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    Lohnt es sich, Kompaktblitzgeräte aus China zu kaufen?

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    China-Systemblitze Kompaktblitzgeräten

     

    Was abseits der Fragen nach Qualität und Produktsicherheit von Kompaktblitzgeräten noch von Interesse sein kann

    Da von den einstigen Herstellern von Kompaktblitzgeräten in Europa inzwischen außer der gerade durch eine Insolvenz gegangenen Firma Metz in Zirndorf alle anderen Hersteller von Kompaktblitzgeräten aufgegeben haben, bleibt den meisten Nutzern gar keine andere Wahl, als Blitzgeräte aus chinesischer Fertigung zu kaufen, wenn man im Sortiment der Franken nicht das gewünschte Blitzgerät findet. Auch praktisch alle japanischen Blitzgerätehersteller haben ihre Produktion inzwischen auf das chinesische Festland verlagert.

    Daneben gibt es jedoch auch eine wachsende Zahl chinesischer Marken, die über Amazon Marketplace oder ebay angeboten werden. Wie bei chinesischen Consumerprodukten üblich, muss nicht jeder Anbieter auch der Hersteller sein und manche Marken kaufen ihre Produkte bei unterschiedlichen Produzenten ein, was die Situation aus der Ferne ziemlich unübersichtlich macht.

    Die chinesischen Blitzgerätemarken werden meist über Firmen in Hongkong oder Shanghai angeboten, die entweder direkt aus Hongkong oder Shanghai versenden oder den Versand von Amazon durchführen lassen. Beim Direktversand aus Fernost muss neben den Frachtkosten auch mit dem Anfall von Zollgebühren und der Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent gerechnet werden. Zudem kann es in diesem Zusammenhang notwendig werden, dass man zur Abwicklung des Verzollungsvorgangs selbst beim zuständigen Zollamt erscheint. Ob auch für eventuell vom Anbieter berechnete Versandkosten die Einfuhrumsatzsteuer berechnet wird, hängt davon ab, ob der Warenbezug als privat oder kommerziell eingestuft wird. Bei einer privaten Sammelbestellung mit mehreren Kompaktblitzgeräten benötigt man gute Argumente, dies zu erläutern.

     

    Zollabwicklung beim Direktimport

    In manchen Fällen wurde die Verzollung auch durch den Kurierdienst vorgenommen. Dabei wurde dann im Zweifelsfalle der Wert der Ware pauschaliert oder geschätzt, was meist zu höheren Kosten geführt hat, als beim jeweiligen Warenwert berechtigt gewesen wäre. Um das Risiko der Zollabwicklung zu reduzieren, versenden mehrere chinesische Anbieter inzwischen über einen europäischen Dienstleister, der sein Versandlager innerhalb der EU hat, vielfach übernimmt auch Amazon die gesamte Versandabwicklung aus einem seiner Logistikzentren. Da in diesen Fällen der Versand aus einem EU-Mitgliedsstaat erfolgt, entfällt für den Endverbraucher die Zollabwicklung. Sollte die Lieferung unvollständig oder sonst fehlerhaft sein, ist Amazon der zuständige Ansprechpartner. In diesem Fall wird üblicherweise nur die gesamte Lieferung zurückgenommen und neu geliefert oder komplett rückabgewickelt. Die Abwicklung über die Amazon-Logistik stellt für den Endverbraucher eine deutliche Erleichterung dar, solange es um Fragen geht, die unmittelbar mit der Kaufabwicklung zu tun haben. Bei allen Fragen, die in den Zuständigkeitsbereich des Anbieters in Fernost fallen, ist der Käufer auf dessen Verständnis angewiesen.

     

    Das neue Elektro- und Elektronikgeräte-Gesetz (ElektroG) und die Folgen

    In welchem Umfang die Abwicklung einer Bestellung aus Deutschland nach den beschriebenen Mustern auch künftig noch zulässig ist, ist derzeit nicht abzuschätzen. Das aktualisierte ElektroG sieht vor, dass jeder Anbieter elektrischer und elektronischer Geräte in Deutschland hier als Hersteller gilt und einen Bevollmächtigten einsetzen muss, der für die notwendige Markenregistrierung bei der Stiftung EaR in Fürth zuständig ist. Dazu zählen neben den monatlichen Abverkaufsmeldungen auch die zu entrichtenden Gebühren. Amazon sieht sich in diesem Zusammenhang bislang nur als Logistik-Dienstleister und für die Fragen des ElektroG nicht zuständig. Ob die jeweilige Marke bei der EaR registriert ist und wer die Registrierung vorgenommen hat, ist auf der Seite der EaR (https://www.stiftung-ear.de (Werbung)) leicht festzustellen.

    Erfolgt der Versand über ein Logistikzentrum beispielsweise in Polen oder in der Tschechischen Republik, ist der Nachweis der Lieferung und damit ein möglicher Verstoß gegen das ElektroG im Einzelfalle eher schwierig. Im Falle einer Sammelbestellung besteht ebenso wie oben erwähnten Falle der Verzollung das Risiko, dass der Besteller als Hersteller, hier im Sinne des ElektroG, betrachtet wird. Einen entsprechenden Präzedenzfall gibt es bislang jedoch noch nicht und somit bewegt sich im Zusammenhang mit der aktualisierten Gesetzgebung jeder Einkauf eines Kompaktblitzgerätes direkt in Fernost in einem nicht wirklich kalkulierbaren Graubereich. Wer sich dafür entscheidet, mit einem Einkauf in einer der internationalen Verkaufsplattformen ein Schnäppchen machen zu wollen, darf sich hinterher jedoch nicht darüber beklagen, wenn der Einkauf letztlich doch teuerer geworden ist, als geplant.

     

    Einkauf von Kompaktblitzgeräten bei einem Händler in Deutschland

    Wer ein entsprechendes Kompaktblitzgerät über einen in Deutschland ansässigen Händler erwirbt, ist hinsichtlich der Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften als Kunde auf der sicheren Seite. Dass sich Importeur und Händler den Aufwand für die Erfüllung der gesetzlichen Vorschriften auch bezahlen lassen, erklärt einen großen Teil des durchaus signifikanten Preisunterschieds zwischen den offiziell nach Deutschland eingeführten Produkten und dem, was in einer Art Ameisenhandel von Endverbrauchern direkt importiert wird. Ob und in welchem Zeitrahmen die Gesetzeslage an die veränderten Handelsgewohnheiten angepasst wird, ist derzeit nicht absehbar. Eine derzeit diskutierte grundsätzliche Anmeldepflicht aller in die EU importierten elektrischen und elektronischen Produkte, könnte die Situation jedoch deutlich verändern.

     

     

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