Ticker

    Polfilter – CPL Filter

    Von
    Polfilter CPL - Filter zur Reflexsteuerung

    Bei Motiven hinter einer Scheibe hilft der Polfilter, beispielsweise die Stärke der Spiegelung anzupassen.

    Polarisationsfilter (kurz Polfilter) gibt es als lineare und zirkulare Version (eng. circular polfilter – CPL).

    In der Produkt-, Architektur- und Landschaftsfotografie wird der Polfilter häufig benutzt, um Spiegelungen und Reflexe auf nicht metallischen Gegenständen zu minimieren. Der Polfilter steigert die (Farb-) Kontraste und reduziert den Lichtdurchlass und kann daher auch wie ein ND-Filter genutzt werden.

    Wie stark der Polarisationsfilter wirkt, hängt vom Lichteinfall und den Materialien (Oberflächen) der Motive ab.

     

    Wie funktioniert ein Polfilter?

    Anmerkung: Dieser Absatz mag wissenschaftlich nicht ganz korrekt sein, dafür komme ich ganz ohne Formeln aus und die Erklärung sollte durch starke Vereinfachung von jedermann halbwegs nachvollziehbar sein. Und wer sich fragt, warum ich es so stark vereinfache, kann sich gerne die präzise Definition zu Polarisation elektromagnetischer Wellen (Werbung) ansehen.

     

    Licht

    Licht breitet sich in Wellenform aus. Verfolgen die Schwingungsform einer Lichtwelle, dann liegt diese auf einer Ebene, die beliebig im Raum stehen kann. Die Schwingungsrichtung kann also vertikal, horizontal oder in beliebigen Winkeln erfolgen. In einer normalen Lichtsituation werden alle Richtungen gleichermaßen genutzt, das Licht ist dann nicht polarisiert.

     

    Linearer Polfilter

    Ein linearer Polfilter verhält sich, ähnlich wie ein Gitterzaun. Wenn man durch die Gitterstäbe beispielsweise ein Brett (dies symbolisiert die Ebene in der sicheine Lichtwelle bewegt) stecken möchte, dann muss das Brett parallel zu den Gitterstreben stehen, damit man es durchstecken kann.

    Es gelangt also nur Licht durch den Filter (Gitter), welches annähernd dieselbe parallele Ausrichtung besitzt. Bretter, die nicht parallel zum Gittern stehen, kann man nicht durch den Zaun stecken, genauso ist es mit dem Licht.

    Aus diesem Grund schluckt der Polfilter durchschnittlich auch ca. 1,5 bis 2 Blendenstufen Licht. Zur Erinnerung zwei Blendenstufen entsprechen 25 % der ursprünglichen Lichtmenge.

    Der Polarisationsfilter wird vor dem Objektiv der Kamera angebracht und lässt nur parallel schwingende Lichtstrahlen durch. Eine Drehung des Polfilters verändert die Durchlassrichtung und blockt je nach Winkel unterschiedliche Lichtwellen ab und verändert so z.B. die Intensität einer Reflexion.

    Oberflächen die stark reflektieren besitzen eine glatte Oberfläche (z.B. ein Spiegel, hochglanzlackierte Oberflächen, etc.) und weil der Lichteinfallswinkel gleich dem Ausfallwinkel ist, liegt im Gegensatz zu einer rauen Oberfläche ein hoher Anteil an Lichtwellen halbwegs geordnet vor und der Polfilter kann diese Bereiche effektiv beeinflussen.

    Wenn man zwei Polfilter übereinander anbringt und diese um 90 Grad gegeneinander verdreht, dann gelangt kaum noch Licht durch. Nach diesem Prinzip funktioniert beispielsweise ein variabler ND-Filter. Früher wurden so auch Nachtaufnahmen beim Film am Tag gedreht.

     

    Zirkularer Polfilter

    Die zirkulare Polarisation ist deutlich komplizierter zu erklären und ich mache es jetzt mir und auch dir mit meinem Beispiel sehr einfach. Vorhin hatten wir Gitterstäbe, durch die Lichtstrahlen (Bretter) gelangten und jetzt ist es eine Spirale. Das Licht wird, ähnlich wie Fleisch durch eine Fleischwolfschnecke, in Rotation gebracht, wobei eine Art Gewinde wie bei einer Schraube entsteht. Eine Schraube mit Rechtsgewinde kann auch nur in eine passende Mutter eingeschraubt werden und passt nicht in eine Mutter mit Linksgewinde. Daher funktioniert ein zirkularer Polfilter auch nur in einer Richtung im Gegensatz zu einem linearen der beidseitig funktioniert.

