Ticker

    EU will Panoramafreiheit harmonisieren

    Von

    Panoramafreiheit

    Einschränkungen bei Bildveröffentlichungen befürchtet

    Harmonisierung steht in der EU vielfach im Verdacht einer Einigung auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Im Zusammenhang mit einer angestrebten Überarbeitung der EU-Urheberrechtsrichtlinie besteht nun ganz offensichtlich die Gefahr, dass die sogenannte Panoramafreiheit für Aufnahmen urheberrechtlich geschützter Werke wie Gebäude oder Statuen gekippt wird und solche Werke künftig EU-weit nur noch mit Zustimmung der Rechteinhaber kommerziell genutzt, also auch veröffentlicht werden dürfen. Die Veröffentlichung von Urlaubsfotos in Social Media fällt wohl auch darunter, da die Seite selbst ein auf Gewinnerzielung ausgerichtetes Unternehmen ist. Bislang ist die Panoramafreiheit in den EU-Mitgliedsstaaten völlig unterschiedlich geregelt.

    Der Rechtsausschuss des EU-Parlaments (JURI) hat nun kürzlich den Entwurf für eine Evaluierung der EU-Urheberrechtsrichtlinie beschlossen. Hinsichtlich der Bewertung des Änderungsbedarfs konnte offensichtlich in fast allen Punkten Kompromisse erzielt werden. Lediglich im Falle der Panoramafreiheit scheint man sich nicht zusammenraufen zu können, wie Julia Reda auf ihrer Seite erwähnt (https://juliareda.eu/2015/06/panoramafreiheit-in-gefahr). (Werbung) Reda, die einzige EU-Abgeordnete der Piraten, ist für den Bericht und seine Koordinierung zuständig.

    Die Abstimmung des EU-Parlaments über den vorgelegten Entwurf ist für den 9. Juli 2015 geplant. Auch wenn der Text der Evaluierung die derzeitige Rechtslage nicht ändert, so gibt er doch dir Marschrichtung bei der Überarbeitung der EU-Richtlinie zum Urheberrecht vor. Und die verspricht auch für Amateurfotografen unliebsame Überraschungen vorzubereiten. Es dürfte in der Praxis kaum möglich sein, für jedes Bauwerk und jede Skulptur in Erfahrung zu bringen, ob jemand an der bildlichen Wiedergabe noch Rechte geltend machen kann. Selbst wenn diese Nachfrage erfolgreich sein sollte, müsste der Fotograf vor der Aufnahme eine Nutzungslizenz vom Rechteinhaber erwerben. Dies geht an der Praxis üblicher Urlaubsfotos völlig vorbei, da die Bilder heutzutage in den Social Media gepostet werden und nicht mehr in langweiligen Diaabenden einem ausgewählten Publikum präsentiert werden.

     

    Panoramafreiheit in Deutschland

    In Deutschland ist es im Rahmen der auch als Straßenbildfreiheit bezeichneten Panoramafreiheit bislang erlaubt, Aufnahmen von urheberrechtlich geschützten Gegenständen wie Gebäuden und Statuen zu machen und auch in kommerziellem Rahmen zu veröffentlichen, wenn die Aufnahmen von öffentlichem Grund und ohne Hilfsmittel wie Leitern oder Drohnen entstanden waren. Als kommerziell werden dabei durchaus auch solche Onlinemedien betrachtet, die kostenlos zugänglich sind und deren Finanzierung auf der Schaltung von Werbebannern basiert. Nicht zulässig ist in Deutschland damit wohl auch die Veröffentlichung von Urlaubsfotos mit entsprechenden Abbildungen in sozialen Netzwerken.

    Eingeschränkt wir die Panoramafreiheit bisher auch in Deutschland, falls Persönlichkeitsrechte von Hausbewohnern betroffen sind oder Sicherheitsbelange des Staates, der sich auch im Zeitalter der Satellitenaufklärung vor der Veröffentlichung von Abbildungen militärischer Anlagen schützen will. Grundsätzlich nur mit Erlaubnis der Rechteinhaber dürfen Aufnahmen veröffentlicht werden, die auf privatem Grund oder mit technischen Hilfsmitteln wie besonders großen Stativen aufgenommen wurden. Und so manch öffentlich und kostenlos zugänglicher Park stellt sich im Zweifelsfalle dann als Privatgrundstück im Besitz der öffentlichen Hand heraus. Neben der fotografischen Wiedergabe ist übrigens auch die Abbildung in Form eines Gemäldes oder einer Grafik von den einschlägigen Einschränkungen betroffen.

     

    Panoramafreiheit in anderen EU-Ländern

    Als besonders restriktiv gilt hier Italien, wo man für Bilder von Kulturgütern und dazu zählen auch öffentliche Plätze zuvor eine Erlaubnis einholen muss. Auch Frankreich, Belgien, Griechenland und Zypern haben sehr restriktive Vorgaben zur Nutzung von Bildern urheberrechtlich geschützter Werke. In Dänemark ist es beispielsweise zwar wohl erlaubt, Gebäude auf den Aufnahmen wiederzugeben, nicht jedoch andere Gegenstände wie Skulpturen und Statuen, was offensichtlich manchem Urlaubsfotografen einigen Ärger mit den Rechteinhabern der Kopenhagener Meerjungfrau einbrachte.

     

     

    Werbung

    5 Kommentare
    1. Avatar

      Shitop

      24. Juni 2015 at 10:06

      Wenn die Harmonisierung durchkommt, wird es wohl bald eine GPS-basierte App geben, die alle kritischen Standorte aufführt und eine Lizenz von den Rechteinhabern organisiert. Den Samwer-Brüdern wäre es zuzutrauen.Und Casio hatte schon Kameras mit Motivklingel im Sortiment.

    2. Avatar

      Max

      25. Juni 2015 at 11:06

      Bei der Tagesschau gibt es einen Video dazu.Ist echt der Hammer!
      http://www.tagesschau.de/wirtschaft/panoramafreiheit-101.html (Werbung)

    3. Avatar

      Jörg Pumpa

      26. Juni 2015 at 8:58

      Hier kann man sich der Petition gegen den geplanten EU-Wahnsinn anschließen. Sonst müssen wir in Zukunft Geschütze Dinge in unseren Fotos unkenntlich machen und wer will das schon oder weiß überhaupt, was alles geschützt ist?

      https://www.change.org/p/european-parliament-save-the-freedom-of-photography (Werbung)

    4. Pingback: Panoramafreiheit | Bilder, Aquarelle vom Meer & mehr - von Frank Koebsch

    5. Pingback: EU will Panoramafreiheit harmonisieren | Works ...

    You must be logged in to post a comment Login