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    Aufsteckblitz (Systemblitz) – eine Alternative zum Studioblitz?

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    Wie weit kommt man mit einem Aufsteckblitz (Systemblitz, Speedlite) im Studio?

    Das Foto zeigt unterschiedliche Beleuchtungswinkel des Aufsteckblitzes mit maximaler Weitwinkel- und Teleeinstellung. Das Blitzlicht sieht blau aus, weil mit Mischlicht fotografiert wurde.

    Nach den beiden Beiträgen Studioblitz – welche Leistung? und Der richtige Studioblitz untersuche ich heute exemplarisch einen Aufsteckblitz, genauer den Nikon SB-700 (Werbung) Systemblitz.

    Wer jetzt Blitze mit dem passenden Anschluss von Canon, Pentax, Sony, Metz, Yongnuo und Co. nutzt, kann ruhig weiter lesen, denn der verwendete Blitz wurde nur als Beispiel ausgewählt, um die Hauptfrage zu klären:

    Wie hell ist ein Aufsteckblitz, dessen Leistung per Leitzahl angegeben wird im Vergleich zu einem Studioblitz, dessen Blitzleistung mit Wattsekunden (Ws) oder Joule angegeben wird?

    Der Nikon SB-700 ist ein noch immer aktueller System-Computerblitz aus dem Jahre 2010. Er wird mit einem zusätzlichen Diffusor und zwei Farbfiltern (zur Anpassung der Farbtemperatur an Kunstlicht und Leuchtstoffröhrenlicht) ausgeliefert. Es besitzt einen Zoom-Reflektor für Brennweiten von 24 mm bis 120 mm FX-Format. Die zusätzlich vorklappbare Streuscheibe habe ich nicht berücksichtigt. Die Pressemeldung (Werbung) von Nikon mit dem Titel „Es werde Licht“, klingt vielversprechend.

     

    Leitzahl beim Aufsteckblitz

    Leitzahl = Abstand x Blendenwert

    Der verwendete Systemblitz hat eine angegebene Leitzahl von 28 bezogen auf ISO 100 (bei einer Reflektorposition von 35 mm, Nikon-FX-Format, Standardausleuchtungsprofil und 20 °C).

    Je nach eingestellter Reflektorposition und Beleuchtungsart wird bis zu Leitzahl 38 erreicht (andere Hersteller geben diesen Wert als Produkt-Leitzahl an, da muss man ein wenig aufpassen, wenn man die Daten vergleicht.).

    Bei meiner Untersuchung hat mich die Leitzahl wenig interessiert, sondern welche Blende ich mit den maximalen Reflektorwinkel von 24 mm und 120 mm konkret erreichen kann. Um diese dann mit einem Studioblitz direkt vergleichen zu können.

     

    Welche Leistung hat der Nikon SB-700?

    Die angegebene Leitzahl von 28 kann ich schon mal nicht bestätigen. Bei meiner Messung mit einem Meter Abstand bin ich nur auf Blende 22 1/10 und nicht 28 gekommen. Eingestellt auf M und volle Leistung bei 35 mm. Na gut, vielleicht waren es keine 20°C im Raum ;-)

    Die Leistung wird bei unterschiedlichen Entfernungen gemessen und ich gebe wieder die gemessene Blende für ISO 100 mit Synchronzeit von 1/250 Sekunde an. Der Raum wurde abgedunkelt und identisch, wie beim Studioblitz verfahren. Folgende Fragen stellen sich mir vor dem Test:

     

    Wie weit ist der Aufsteckblitz regelbar?

    Der Blitz kann bei manueller Einstellung zwischen 1/1 bis 1/128 geregelt werden, das entspricht einem Regelbereich von 8 Blendenstufen. Das ist ein guter wert, wenn man bedenkt das viele Einsteigerstudioblitze sich nur über 4 bis 5 Blenden regeln lassen.

     

    Wie stark wirkt sich der Zoomreflektor aus?

    Der Zoomreflektor bringt bei 120 mm ungefähr eine Blende mehr Leistung als bei 24 mm. Da man den Reflektor direkt am Blitz einstellen kann, benötigt man keinen zusätzlichen Reflektor.

