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    Keine MFT-Objektive von Schneider-Kreuznach

    Von

    Schneider-Kreiznach

    Der Rheinland-Pfälzische Optik-Spezialist fremdelt mit dem Consumer-Geschäft und sieht seine Zukunft im Bereich der Industrieoptik und autonomen Fahrzeugen

     

    Wie die Geschäftsführung der Jos. Schneider Optische Werke auf der heutigen Bilanzpressekonferenz in Bad Kreuznach mitteilte, will man das Projektgeschäft mit Industrieoptik und mechanischen Komponenten forcieren und sich im Bereich der Fotografie auf den Filter-Bereich, wo man hauptsächlich mit der Marke B+W am Markt auftritt, und die in Göttingen produzierten Cine-Objektive für Kleinbild-Vollformat konzentrieren. Die auf der Bilanzpressekonferenz 2012 angekündigten Objektive für MFT-Systemkameras wurden vor Produktionsbeginn schon wieder abgekündigt. Eine Produktion der drei auf der vergangenen photokina in Köln vorgestellten überarbeiteten Prototypen von Festbrennweiten für Canon-, beziehungsweise Nikon-Kameras ist auch weiterhin nicht absehbar und die 2011 vorgestellten Objektivvorsätze für das iPhone von Schneider Optics in den USA scheinen inzwischen auch kein Thema mehr zu sein.

    Seit der letzten Pressekonferenz in Bad Kreuznach im vergangenen Jahr wurde bei Schneider kräftig umstrukturiert. Mit Wolfgang Selzer hat Schneider seit dem 12. November 2014 neben Dr. Josef Staub einen zweiten Geschäftsführer und mit Dr. Ralf Mayer seit Mai 2015 einen neuen Entwicklungsleiter, der die Entwicklung verstärkt auf den Industriebereich ausrichten soll, wo die Kreuznacher eine hohe Kompetenz ihres Unternehmen im optischen, optoelektronischen und mechanischen Bereich sehen. Wie schon in den vergangenen Jahren angekündigt, sieht man seine Zukunft vor Allem im Automotive-Bereich als künftiger Anbieter von optischen Systemen für autonome Fahrzeuge. Ob man mit einem Produktionsstandort in der Rheinland-Pfälzischen Provinz als Automotive-Zulieferer im erwarteten Massengeschäft gut aufgestellt ist, muss die Zukunft zeigen. Noch finden autonome Fahrzeuge gerade in Deutschland auffällig wenig Interesse.

    Mit der schon länger erwarteten Aufgabe des Handelsgeschäfts mit den Praktica-Digitalkameras der Dresdner Tochtergesellschaft Pentacon zum Ende des vergangenen Monats und dem Auslaufen der Dresdner Produktion von Scannerkameras, dem Ende der Produktion von Vergrößerungsobjektiven sowie dem Verzicht auf eine Weiterentwicklung des Sortiments an Großbildobjektiven beschränken sich die Ambitionen der Kreuznacher im Bereich der Fotografie auf die ins Werk 2 ausgelagerte B+W-Filter-Produktion und die im Markt eher wenig erfolgreichen Tilt-Shift-Objektive, die im Fotohandel ebenso selten anzutreffen sind wie die Video-Vollformat-Objektive aus Göttingen. Das scheint Alles zu sein, was von der 2013 verkündeten stärkeren Ausrichtung auf Entertainment im Foto- und Filmbereich geblieben ist, als man aufgrund des schon damals rückläufigen Handelsgeschäfts (Praktica-Kompaktkameras) und der Investitionszurückhaltung im Automotivebereich auf eine Ausweitung des Consumergeschäfts setzte.

    Beim Umsatz bleiben die Jos. Schneider Optische Werke jedoch der stetigen Abwärtsentwicklung der vergangenen Jahre treu. Nachdem der Gesamtumsatz im Jahre 2011 mit 85,5 Millionen Euro nahezu auf Vorjahresniveau lag, wurde 2012 ein Gesamtumsatz in Höhe von 78 Millionen Euro erzielt. 2013 erreichte man noch einen Gesamtumsatz in der Firmengruppe, die neben den Standorten in Bad Kreuznach, noch jeweils ein Werk in Göttingen und Dresden sowie zwei Fertigungsstandorte in den USA umfasst, in Höhe von 71,8 Millionen Euro. Im Jahre 2014 sank der Gesamtumsatz dann auf 67,2 Millionen Euro. Ob sich diese Entwicklung mit dem weitgehenden Rückzug aus dem Consumer-Bereich und der verstärkten Ausrichtung auf den wenig Marken-orientierten und hinsichtlich der Auslastung stark schwankenden Bereich der Industrie-Optik und der mechanischen Komponenten künftig aufhalten oder gar drehen lässt, wird die spannende Frage auf der nächsten Bilanzpressekonferenz im Jahre 2016 sein.

