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    Kameraindustrie im Abschwung

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    Kameramarkt 2014 im Abschwung

    Ergebnisse im Kameramarkt 2014

    Die Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) und der Photoindustrie-Verband haben ihre Umfrageergebnisse für 2014 vorgestellt.

    Fangen wir mit dem Positiven an, im Bereich Action Cams gibt es einen deutlichen Zuwachs von 150.000 verkauften Exemplaren gegenüber 2013.

    Digitale Spiegelreflexkameras sind mit 720.000 Stück jetzt deutlich unter die Millionengrenze gefallen.

    Bevor ich jetzt hier alle Zahlen aufliste, kann man festhalten das der Markt auch für Zubehör, wie Objektive, Blitzgeräte, Taschen usw. deutlich gefallen ist.

    Nur der Bereich der Smartphones, Fotobücher (mit eigenen Bildern) und Stative inkl. Video-Rigs ist gestiegen.

    Die ganzen Ergebnisse kann man im Detail auf der Seite vom Photoindustie-Verband nachlesen.

    Ein Blick in die USA zeigt übrigens denselben Trend im Kameramarkt.

     

    Warum ist die Kameraindustrie im Abschwung?

    Ja, die Industrie heult bald, macht aber in meinen Augen auch viele Fehler.

    Seitdem Apple sich in den bereits verteilten Smartphonemarkt eingemischt hat, ging eine Rakete los die immer noch steigt, genau wie davor mit ihrem MP3-Player. Durch das iPhone hat sich vieles verändert, nicht ohne Grund wird es von allen anderen Herstellern nachgemacht und ist Bildlieferant Nr 1 auf vielen Plattformen.

    Das iPhone ist erst einmal sehr teuer und es gibt keine Modellvielfalt, es gibt nur ein Modell mit unterschiedlich viel Speicher. Dies war jedenfalls bis zur fünften Generation so. Das Display ist als Sucher genauso schlecht wie bei allen andern Kameras ohne Sucher auch. Eigentlich nicht optimal um eine Foto-Revolution zu beginnen.

    Die Menschen fotografieren (oder filmen) aber viel mehr mit dem jungen Smartphone, um auch die anderen Hersteller mit ins Boot zu holen, als mit der eigentlichen Kamera, die eine Entwicklung von 100 Jahren hinter sich hat, wenn man jetzt die Leica als Erfinder der Kleinbildkamera nimmt, die in die Tasche passt, die Fotografie an sich ist ja wesentlich älter.

    Den Umstieg vom analogen Film auf digitale Bildsensoren haben die Hersteller ja gemacht und auch die Bildqualität war dem Smartphone deutlich überlegen. Aber was ist anders?

    Das Smartphone hat man zunächst einmal immer dabei, gegenüber der eigentlichen Kamera, die man erst einmal einpacken und mitnehmen muss. Eine DSLR mit Objektiv(en) und Blitzgerät ist da schnell zu groß und zu sperrig. Bleibt also als Alternative die Kompaktkamera, wie früher z.B. die Minox.

    Input

    Das Smartphone besitzt aber ein paar Features, die heute selbst in den teuren DSLR-Modellen immer noch kein Standard sind.

    In Foren liest man von unzufriedenen Anwendern und was Firmen denen antworten, falls man es schafft mit jemandem zu sprechen der etwas „Ahnung“ hat. Sie antworten z.B. das will der Kunde nicht oder das braucht der Anwender nicht.

    Ja, Kundenfeedback anzunehmen, ist denke ich ein Fremdwort. Ich war schon auf mehreren Veranstaltungen, wo dann für viel Geld nachgefasst wurde und man einen Fragebogen bekam und ich mir die Finger Wund geschrieben habe. Sie glauben doch nicht, dass sich daraufhin mal jemand gemeldet hätte. Und nein all meine Kritik und Anregungen sind bis heute noch nicht umgesetzt worden. Und ich spreche hier von knapp 10 Jahren, verschlafene Innovation oder Bedürfnisse die man hätte wecken und befriedigen könnte.

    Eine Firma hat beispielsweise einfach die Entwicklung einer Software eingefroren, ja natürlich kann man diese heute noch teuer kaufen aber es gibt nur Treiber-Anpassungen für aktuelle Kameramodelle. Die Funktionalität und GUI ist Steinzeit.

