg (betrifft genauso jede Kabellösung). Das nervt mich beim wirklich kleinen WLAN-Stecker (von Nikon) auch schon kolossal. Und ein weiterer Stecker macht die Kamera immer mehr zu einem Igel, den man wie jeder weiß, nicht gerne in die Hand nimmt.

    Die Stecker sind auch fummelig klein und oft versucht man den Stecker falsch herum einzustecken. Es soll übrigens auch Stecker geben, die man in beiden Richtungen nutzen kann, aber das nur nebenbei. Es spielt jetzt auch keine Rolle ob dieser „Stecker“ bereits das GPS-Modul enthält, was dazu führt, dass dieser etwas größer ist, aber dafür der Blitzschuh frei bleibt.

     

    Die externen GPS-Emfänger, haben mich aufgrund des Preises und der anderen Nachteile, nicht gereizt und für ca. 3 EUR gibt es eine passende App. Was lag also näher, als sich diese Lösung einmal genauer anzuschauen. Und wenn es nichts taugt, hätte man für das Geld auch nur einen kleinen (Tall) Caffè Latte bekommen.

     

     

    Geotagging Alternative per Smartphone und der App gps4cam

    Die Anwendung ist sehr einfach, man installiert die App auf dem Smartphone und eine zweite Applikation auf dem Computer.

    GPS Fotografie per gps4cam - screenshots - digitale Fotografie und geotagging Metadaten per app parallel am Smartphone

    Startscreen, Taggingscreen, QR-Code zum Abfotografieren am Ende der Erfassung.

     

    Die App wird auf dem Smartphone aufgerufen und das Tagging gestartet. Jetzt beginnt die App GPS-Koordinaten, in definierten Zeitintervallen, zu speichern, solange die App läuft. Man kann zwischen folgenden Einstellungen wählen:

    • Standard: alle 5 Minuten (In den Settings kann man dies auf pro Minute oder alle 10 Minuten ändern)
    • Genau: alle 30 Sekunden
    • Energiesparend
    • Manuell: wenn man das Telefon schüttelt

    Solange die App läuft, kann man mit einer oder auch mehreren Kameras fotografieren. Der mittlere Screenshot zeigt an, wie lange schon Daten erfasst werden.

    Wenn man fertig ist, beendet man die Datenerfassung in der App, indem man den Button „Exportieren“ drückt.  Daraufhin erscheint ein QR-Code, bei langen Fotosessions können es auch mehre QR-Codes seint. Den QR-Code fotografiert man nun mit der Digitalkamera ab, sodass er das letzte Foto auf der Speicherkarte ist. Wenn man mit mehreren Kameras fotografiert hat, muss man mit jeder Kamera den Code fotografieren.

    Jetzt startet man auf dem Computer (Mac oder PC) die Lese App, in welcher der Quell- und Zielordner der Bilder ausgewählt wird. Der Quellordner kann bereits die angeschlossene Kamera oder die Speicherkarte sein, die an den Computer angeschlossen wurde. Natürlich können die Bilder auch erst von der Kamera auf den Computer in einen Ordner überspielt werden und man kann zu einem viel späteren Zeitpunkt, die GPS-Koordinaten den Bilddateien zufügen.

     

    gps4cam-desktop

    Wenn man RAW fotografiert, stellt man in den Einstellungen der Software, die Analyse QRCodes decoding auf Use dcraw.

    Die App kopiert jetzt die Bilder z.B. von der Kamera (Speicherkarte) auf den Computer und legt dabei bis zu 4 Ordner an.

    Bildschirmfoto 2015-10-02 um 12.03.01

    • Geotagged: Hier werden die Fotos mit den um die Geokoordinaten ergänzten Metadaten abgelegt.
    • GPX: Enthält die GPX-Datei mit den Trackpoints, die auch von anderen Programmen gelesen werden kann.
    • Out of Trips: Dieser Ordner erscheint nur, wenn es Bilder gibt, denen keine GEO-Imaging-Daten zugeordnet werden konnten, z.B. weil man das GPS-Tracking zu spät gestartet hat.
    • QRCODES: Im letzten Ordner findet man den/die fotografierten QR-Code(s) mit den Geocoding-Informationen

     

    Die Bilder können jetzt mit jeder Software ganz normal geladen werden und z.B. in Lightroom als Kartenansicht angezeigt werden.

     

    Was schief gehen kann

    Das Loggen der Positionsdaten erfolgt so gut, wie das Smartphone diese ermittelt und kann schon mal einige Meter daneben liegen. So wie man es von den Navigations-Apps kennt, wenn man schon mal neben der Autobahn herfährt ;-)

     

    Vorteile der App

    • Extrem preiswert
    • Funktioniert mit jeder Kamera
    • Funktioniert mit mehreren Kameras gleichzeitig
    • gps4cam gibt es für Android und iOS
    • Workflow funktioniert gut
    • Die App läuft im Hintergrund, es können während der Datenaufzeichnung auch andere Apps genutzt werden.

     

    Nachteile

    • Wenn man vergessen hat die App rechtzeitig zu starten, werden keine Daten erfasst.
    • Genauigkeit, da nicht die Position bestimmt wird, wenn fotografiert wird sondern in festgelegten Intervallen. Ausnahme beim Schüttelevent.
    • Hoher Stromverbrauch des Smartphones
    • Die GPS-Metadaten müssen nachträglich eingefügt werden. Ist einfach aber ein zusätzlicher Arbeitsschritt.
    • Keine Erfassung der Aufnahmerichtung (Kompassdaten).

     

    Wegen des höheren Stromverbrauchs habe ich mir ein externes Powerpack* (Werbung) besorgt, so kann ich das Smartphone mehrfach unterwegs aufladen ohne das Ich bei der genauen Messung Angst davor haben muss, dass mir der Strom ausgeht. Klingt jetzt vielleicht auch schlimmer als es ist aber für Kamera und Blitz habe ich auch Ersatzakkus dabei.

     

     

    Geotagging per App – Fazit

    Ich finde die App ist eine gute Alternative zu den mir persönlich viel zu teuren externen GPS-Empfängern. Solange in der Kamera kein eigener GPS-Chip verbaut wird, kann man sich mit den benannten Einschränkungen gut behelfen. Ich habe die GPS4cam App auf einem iPhone 5 mit iOS 8 verwendet und auch öfters vergessen sie rechtzeitig zu aktivieren. Natürlich kann für andere ein „richtiger“ Geotagger die bessere Wahl sein, damit die GPS-Koordinaten direkt in der Kamera in die Metadaten der Fotos geschrieben werden.

     

     

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    Vielleicht kennt von Euch noch jemand eine gute Alternative?


     

    zum Thema Stromverbrauch unterwegs passt auch folgender Beitrag:

    Stromversorgung auf Reisen

     

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    Ein Kommentar
    1. Avatar

      felix

      20. Oktober 2015 at 23:10

      Wenn man zufaellig ein GPS Gerät besitzt kann man auch direkt Tracks in Lightroom importieren und automatisch geotaggen. Das funktioniert einwandfrei und die kleinen GPS geraete wie z.B. die Garmin etrex sind recht guenstig und die Batterien halten recht lange. Fuer mich lohnt sich das nur weil ich eh oft ein GPS dabei habe wenn ich im Gelaende unterwegs bin…

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