     

    Nachfolgend die Pressemitteilung der Jos. Schneider Optische Werke vom 2. Juli 2015

     

    Umstrukturierung bei Schneider-Kreuznach trägt Früchte

     

    BAD KREUZNACH, 2. Juli 2015

    Schneider-Kreuznach hat seine Unternehmensstruktur neu ausgerichtet und umorganisiert. Zu den beiden Geschäftsfeldern Film & Photo sowie Imaging Systems ist als dritter Bereich Precision Engineering hinzugekommen. Die feinmechanische Kompetenz des Optikspezialisten erhält damit ein eigenständiges Gewicht. „Wir verändern uns mit dem starken Industriegeschäft und erwarten hier weiteres Wachstum“, sagt Dr. Josef Staub, der für Entwicklung und Vertrieb zuständige Geschäftsführer.

    Am weitesten sind die Umstrukturierungsmaßnahmen am Stammsitz Bad Kreuznach vorangeschritten. Das ist schon jetzt auch beim Umsatz spürbar. Allein in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres erzielte die Muttergesellschaft einen höheren Umsatz als in den ersten beiden Quartalen 2014. Die Standorte Göttingen und Dresden haben allerdings noch weiteren Optimierungsbedarf. „Wir haben die Produktion insgesamt reorganisiert und wollen nun auch Göttingen und Dresden zu schlagkräftigen Standorten machen“, sagt Wolfgang Selzer, Geschäftsführer für Produktion und Finanzen. An der Gesamtzahl der Mitarbeiter soll sich allerdings nichts ändern. Die Veränderungen in der Gruppe drücken sich in der Bilanz des vergangenen Jahres aus. Während die Muttergesellschaft 47,7 Millionen Euro (+7,6% ggü. 2013) zum Umsatz beigetragen hat, war der Gesamtumsatz der Schneider-Gruppe mit 67,2 Millionen Euro (-6,4%) rückläufig. Das Jahresergebnis konnte jedoch gleichzeitig auf 1 Million Euro gesteigert werden. Auch bei den Investitionen legte die Schneider-Gruppe zu, was sich dieses Jahr fortsetzen soll.

    Im Bereich Film & Photo setzt Schneider-Kreuznach vor allem auf Objektive und Filter für Bewegtbild. Mit Aufnahmeobjektiven und Filterprodukten für Kino, Film und Video deckt das Unternehmen bereits das anspruchsvolle Kundensegment mit hochwertigen Produkten bis hin zu Objektiven für Fotokameras ab. Vom Geschäft mit einfachen Kompaktkameras hat sich Schneider-Kreuznach dagegen verabschiedet; ebenso wie von seinen Plänen, MFT-Objektive für spiegellose Systemkameras zu produzieren. Das Unternehmen erwartet in diesem und den folgenden Jahren Wachstumsimpulse vor allem bei Produkten für industrielle Anwendungen und strebt hierbei weitere Entwicklungs- und Produktionspartnerschaften an. Im Bereich Imaging Systems geht es dabei insbesondere um die Branchen Automotive, Security sowie Medizintechnik, für die optische Systeme immer bedeutender werden. Im Bereich Precision Engineering produziert das Unternehmen beispielsweise digitale Servohydraulik für Blechumformung, hochgenaue Präzisionsspritzgussteile mit optischen Anforderungen für Automobilsensoren, dreh- und rolliergewalzte Präzisionsteile für Dieseleinspritzsysteme sowie komplexe Prüfanlagen für die optische Qualitätskontrolle (z.B. Bohrlochinspektion).

     

    Über die Schneider-Gruppe:
    Die Schneider-Gruppe ist spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion von Hochleistungsobjektiven für Photo und Film, Kino-Projektionsobjektiven sowie Industrieoptiken, Filtersystemen und Feinmechanik. Zur Gruppe gehören die 1913 in Bad Kreuznach gegründeten Jos. Schneider Optische Werke (Bad Kreuznach, Göttingen) sowie die Tochtergesellschaften Pentacon (Dresden), Schneider-Optics (New York, Los Angeles), Schneider Asia Pacific (Hongkong) und Schneider Optical Technologies (Shenzhen). Hauptmarke ist „Schneider-Kreuznach“. Weltweit sind etwa 620 Mitarbeiter beschäftigt, davon 390 am deutschen Stammsitz. Seit Jahren zählt die Unternehmensgruppe zu den Weltmarktführern im Bereich der Hochleistungsobjektive.

    www.schneiderkreuznach.com (Werbung)

     

     

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