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    Lytro Illum Lichtfeldkamera – Teil 2 Praxis-Test

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    Lytro Illum Lichtfeldkamera Review - Rezension - Test

    Die Lytro Illum Lichtfeldkamera im Praxis-Test

    Dies ist der 2. Teil zur Lytro Illum Lichtfeldkamera und ich empfehle zuerst den 1. Teil zu lesen, wenn man nicht weiß, was eine Lichtfeldkamera ist.

    In diesem Teil beschreibe ich meine persönlich mit der Kamera gemachten Erfahrungen und wie man damit fotografiert. Es wird keine Messwertschlacht werden aber ich vergleiche dennoch die Bildqualität mit meiner DSLR-Kamera.

     

    Firmwareupdate

    Die Software wird permanent weiter entwickelt und die Lytro-Desktop-Software hat während meines Testzeitraums automatisch auf ein verfügbares Firmwareupdate hingewiesen, nachdem die Speicherkarte in den Computer eingesteckt wurde.

    Ein Klick und die aktuelle Firmware wurde auf die Speicherkarte gespeichert. Nach dem Wechsel der Karte in die Kamera erkannte diese das Update automatisch. Nach Zustimmung wurde die Firmware installiert. Das ging sehr einfach und schnell, so wünscht man sich das.

    Bei anderen Marken muss man auf die Supportseite gehen und suchen, ob man ein Firmwareupdate für seine Kamera findet. Natürlich, nachdem man sich in der Menüstruktur über die installierte Version informiert hat.

     

     

    Die Menüeinstellungen

    Die Menüstruktur ist übersichtlich und schnell zu begreifen. Der Film zeigt das abgefilmte Display der Lytro Illum (daher auch die Moiré Effekte). Wer das nicht so spannend findet, kann auch direkt zum 2. Film mit dem Zollstock springen.

     

     

    Es folgt ein Testaufbau mit unterschiedlichen Tiefen und einem diagonal liegenden Gliedermaßstab (umgangssprachlich Zollstock, allerdings mit Zentimeter-Einteilung ;-)

    Ziel ist es gewesen alle Objekte, inklusive des kompletten Zollstocks, scharf im Bild zu haben. Der Film zeigt, wie ich die Einstellung gesetzt habe und wie der Ablauf beim Fotografieren funktioniert. Auch meine Schwierigkeiten werden denke ich ganz gut deutlich, denn der Film entstand ganz am Anfang meiner Testphase.

     

    Da ich nicht alle Funktionen beschreiben kann, geht es hier zum Onlinehandbuch des Herstellers.

     

    Mit der Lytro Illum Lichtfeldkamera im Freien Fotografieren

    Wie erwartet ist eine Kamera ohne Sucher nur bedingt zum Fotografieren bei Sonnenlicht im Freien zu gebrauchen und auch das spiegelnde Display macht das Ganze nicht besser. Meine Probleme die dunkelblaue Markierung vor einem ebenfalls dunklen Hintergrund im abgedunkelten Studio zu sehen ist bei direkter Sonneneinstrahlung nicht einfacher. Der LiveView ist übrigens leicht verzögert, was ein Negativpunkt ist.

    Die Kamera ist intuitiv zu bedienen. Die Funktion der Lichtfeldtaste mit dem entsprechenden Tiefeinhistogramm hat man schnell verstanden.

    Man kann mit der Lytro Illum also ganz normal fotografieren, wenn man beispielsweise die Programmautomatik auswählt. Die AF-Taste hilft bei der Fokussierung und alternativ kann man auf dem Touchscreen den gewünschten Fokuspunkt antippen.

    Ungewohnt ist, dass konstant mit Blende 2,0 gearbeitet wird und man bei manueller Bedienung nur die Zeit oder ISO verändert. Der beiliegende ND-Filter bietet eine zusätzliche Möglichkeit die Belichtung zu beeinflussen, ein variabler ND-Filter wäre allerdings komfortabler.

    Die Schärfentiefe wird durch die Wahl der Blende erst in der Nachbearbeitung ausgewählt.

    Die Lichtfeldtaste verändert das angezeigte Bild und es werden jetzt blaue und orange Umrandungen an den Motivkanten angezeigt, dies definiert den Bereich, der innerhalb des Lichtfelds liegt und später für die Refokussierung genutzt werden kann.

    Das Display wird nicht komplett für die Bildvorschau genutzt und zeigt permanent Menüpunkte oder Tiefeinhistogramme rechts im Bild an. Auch unter dem Bild wird (zu) klein ISO, ZEIT, Belichtung, etc, angegeben.