    Die Funktionsweise und das Ergebnis sind ähnlich, wie beim linearen Polfilter, der Preis ist etwas höher.
    Polfilter - CPL Filter als Schraubfilter
    Es genügt nicht den Filter vor dem Objektiv anzubringen, er muss immer durch Drehung, für die gewünschte Wirkung eingestellt werden!

    Aus diesem Grund hat der Einschraubfilter ein Gewinde um den Filter von vorn auf das Objektiv zu schrauben und besitzt einen drehbaren Ring um den eigentlichen Filter zu drehen. Der Filter besitzt normalerweise auch ein vorderes Gewinde, um weitere Filter aufschrauben zu können. Manchen extra dünnen Slim-Filtern fehlt dieses Gewinde.

     

    Eine moderne DSLR Kamera benötigt einen zirkularen Polarisationsfilter (CPL)

    Der zirkulare Polfilter, (engl. circular polarisation filter – CPL) kommt heute vorwiegend zum Einsatz, weil der Autofokussensor und der Belichtungsmesser in der DSLR Kamera Probleme mit einem linearen Polfilter bekommen können und es dann zu Fehlfunktionen, meist unscharfen Bildern kommt.

    Anwendungsbereiche für Polarisationsfilter

    Der Polfilter wirkt am stärksten, wenn er in einem Winkel von ca. 90° zur Lichtquelle verwendet wird. In der Landschaftsfotografie wäre dies, wenn die Sonne genau von der Seite zur Blickrichtung steht. Die Wirkung wird geringer je kleiner der Winkel ist. Die Hauptanwendungsbereiche sind:

     

    • Spiegelungen und Reflexe abmildern
    • Himmel abdunkeln / blaue Farbe intensiveren
    • Das Grün der Pflanzen wird satter
    • Dunst kann bis zu einem gewissen Grad gemindert werden
    • Ein Regenbogen kann verstärkt oder gemindert werden
    • Lichtmenge wird reduziert

     

    Als man noch analog fotografiert hat, gab der Polfilter dem Bild das gewisse Etwas. Einen Kick in den Farben und Kontrasten, was man heutzutage meistens bei der RAW-Entwicklung per Software steuert.

    Viele Landschaftsfotografen nutzen den Polfilter als Standardfilter, so wie andere einen UV-Filter auf ihren Objektiven haben.

    Viele Wirkungsweisen des Polfilters wie z.B. Anhebung der Sättigung, Abdunkeln des Himmels etc. können einfach in der Nachbearbeitung von RAW-Dateien am Computer gemacht werden. Auch Dunst kann man beispielsweise mit Lightroom oder Photoshop per Softwareregler wirkungsvoller entfernt werden, als es der Filter macht.

    Daher scheiden sich im digitalen Zeitalter auch die Geister, ob ein Polfilter überhaupt noch zeitgemäß ist.

    Das Reduzieren von Spiegelungen und Reflexionen kann allerdings (zurzeit) nur der Polfilter bei der Aufnahme wirkungsvoll bewirken, deswegen werde ich diese extrem sinnvolle Eigenschaft weiter vertiefen.

    Es gibt bereits Forschungen vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), um Spiegelungen auf Glasscheiben per Software (Werbung) zu entfernen.

     

     

    Polfilter – Spiegelungen und Lichtreflexe reduzieren

    Reflexionen auf Wasseroberflächen, Scheiben und anderen glatten Oberflächen können mit einem Polfilter vermindert werden.

    Der sich im See spiegelnde Berg oder Landschaft ist ein gerne fotografiertes Motiv. Der Fotograf muss sich bei der gewünschten Filterwirkung meistens zwischen der Korrektur der Wasseroberfläche oder des Himmels entscheiden. Zwei Aufnahmen mit unterschiedlichen Filtereinstellungen lassen später am Computer das gewünschte Ergebnis entstehen.

    Bei den folgenden beiden ähnlichen Fotos erkennt man deutliche Unterschiede in der Intensität der Spiegelung auf der Wasseroberfläche.

    Polfilter - CPL Filter für eine geringe Spiegelung auf der Wasseroberfläche

    Polfilter - CPL Filter mit starker Spiegelung auf der Wasseroberfläche

    Die Spiegelung der Bäume im oberen Foto ist deutlich geringer und man kann in das Wasser hinein schauen. Der unter der Wasseroberfläche liegende bräunliche Untergrund ist auch in den gedämpften Baumspiegelungen deutlich erkennbar.