     

    Smartphones haben alle GPS und WLAN

    Smartphones haben neben dem Telefon und Internetzugang z.B. ein GPS und WLAN. Das kostet so gut wie nichts und ist auf demselben Chip. Und so ein Modul ist richtig klein. Also warum zum Teufel ist das nicht Standard? Und warum gibt es nicht die passende App mit der man die Kamera vernünftig bedienen kann und im Kombination mit dem Handy dann alle Social-Media-Möglichkeiten bietet. Nikon hat beispielsweise seit Jahren eine App, (Werbung) die von den Usern schlecht bewertet wird. Und daran ändert sich seit Jahren nichts.

    Ob die Welthersteller schon einmal den Begriff Selfie gehört haben und ob es vielleicht ein Trend ist?

    Wieso kann ich nicht serienmäßig mein Retina-iPhone oder iPad als Monitor an der Kamera benutzen? Gerade, wo jeder der mit seiner Kamera filmt, einen externen Monitor über kurz oder lang anschafft.

    Na gut, Phase One hat mit der A-Serie da so was ….
    Fehlt noch eine Fachkamera mit einem iPad Mini, anstatt einer Mattscheibe um diesen Exkurs ins Mittel- und Großformat zu beenden.

     

    Die Kameras sind absichtlich nicht up to date

    Wenn nach weniger als einem Jahr das Nachfolgemodell meiner DSLR-Kamera herauskommt, überlege ich, warum das so ist?

    Und warum fehlt dann mal hier die 1/8000s oder funktioniert der LiveView nur bei wenigen Modellen vernünftig. Und Bedienungselemente verschwinden in der Tiefe eines Menüs.

    Aber in der Kamera ist eine Bildbearbeitungssoftware, toll.
    Ich bearbeite meine Bilder am Computer, so wie früher auch im Labor die Bilder vergrößert und bearbeitet worden sind. Denn ich mache das Bild und die Kamera ist nur ein Werkzeug.

    Warum gibt bis heute kein Nachfolgemodell für die D300? Weil die Kunden dann diese Kamera kaufen würden und damit glücklich wären? Nein Lieber zig Modelle herausbringen die, aus dem einen oder anderen Grund nicht an die D300 heran kommen, aber aufgrund des besseren Sensors gekauft werden.

    Eigentlich hatte die Industrie einen optimalen Startpunkt, denn durch die digitalen Kameras braucht man auch neue bessere Objektive. Und auch mein Metz-Blitz mit SCA-Adapter war nicht mehr kompatibel.

     

    Innovation

    Die Innovation war der Wegfall des Blendenrings und der Verzicht auf eine vernünftige Schärfentiefenskala. Auch Entfernungseinstellungen auf dem Objektiv, wozu sind die eigentlich gut? Also weg damit, sieht dann gleich viel besser aus. Und das Aussehen ist ja wichtig für ein Werkzeug oder ist es ein Lifestyle Produkt? Die Rote Kamera passend zum Auto, nein die sind ja heute Schwarz also zum Kleid?

    Ach könnte die tolle Elektronik lieber solche grundlegenden Dinge wie Entfernungen oder Schärfentiefe anzeigen.

    Oder man könnte sogar den gewünschten Nah- und Fernpunkt im LiveView anwählen und die Kamera würde daraufhin die richtige Blende wählen. Oder auch die benötigte Brennweite anzeigen damit das für die gewünschte Einstellung funktioniert.

    Oder ich könnte so eine selektive Belichtungsmessung machen, hellster und dunkelster Bereich der Zeichnung haben soll und die Kamera rechnet. Aber ich habe ein Handbuch mit über 20 Belichtungsautomatiken nur eine Mehrpunkt-Kontrastmessung gibt es da nicht. Naja, Hanbelichtungsmesser sind ja auch schön. Oder eine App auf dem Smartphone die das kann!

    Nein, dann lieber einen tollen künstlichen Grunge- oder Vignette-Effekt.

    Und das Nachfolgemodell einer erfolgreichen Kamera wird dann eben 1000 EUR teurer. Ja warum eigentlich?

     

    Es wird aber auch über kostenpflichtige Firmeware-Updates nachgedacht, damit die Kamera auch in Zukunft funktioniert. Also eine Art Abonnement für die bereits gekaufte Ware. So jedenfalls geistern Gerüchte durch das Netz.