    Im direkten Sonnenlicht sieht man auf dem Display leider nicht viel und kann eigentlich nur den Bildausschnitt grob festlegen. Ein Problem, das alle Kameras ohne Sucher besitzen und die Nutzung extrem einschränkt.

     

     

    Beispiele – Living Pictures

    Die gezeigten Bewegtbilder sind jeweils aus einem Foto mit der Lytro Illum Lichtfeldkamera entstanden. Wenn man die Bilder über den Onlineservice von Lytro teilen möchte, können die Bilder vom Zuschauer interaktiv als Living Pictures angesehen werden. Die Einstellung der Schärfeebene obliegt dann dem Zuschauer und nicht wie in den gezeigten Filmbeispielen durch Keyframes in den Animationseinstellungen für den Export als Film.

    Man erkennt sehr gut das Potenzial der Lichtfeldtechnik, welches mehr als nur die nachträgliche Schärfeebenenverlagerung ist. Durch die Perspektivänderungen gibt es Ähnlichkeiten zu holografischen Darstellungsformen, welche eine dreidimensionale Abbildung ermöglicht.

    Durch die in Grenzen änderbare Perspektive sind neben stereoskopischen (3D-Fotos) auch realistisch wirkende Kamerafahrten innerhalb eines Bildes möglich.

    Leider reicht es noch nicht für die volle HD-Auflösung aus, deswegen ist an den Seitenrändern der Beispiele ein schwarzer Balken.

     

     

    Und wie gesagt, es sind keine aufgenommenen Wackel-Videos aus der Hand, sondern exportierte Animationen eines Bildes mit den Voreinstellungen „Plötzlich“ und „Umsehen“, bei denen man gut die möglichen Perspektivänderungen erkennen kann. Schärfeebene und Bildausschnitte wurden teilweise auch variiert.

    Im Animieren-Editor der Lytro Desktop Software, werden Keyframes in einer Zeitleiste gesetzt und es können unterschiedliche Animationseinstellungen (s.o.) ausgewählt werden oder auch eigene Bildausschnitte und Fokuspunkte dem Keyframe zugeordnet werden.

    Dies erfolgt jedoch nicht so, wie man es aus anderen Programmen wie z.B. After Effects oder Motion kennt, denn es fehlen numerische Eingabemöglichkeiten und auch die Anzeige eines Diagrammeditors, indem einzelne Parameter wie z.B. X- und Y-Position, Fokuspunkt, Blende, etc. durch editierbare Graphen dargestellt werden und die Keyframes als lineare- oder als Bézier-Punkte genutzt werden können. Letztere sind für das gezielte Abbremsen oder Beschleunigen von Parametern nötig.

    Bei der Pusteblume werden Fehler in der Tiefenmaske sichtbar, die man nacharbeiten kann, wie es im nächsten Video über Tiefen-Mapping (vom Hersteller) gezeigt wird.

     

     

    Das Tiefen-Mapping

    In jedem Bild wird auch eine Tiefenkarte gespeichert, die Helligkeit der Graustufen beschreibt die räumliche Entfernung. Bei manchen Motiven gibt es Fehler in der Tiefenmap, die dann als PNG-Datei mit einem Programm wie z.B. Photoshop nachbearbeitet werden kann. Das Video zeigt den Vorgang (engl.)

     

    Die Lytro App für iOS

    Im Zeitalter der Apps gibt es auch für die Lytro Illum eine passende App direkt vom Hersteller.

    Mein iPad 2 ist leider nicht mit der App kompatibel, das iPhone 5 schon. An der Kamera wird Wi-Fi aktiviert und in den Einstellungen des iPhone ausgewählt, dann noch den Sicherheitscode vom Kameradisplay ins Device eingetippt und schwupps, waren alle Bilder (als kleine Vorschau) auf dem iPhone – so soll es sein.

    Nach einer gezielten Bildauswahl werden die Bilddaten übertragen und man kann danach den gewünschten Schärfepunkt anwählen und das Bild macht daraufhin eine Schärfeebenenverlagerung. Leider werden die Bilder nicht durch Drehung, des Devices, an den Bildschirm angepasst und man kann auch nicht hineinzoomen.

    Die App ist eher zum sozialen Teilen der Bilder gedacht als zum Betrachten, bearbeiten oder zur Kamerafernsteuerung.

     

     

    Die Lytro Illum im Studio

    Ich habe zum einen mit Heißlicht fotografiert und auch mit einer Studioblitzanlage, die per X-Kontakt mit einem Funkauslöser auf dem Zubehörschuh synchronisiert wurde.