    Im unteren Motiv ist die Spiegelung fast genauso perfekt wie das Original. Und wenn man genau hinsieht, merkt man, dass ich das Bild auf den Kopf gestellt habe, um dies deutlicher zu machen.

    Daher das Bild noch einmal richtig herum.

    Polfilter-spiegelung

    Nicht nur in der Landschaftsfotografie kann sich diese gezielte Einflussnahme auf die Spiegelungen (Reflexionen) auswirken. Auch in der Architektur- und besonders der Produktfotografie kommt man kaum ohne einen Polfilter aus, der ebenso mit künstlichen Lichtquellen wie auch bei Sonnenlicht funktioniert.

     

    Einschränkungen

    Bei komplexen Produktformen kann man nicht alle auftretenden Reflexionen gleichzeitig in derselben Stärke reduzieren. Mehrere Belichtungen mit unterschiedlichen Filtereinstellungen, die dann per Compositing zusammengefügt werden, wären eine mögliche Lösung.

    Alternativ kann mit polarisiertem Licht in Verbindung mit einem Polfilter vor dem Objektiv fotografiert werden.

     

    Weitwinkel- und Panoramaaufnahmen mit Polarisationsfilter

    Der Wirkungsgrad eines Polfilters ist wie bereits erwähnt abhängig von der Position der Lichtquelle. Bei Objektiven mit einem großen Bildwinkel (Weitwinkelobjektive) oder bei Panoramafotos ändert sich der Winkel zur Sonne, je nachdem welchen Bereich des Bildes man betrachtet. Dadurch ändert sich auch die Stärke der Filterwirkung und führt zu einem sichtbaren Verlauf.

    Der Himmel ist z.B. in der Mitte deutlich dunkler und wird zu den Rändern heller, was unnatürlich wirkt (s. Foto).

    Polfilter - CPL Filter Panoramafoto

    Wäre die Abdunklung an den Seiten, würde es wie Vignettierung aussehen. Das Ziel einen einheitlich dunklen und kräftigen Himmel zu bekommen, funktioniert also nicht bei großen Bildwinkeln.

    Selbstverständlich gibt es etliche Bildbeispiele, wo gerade dieser Helligkeitsverlauf im Himmel das Bild auch aufwerten kann, sofern sich dieser an der richtigen Position befindet.

     

    Polfilter Fazit

    Ich persönlich habe einen Polfilter in meiner Fototasche.  Man kann diesen einfach vor sein Auge halten und etwas drehen um zu sehen ob sich der Einsatz bei einem Motiv lohnen würden. Wenn es um Spiegelungen und Reflexe geht, gibt es kaum eine Alternative und der Filter ist ein tolles Hilfsmittel.

    In den anderen Disziplinen ist man manchmal enttäuscht, weil die Wirkung nicht so stark ausfällt wie erhofft oder weil man in der RAW-Entwicklung deutlich intensivere Veränderungen erreicht. Bei einer einfachen Aufnahme interessiert normalerweise das Motiv mehr als der Sonnenstand, den man natürlich auch planen kann.

    Es macht Sinn sich einen hochwertigen Filter anzuschaffen, auch wenn dieser teurer ist. Wenn man einen großen Durchmesser wählt, kann der Filter mit preiswerten Adapterringen auch an kleineren Durchmessern genutzt werden und man benötigt nicht für jedes Objektiv einen eigenen Filter.

    Von B+W gibt es den Käsemann High Transmission Polfilter, der einen geringeren Verlängerungsfaktor besitzt, also weniger Licht schluckt.

    Auf LensTip.com (Werbung) wurden 23 Polfilter getestet. Testsieger wurde der Hoya Fusion Antistatic CIR-PL* (Werbung) gefolgt vom B+W Circular-Pol MRC.

    Auf Kickstarter (Werbung) ist gerade die Kampagne von Breakthrough Photography (Werbung) mit dem X3 CPL sehr erfolgreich, welcher der „schärfste und farbneutralste Polfilter der Welt“ werden möchte.

     

      * Dies ist ein Affiliate-Link. Wenn Du diesen Link bei einem Einkauf nutzt, unterstützt Du unsere Arbeit, ohne dass es Dich mehr kostet. Vielen Dank!

     


    siehe auch: Kategorie Filter

     

    demnächst: Mit polarisiertem Licht beleuchten (Keuzpolblitzen)

     

     

    Werbung

    You must be logged in to post a comment Login