    Die minimale Leistung hat meinen Belichtungsmesser an den Rand seines Messbereiches gebracht. In der Tabelle steht dann ein „-„. Bei einem Meter Abstand und der Leistung von 1/128 bei 24 mm konnte ich Blende 1,4 und 4/10 messen. Von daher kann man mit offener Blende bei Nutzung des Blitzgerätes fotografieren, wenn man nur eine geringe Schärfentiefe haben möchte.

     

    Wie viel Licht schluckt der beiliegende Diffusor und spielt der Zoomwinkel dabei eine Rolle?

    Der Diffusor ist eine leicht milchige Kunststoffkappe, die auf den Blitz aufgesteckt wird. Das Licht wird dadurch mehr gestreut und die Schatten nicht ganz so intensiv.

    Der Diffusor mindert die Leistung um gut eine Blendenstufe. Der unterschiedliche Beleuchtungswinkel fällt mit 1/10 Blende nicht ins Gewicht. In Verbindung mit dem Diffusor ist übrigens die 24 mm Einstellung die minimal hellere.

     

    Welche Leistung bringt der Blitz in der Praxis?

    Nikon SB-700 im Vergleich zum Studioblitz -Tabelle_24 Systemblitz Nikon SB-700 Messwerte bei 120 mm

    Der Ausleuchtungswinkel ist vertikal und horizontal unterschiedlich, deswegen werden beide Werte angegeben. Zur Erinnerung der Strich (-) bedeutet, dass ich den Wert nicht messen konnte, was an meinen Belichtungsmesser liegt und nicht am Blitz.

     

    Softbox am Nikon SB-700

    Die Messung mit der kleinen Photoflex Softbox (LiteDome extra small für Aufsteckblitze 41 x 30 cm)  hat ähnliche Werte ergeben, wie mir dem Diffusor. Ich habe es nur mit der 24 mm Einstellung probiert, weil die Softbox auch ausgeleuchtet werden soll. Die Ergebnisse stehen weiter unten im Vergleich mit dem D-lite.

     

    Leistungsvergleich zum Studioblitz

    Leider sind die Beleuchtungswinkel unterschiedlich, und da auch nicht dieselbe Softbox verwendet werden konnte, weil das natürlich nicht gepasst hat, gibt es keine wirklich identischen Messungen. Das wäre aber auch bei so ziemlich allen Geräten unterschiedlicher Hersteller so gewesen, daher gibt die folgende Tabelle eine Annäherung wieder.

    Ich habe zu den Ergebnissen des Nikon Blitzes die Näherungswerte des D-Lites zugeordnet und mit welcher Blitzleistung diese erreicht wurde. So kann man ungefähr abschätzen, welche Blitzleistung in Wattsekunden (Ws) oder Joule nötig sind um eine ähnliche Helligkeit erzeugen können.

     Aufsteckblitz nikon sb-700 gegen Studioblitz Elinchrom d-lite

    Bei der Nutzung eines Reflektors entsprechen also ungefähr 50 Ws der Leistung des Aufsteckblitzes.

    Und bei der Softbox muss dazu gesagt werden, dass die von Elinchrom deutlich größer ist (1.230 zu 4.356 Quadratzentimeter Fläche).

     

    Technischer Vergleich zum Studioblitz

    Neben der Leistung spielt für bewegte Motive auch die Abbrennzeit eine Rolle, welche bei Systemblitzen normalerweise kürzer ist, als die von Studioblitzgeräten. Der SB-700 hat folgende Abbrenzeiten:

    1/1.042 s bei M1/1 (volle) Blitzleistung
    1/1.136 s bei M1/2 Blitzleistung
    1/2.857 s bei M1/4 Blitzleistung
    1/5.714 s bei M1/8 Blitzleistung
    1/10.000 s bei M1/16 Blitzleistung
    1/18.182 s bei M1/32 Blitzleistung
    1/25.000 s bei M1/64 Blitzleistung
    1/40.000 s bei M1/128 (minimale) Blitzleistung

    Der Blitz wird mit 4 Mignon (AA) Batterien oder Akkus bestückt und ist damit vom Stromnetz unabhängig. Das kann ein Vorteil sein muss es aber nicht.