    Bei Dauerlicht wurde das Display mit der Einstellung Belichtungssimulation benutzt, in der sich die Helligkeit des angezeigten Bildes anpasst, wenn man die Belichtungszeit oder ISO-Einstellungen oder auch die Beleuchtung ändert. Beim Fotografieren mit Blitzlicht habe ich die Belichtungssimulation ausgeschaltet, weil das Einstelllicht zu dunkel war. Schön, wenn man hier die Auswahlmöglichkeit hat.

    Was ich vermisst habe, war ein HDMI-Ausgang um einen externen Monitor anschließen zu können und die fehlende Möglichkeit, auf dem Display ein 100-%-Bildausschnitt anzeigen zu können.

     

     

    Vergleich der Bildqualität zu DSLR

    Ja, wie macht man das jetzt am besten? Traditionell kann man per Focus-Stacking einen größeren Schärfentiefenbereich erzeugen. Und das Spiel mit der Schärfentiefe sehe ich als eins der wesentlichen Merkmale einer Lichtfeldkamera. Bewegte Motive kann man kaum zusammenrechnen, da hat die Lichtfeldkamera einen klaren Vorteil, deshalb mache den Test mit leblosen Objekten.

    Zum Vergleich habe ich mit einer Nikon D7100 mehrere Fotos mit Blende 8 aufgenommen. Als Fokuspunkt wurde alle 10 cm auf dem Zollstock scharf gestellt. Die Einzelbilder wurden dann mit Photoshop zu einem Bild mit durchgängiger Schärfe zusammengerechnet und auf die Export-Auflösung der Lytro Illum runter skaliert.

    In dem gezeigten Bildausschnitt handelt es sich um ein leicht anderes Motiv als im Video, der Zollstock hat jetzt 80 cm Länge und das Ladegerät ist etwas kleiner in der Abbildungsgröße.

     

     

    Die Bilder wurden übrigens nicht nachgeschärft.

    Wie kommt es jetzt zu diesem deutlichen Schärfeunterschied, obwohl die Bilder die gleiche Auflösung besitzen?

    Am besten erkennt man es bei der Vergrößerung im Bereich des Colorcheckers. Es taucht eine deutlich sichtbare Pixelstruktur an den Kanten der Farbfelder auf. Dies könnte etwas mit der Struktur des Linsenrasters zu tun haben. Jedenfalls fehlt es hier an Auflösung für eine präzise Kante und somit an Schärfe.

     

    Lytro Illum Lichtfeldkamera - Testfoto - Ausschnitt vom Colorchecker

     

    Die Technologie hat noch einen deutlich sichtbaren Abstand zur heutigen „Normalen“-Digitalkamera. Aber es ist auch erst die 2. Kamerageneration von Lytro. Von daher mache ich mir keine Sorgen, dass dieser Unterschied in Kürze aufgeholt sein wird.

    Für Anwendungen mit kleineren Auflösungen wie z.B. im Web oder dem Smartphone ist die Technik schon nutzbar, wie das folgende runtergerechnete Bild zeigt.

     

    Lytro Illum Lichtfeldkamera - Testfoto - Holzleiter

     

     

    Nachbearbeitung

    Die Software besteht aus den Ansichten:

    Bibliothek, hier werden die Vorschaubilder angezeigt, welche mit einer Sternebewertung versehen werden können.

    Info, Metadaten und die Vergabe von Untertiteln

    Anpassen, zum Entwickeln der RAW-Daten. Es funktioniert ähnlich wie in anderen Programmen auch. Es gibt Einstellungen für den Weißabgleich, Belichtung, Kontrast, Lichter, Tiefen, Weiß, Schwarz, Lebendigkeit, Sättigung und unterschiedliche Farben. Schärfen, Rauschreduzierung und beschneiden kann man das Bild natürlich auch.

    Anders ist es bei der Wahl der Blende, die nicht die Helligkeit des Bildes verändert, sondern ausschließlich die Schärfentiefe. Die Tiefenkarte kann als Overlay eingeblendet werden, ähnlich wie eine Maske.

    Es gibt die Möglichkeit den Schärfentiefenbereich mit einer Pipette für den Nah- und einer Zweiten für den Fernpunkt zu bestimmen. Die Schärfeebene kann auch gedreht und geneigt werden.

