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    Kommt das TRIOPLAN 2,8/100 mm aus Görlitz zurück?

    Von

     

    Made-In-Germany- Meyer-Optik-Görlitz

    TRIOPLAN 2,8/100 mm

    Als kurz vor der photokina 2014 angekündigt wurde, dass Globell Deutschland in Köln zwei Objektive der Marke Meyer-Optik-Görlitz präsentieren wolle, die „Made in Germany“ seien, ging das große Raten los: Wer steckt hinter dem Relaunch der Marke?

    Die Geschichte der 1896 gegründeten Optisch-Mechanischen Industrie-Anstalt Hugo Meyer & Co. und ihrer direkten Nachfolger war mit dem ab 1990 als Feinoptisches Werk Görlitz GmbH firmierenden Unternehmen und der Produktion von MEYER-OPTIK-Objektiven kurz wieder aufgenommen worden, bevor das Unternehmen im Jahre 1991 von der Treuhandanstalt geschlossen wurde. Heute werden in Görlitz in der Meyer-Nachfolge von Dr.-Ing. Wolf-Dieter Prenzel noch Objektive entwickelt und in kleinem Umfang produziert. So hat Prenzel die Objektive für die letzten Serien der Noblex-Panoramakameras der Kamera Werk Dresden produziert.

    Auch wenn sich die Marke Meyer-Optik-Görlitz in der Tradition der Optikfertigung in der Oberlausitz sieht, ist sie, wie inzwischen auf der Seite von Meyer-Optik-Görlitz http://www.meyer-optik-goerlitz.de (Werbung) erwähnt wird, kein Rechtsnachfolger der historischen Unternehmen. Eine Recherche beim Deutschen Patent- und Markenamt in München nennt für den 14.05.2014 die Anmeldung dieser Marke für den Inhaber SEMI Verwaltung GmbH. Im Gegensatz zur früher üblichen Schreibweise Meyer Optik Görlitz, der einen Hinweis auf den Unternehmensstandort Görlitz enthielt, ist der Ortsname in der Schreibweise mit Bindestrich Teil der Marke und kein Hinweis auf die Herkunft der Produkte.

    Die SEMI Verwaltung GmbH wurde nach vorliegenden Informationen in Koblenz gegründet und hat später ihren Sitz in die Kronenstr. 32, 70174 Stuttgart verlegt. Geschäftsführerin ist Regina Immes in Koblenz. Sie ist die Ehefrau von Dr. Stefan Immes, dem geschäftsführenden Direktor der net SE in Koblenz. In der Bilanz der net SE zum 30.9.2013 steht hinsichtlich der Position von Dr. Immes: „Das Anstellungsverhältnis mit dem geschäftsführenden Direktor wurde zum 31. Januar 2012 beendet. Seit dem werden die Dienstleistungen des geschäftsführenden Direktors über die Semi Verwaltung GmbH, Stuttgart, im Rahmen eines Geschäftsbesorgungsvertrags erbracht, bei der Herr Dr. Immes angestellt ist.“

    Von der Semi Verwaltung wurden am 06.10.2014 auch die Wortmarken IHAGEE und PENTONA angemeldet. Die am 14.11.2014 erfolgte Anmeldung der Marke DOMIPLAN wurde nach Widerspruch durch die Pentacon GmbH zurückgezogen. Die zu Schneider-Kreuznach zählende Pentacon hatte sich die Marke DOMIPLAN schon 2007 schützen lassen. Beim Namen TRIOPLAN ist die markenrechtliche Situation ein wenig komplexer. Für TRIOPLAN erfolgte eine Markenanmeldung am 04.11.2014 durch Dr.-Ing Wolf-Dieter Prenzel und am 14.11.2014 durch die Semi Verwaltung GmbH, die sich beide jedoch nur im Bereich Objektive überschneiden dürften und die in der Ankündigung des neuen Trioplan 2,8/100 mm erwähnte Zusammenarbeit (http://www.meyer-optik-goerlitz.de/vorstellung-des-neuen-meyer-optik-goerlitz-trioplan-f28100-mm) (Werbung) auch nicht behindern dürfte.

    Wo das Objektiv produziert wird, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor. Im niederländischen Venlo, wo die dortige net-SE-Tochter Globell B.V. die Pressearbeit für den Bereich Globell Deutschland der net SE besorgt, gibt man sich ausgesprochen zugeknöpft, wenn nach dem Produktionsstandort der unter der Marke Meyer-Optik-Görlitz vertriebenen Objektive gefragt wird und verweist konstant nur darauf, die Objektive seien „Made in Germany“. Dass die Komponenten der Objektive global eingekauft werden, wird inzwischen auch von Globell so kommuniziert. Dass es sich beim Somnium-Objektiv um ein “Schwesterobjektiv” des Helios Krasnogorsky Zavod sei, wird inzwischen wohl ebenso bestätigt wie die äußerlichen Identitäten der Figmentum-Objektive mit Objektiven des Herstellers Zhong Yi (http://nikonclassics-michalke.de/blog/?p=1915 (Werbung)). Schaut man auf der Seite des Herstellers Shenyang in der nordostchinesischen Provinz Liaoning (http://www.zyoptics.net/purchase-online/ (Werbung)), der auch die alteingesessene japanische Marke Mitakon nutzt, so findet man auch mit den Nocturnus-Objektiven vergleichbare Produkte. Gegenüber Sonyalpharumors (http://www.sonyalpharumors.com/german-company-meyer-optik-gorlitz-puts-his-logo-on-the-mitakon-lens-and-charges-triple-the-price (Werbung)) erklärte man in Venlo, dass die Objektive in Deutschland assembliert, justiert und getestet würden und daher als „Made in Germany“ angeboten würden.

    Da der Begriff „Made in Germany“ im Gegensatz zu „Swiss made“ nur bedingt geschützt ist, darf jeder diese vermeintliche Auszeichnung ungestraft nutzen, solange er nicht im Rahmen des deutschen Wettbewerbsrechts von einem Wettbewerber ob dieser Kennzeichnung juristisch angegriffen wird. Jenseits der rechtlichen Situation ist es jedoch durchaus fragwürdig, offensiv mit dem Begriff „Made in Germany“ zu werben und sich dann hinter Betriebsgeheimnissen zur verschanzen.

     

    Die Pressemeldung zum Trioplan 2,8/100mm findet ihr hier

     

     

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