    Theoretisch kann der Blitz kabellos entfesselt benutzt werden, wenn die Kamera entsprechend eingestellt wird und der kamerainterne Blitz als Auslöser verwendet wird. Das funktioniert aber im Freien nicht besonders. Also sollte zum entfesselten Blitzen sinnvollerweise auch ein entsprechendes Kabel oder ein Funkauslöser-Set verwendet werden. Im Studio bei einer Sichtverbindung zwischen Auslöseblitz und Systemblitz hatte ich keine Probleme.
    Meiner Meinung nach gibt es folgende wesentlichen Vor- und Nachteile:

     

    Aufsteckblitze Vorteile

    Kleiner und leichter als Kompaktblitze

     

    Nachteile

    Durch die Bauart des tief liegenden Blitzstabes im Gehäuse des Aufsteckblitz können optionale Lichtformer nicht optimal genutzt werden.

    • Geringere Leistung
    • Fehlendes Einstelllicht
    • Fummelige Bedienung

     

    Fazit der Gegenüberstellung

    Wenn man die Systemblitze der großen Hersteller für ca. 300 bis 500 EUR pro Stück kauft, dann ist man preislich auch auf einem Niveau, wo man brauchbare Sudioblitze kaufen kann. Die aufgrund der vielen verschiedenen Lichtformer und dem Einstelllicht ein leichteres und besseres arbeiten ermöglichen. Beim Systemblitz muss man immer ein Foto machen, um zu sehen, was man eingestellt hat, das wird bei mehreren Blitzen besonders für Einsteiger schnell zu einem Problem.

    Wer weiß, wie man Licht setzen muss und unterwegs mit kleinem Gepäck reisen möchte, für den macht es Sinn. Einsteigern würde ich auch nicht empfehlen blind ein Auto rückwärts in eine Parklücke einzuparken. Diesen Blindflug unternimmt man allerdings bei der Nutzung von Systemblitzen und ist danach beim Betrachten des Bildes eigentlich jedes Mal aufs Neue überrascht. Das kann positiv sein muss es aber nicht.

     

    Anmerkung: Alle Angaben ohne Gewähr. Dies ist ein von mir persönlich durchgeführter Praxistest. Die Messergebnisse basieren auf eigenen Messungen. Deren Interpretation und weitere Anmerkungen spiegeln meine subjektive Meinung wider. Ein Test mit zertifiziertem Messgerät nach DIN/ISO unter Laborbedingungen könnte zu anderen Ergebnissen kommen.

    Ich hoffe Dir hat der Artikel gefallen und freue mich, wenn Du ihn teilst.


    Der richtige Studioblitz

     Studioblitz – welche Leistung?

     

     

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    2 Kommentare
    1. Avatar

      Leist

      18. Januar 2015 at 15:21

      Es bringt nicht`s Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
      Die TTL Aufsteckblitze sind für komplett andere Bildmotive konstruiert.
      Deren Stärke liegt in der Lichtzugabe, nicht in der alleinigen Lichtsteuerung.
      Lassen einem im Outdoor-bereich massiv aktiv und mobil werden.
      Fotografen die da mit mir parallel mit Studioblitzen fotografieren geben nach einer Weile auf.
      Da sie aus dem Messen nicht herauskommen.
      Und ich möchte dir widersprechen das nicht gleichmäßige Bildergebnisse zu erzielen sind.
      Man hat natürlich nicht die Blitzfolge wie am Studioblitz. Das muss man beachten!
      Beste Grüsse Hendrik

    2. Avatar

      Jörg Pumpa

      28. März 2017 at 15:35

      Viele Anwender nutzen „nur“ Aufsteckblitze in der Studiofotografie, daher macht dieser Vergleich durchaus Sinn. Im Studio hat man keine Lichtwechsel, so wie im Freien, wenn sich z.B. eine Wolke vor die Sonne schiebt, daher benötigt niemand im Studio eine TTL-Messung. Diese funktioniert auch nicht bei Gegenlicht oder gezielt gesetzten Lichtkanten. Woher soll, bei mehreren Blitzen, die TTL-Messung wissen, welcher Blitz für welchen Zweck genutzt wird und diesen dann passend regeln?

      Der Artikel befasst sich mit Aufsteckblitzen im Studio und nicht Studioblitze im Freien, daher lieber Hendrik ist dein Argument zwar richtig, aber behandelt eine andere Anwendung. Ich stimme dir voll und ganz zu, dass ein einzelner Blitz zur Aufhellung per TTL und eventuell durch Vorgabe einer Leistungskorrektur, einfach und schnell zu den gewünschten Ergebnissen führt.

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