    Animieren, wie bereits beschrieben werden hier die Keyframes definiert. Die Renderqualität sollte man jedoch nicht hoch stellen, es sei denn, man möchte nicht nur einen Kaffee holen, sondern diesen auch erst aufbrühen oder vielleicht sogar anpflanzen ;-)

    Präsentieren, hier kann man neben der 2-D-Darstellung auch auf eine Rot-Cyan-Anaglyph- oder eine Nebeneinander 3-D-Ansicht umstellen und die Bilder der Bibliothek präsentieren.

     

    Lytro Illum Lichtfeldkamera – Fazit

    Die Technologie ist faszinierend und es macht Sinn zwischen der Technologie und der vorgestellten Kamera zu unterscheiden.

    Warum? Weil die Lytro Illum ohne die Lichtfeldtechnologie in die Kategorie der Kameras ohne Sucher gehört und damit auch alle Nachteile dieser Kameragruppe besitzt. Ein elektronischer Sucher fehlt einfach, um vernünftig bei Sonnenschein im Freien fotografieren zu können, jedenfalls mir.

    Die Kamera ist bis auf ein paar Kleinigkeiten intuitiv zu bedienen. Die Objektivringe zum Zoomen und Fokussieren drehen unendlich durch, denn es gibt keinen Anschlag, was ich persönlich nicht mag.

    Die Lytro Illum kann nicht nur Gitterlinien ein und ausblenden, man hat auch die Möglichkeit zwischen unterschiedliche Hilfslinien zu wählen um bei der Bildkomposition beispielsweise nach der 1/3 Regel, dem Goldenen Schnitt oder der Fibonacci Spirale (alle vier Ausrichtungen) zu arbeiten. Das finde ich sehr gut und warum bieten meine anderen Kameras das nicht auch?

    Die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen, bietet dafür viele neue Möglichkeiten, wenn man sich innerhalb der digitalen Medien bewegt.

    Auch ein Blick zur Seite auf andere Anbieter, die beispielsweise 3D-Polygon-Modelle aus Lichtfeld-Bildern errechnen, sind spannend.

    Die exportierte Bildgröße von 4 MP ist gering aber für eine Nutzung innerhalb eines HD-Films, einer Beamer-Präsentation oder im Web (theoretisch) ausreichend.

    Warum die als 1080p exportierten H.264 Filme nicht das volle HD-Format von 1.920 x 1.080 Pixel ausfüllen und nur 1.642 x 1.080 Pixel betragen erschließt sich mir nicht, denn ein exportiertes Einzelbild als Tiff hat 2.022 x 1.404 Pixel, es passt also ein volles HD-Bild hinein. Auch der Export in 720p eigentlich 1.280 x 720 Pixel ist mit 1.094 x 720 Pixel leider nicht richtig. Vielleicht reicht hier schon ein Softwareupdate, um das zu ändern.

    In vielen digitalen Bildpräsentationen und Dokumentarfilmen wird der Ken-Burns-Effekt (Zoomen und Verschieben) verwendet, dieser wird durch die jetzt mögliche Perspektivänderung der Lichtfeldtechnik viel realistischer und reicht näher an eine echte Kamerafahrt heran. Auch die Verlagerung der Tiefenschärfe mit minimaler Positionsänderung erzeugt einen cineastischen Look, nicht ohne Grund werden heutzutage Kamera-Slider benutzt, um eine minimale Bewegung erzeugen zu können.

    Gerade im digitalen Filmbereich sehe ich persönlich viele Möglichkeiten für eine Lichtfeld-Video-Technologie. Die zu verarbeitenden Datenmengen wären allerdings auch extrem hoch.

    Die heutige Technologie ist noch nicht perfekt und qualitativ auch nicht hochwertig genug, um im Moment eine Bedrohung oder Alternative zur jetzigen DSLR darzustellen. Wenn man sich überlegt in welcher Geschwindigkeit sich die Kameras in Smartphones entwickelt haben, wird es auch bei der Lichtfeldtechnik wahrscheinlich schneller gehen, als man erwartet.

    Ich bin jedenfalls sehr gespannt darauf, was die 3. Kamerageneration für einen Sprung machen wird und ob auch ein elektronischer Sucher integriert sein wird.

    Ich hatte freundlicherweise ein Testexemplar der Kamera gestellt bekommen und bin von der Technologie begeistert, wohl wissend das man hier noch am Anfang steht und die Qualität noch einen deutlichen Schub benötigt um das vorhandene Niveau aktueller DSLR- oder Spiegeloser-Kamerasysteme zu erreichen.

     

    Es wird interessant werden, was in Zukunft noch kommen wird.

     

    update

    Es gibt jetzt die Lytro Immerge , welche viele meiner Prognosen erfüllt.


    Lytro Illum 2.0

     

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