    Eigentlich könnte das sogar ein sinnvoller Ansatz sein, indem man beispielsweise nur 2 Kameramodelle fertigt und so sehr viel Geld in der Entwicklung und Fertigung spart. Der Unterschied zwischen der Profi-Kamera und dem Prosumer-Modell besteht dann in den freigeschalteten Funktionen der Software. Die man dann natürlich upgraden kann!

    Und wenn die Kamera jetzt noch modular wäre, ein Traum oder Albtraum, wenn man sich überlegt welchem Kamerahersteller man so etwas zutrauen würde. Auch für Canon wird ja nicht ohne Grund von Magic Lantern (Werbung) die hausinterne Software erweitert.

     

    Seitenblick zum digitalen Film

    Ein Blick zum digitalen Film zeigt, dass neue und bessere Technologie nicht teurer sein muss und dass es die kleinen Firmen sind, die wirklich innovativ sind. Die Firma RED oder Blackmagic Design möchte ich an dieser Stelle lobend erwähnen, welche Kameras aus dem 6stelligen Kostenbereich deutlich nach unten geschraubt haben.

    Ach ja, RAW auch im Bewegtbildbereich, weil das Bild in der Postproduktion seinen Look bekommt. Ich habe auch nichts dagegen, wenn ich schon bei der Aufnahme meine eigene Lookup-Tabelle in die Kamera laden kann und diese im Preview berücksichtigt wird.

     

    Positivbeispiel

    Nehmen wir die Firma Sigma, früher als ein durchschnittlicher Fremdhersteller für Objektive wahrgenommen, hat vor vier Jahren einen Wandel begonnen, indem er auf der Photokina neue Produktserien einführte. Mit der Art-Objektiv-Serie wurden nun bessere Objektive, als die der Marktführer produziert. Und man kann sogar den Objektivanschlus auswechseln lassen, falls man die Kameramarke wechseln sollte.

    Viele eingeschworene Nikon und Canon Anwender, die immer Originalobjektive gekauft haben greifen jetzt gerne auch hier zu, weil man für etwa den halben Preis eine bessere Leistung bekommt. Ich habe jetzt keine Verkaufszahlen von Sigma, aber ich denke das aufgrund der neuen Qualität sie im Markt weit vorne liegen. Und den USB-Dock, (Werbung) mit dem der Anwender selber die Objektivsoftware updaten und verändern kann sollte man auch nicht vergessen.

     

    Kameraindustrie im Abschwung – ein Fazit

    Apple ist dermaßen gewachsen, dass sie nun in einem völlig neuen Bereich entwickeln sollen und der ist auch schon sehr alt und des Deutschen liebstes Kind, das Automobil.

    Was ist noch mal aus den Marktführern Nokia, Blackberry oder dem Palm Pilot geworden?

    Apple befriedigt keine Bedürfnisse, sondern schafft diese erst, das könnte man jedenfalls behaupten.

    So, genug Apple in den Himmel gehoben, ich hätte da auch ein paar negative Beispiele ;-)

    Aber mir geht es darum, das der Winterschlaf in der Kameraindustrie aufhören sollte und nur neue Formate wie damals z.B. die Pocketkamera, Disk Film, etc. als Innovation auch heute nicht ausreichen werden.

    Und neben der Bildqualität ist die intuitive Bedienbarkeit und Kompatibilität (Stichwort Internet der Dinge) nicht zu unterschätzen.

    Eine neue Kamera oder ein Systemblitz hat ein Handbuch von mehreren Hundert Seiten, ein iPhone wird mit einem kleinen Faltblatt ausgeliefert und ist intuitiver zu bedienen als mein Dampfgarer in der Küche, das könnte einem zu denken geben.

     

    Ich möchte an dieser Stelle daran erinnern, das es sich um meine persönlichen Beobachtungen und Eindrücke handelt, welche ich zum Teil im Web gefunden habe und die ich hier im Rahmen meiner persönlichen Meinungsfreiheit zur Diskussion stelle.

     

    Vincent Laforet hat in einigen Punkten sehr ähnliche Ansichten. (Werbung)

     

     

     

     

    foto morgan - stative (Werbung)

     

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