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    Wer braucht im Zeitalter von Photoshop eigentlich noch Filter aus Glas?

    Von
    Schraubfilter oder Filter mit Photoshop

    Schraubfilter

    Nur was bei der Aufnahme auch vom Sensor erkannt wird, lässt sich später nachbearbeiten

    Mit der Digitalisierung der Fotografie und der dann möglichen digitalen Bildbearbeitung konnte man auf die analoge Ausarbeitung der Bilder im Nass-Labor verzichten und die Bearbeitung ins „Trockenlabor“ am heimischen Bildschirm verlegen. Mit wenig Aufwand lässt sich heute auch der jeweilige Monitor sauber kalibrieren und dann steht einer umfangreichen Bildbearbeitung kaum noch was im Wege und mit den verfügbare Tools und Plug-in-Angeboten lassen sich auch zahlreiche Filter-Wirkungen digital nachahmen. Und so stellte sich recht bald die Frage, warum soll man noch optische Filter mit auf seine Foto-Tour nehmen, wenn man die Bildstimmungen auch nachträglich und in Ruhe am Bildschirm verändern kann? Filter stehen bei manchen Anwendern zudem noch immer im zweifelhaften Ruf, grundsätzlich die Bildqualität eher zu verschlechtern, als zu verbessern.

     

    Was der digitale Filter nicht kann

    So mancher Hersteller konventioneller Glasfilter hatte in der Vergangenheit auch sogenannte Software-Filter im Angebot und unter der Marke des US-amerikanischen Filter-Herstellers Tiffen werden diese bis heute angeboten. Ein eindeutiger Vorteil eines optischen Filters liegt im Schutz der Objektiv-Frontlinse. Der Austausch eines verkratzten Filters ist grundsätzlich kostengünstiger, als die Reparatur eines Objektives. Zahlreiche Filterhersteller bieten heute hochwertige Filter an, die sich auf die Schutzfunktion beschränken und sonst keine Wirkung auf die Aufnahme haben. Die Vergütung dieser Schutzfilter ist meist auch darauf ausgelegt, Wasser entweder abperlen zu lassen oder als gleichmäßigen Film auf der Oberfläche zu verteilen.

    Da es sich beim digitalen Filter lediglich um eine nachträgliche Manipulation einer Aufnahme handelt, kann man nur das verändern, was bei der Aufnahme vom Sensor erkannt wurde. Nicht vorhandene Bildinhalte kann auch eine Nachbearbeitung nicht wiedergeben. In diesem Zusammenhang haben sich Grau- und Pol-Filter recht schnell ihren Gebrauchswert wieder zurückerobert, wobei es sich bei den Vario-Graufiltern um zwei Polfilter handelt, die hinsichtlich ihrer Polarisationsrichtung verdreht werden können, so dass eine variable Neutral-Grau-Filter-Wirkung entsteht. An digitalen Kameras sollten grundsätzlich nur sogenannte Zirkular-Polfilter eingesetzt werden. Auch mit sogenannten Verlaufsfiltern lassen sich bei der Aufnahme Bildwirkungen erzielen, die in der Nachbearbeitung nicht so einfach zu realisieren sind. Da Verlaufsfilter häufig zum Abdunkeln eines „zu hellen“ Himmels eingesetzt werden, sollte man Filterscheiben einsetzen, die eine Verschiebung des Übergangs der Filterwirkung zulassen.

    Cokin Filterhalter und Haida ND Filter ABENTEUER DSLR FOTOGRAFIE

    Cokin Filterhalter Größe P und bestückter Halter mit Haida ND 3.0 Filter

     

    Wer sich einen optischen Filter kauft, sollte darauf achten, dass er bekommt, was er bestellt

    Bei den optischen Filtern wird vorwiegend im Internet so manches Produkt angeboten, das vorgibt ein hochwertiges Markenprodukt zu sein und sich dann als minderwertiges Imitat entpuppt. Ein extrem niedriger Preis ist dabei meist ein guter Indikator für eine Fälschung, denn kein Händler hat etwas zu verschenken. Zudem kann man sich vor Fälschungen auch dadurch schützen, dass man Details zur Produktion und zur Herkunft des Filters kennt.

    Bei den optischen Filtern unterscheidet man zwischen Einschraubfiltern und Einsteckfiltern, für welche man eine passende Filterhalterung benötigt. Zudem unterscheiden sich die Filter im eingesetzten Material. In den meisten Fällen kommt geläpptes Glas zum Einsatz. Beim Läppen des Glases wird dieses so geschliffen, dass die Front- und die Rückseite des Glases planparallel sind. Der französische Hersteller Cokin, der inzwischen zu Kenko Tokina gehört, war einer der ersten Hersteller, der für seine Effektfilter sogenanntes organisches Glas eingesetzt hat, das unter dem Namen CR-39 angeboten wird.

    Neben den Cokin-Filtern kommen von Kenko Tokina auch Filter der japanischen Marken Hoya und Kenko. Die Filter der Marke Rodenstock kommen heute von Qioptiq in Feldkirchen bei München und werden in Deutschland über Kaiser in Buchen an den Fotohandel geliefert. Hergestellt werden die Rodenstock-Filter in Deutschland oder in Japan.

    Auch die Filter von Zeiss werden heute in Japan produziert. Die Filter der Marke NiSi setzen nach vorliegenden Informationen japanisches Glas ein und werden in Japan und in China produziert.

    Aus deutscher Produktion in der Nähe von München kommen die Filter der Marke Heliopan. Auch die von Ringfoto unter der Marke Peter Hadley vertriebenen Glas-Filter mit umspritzten Kunststofffassungen werden in Deutschland hergestellt.

    Auf die Produktion in Deutschland setzt auch Schneider-Kreuznach mit seinen B+W-Filtern. Die Verpackungen der B+W-Filter sind inzwischen mit einem individuellen QR-Code versehen, der es ermöglicht, sofort zu erkennen, ob es sich bei dem entsprechenden Exemplar um ein originales oder ein gefälschtes Produkt handelt. Wer sich über einen fernöstlichen Online-Händler einen gefälschten vorgeblichen B+W-Filter eingekauft hat, sollte sich unverzüglich mit Schneider-Kreuznach (http://schneider-kreuznach.com (Werbung)) in Verbindung setzen.

    Der Hinweis, dass ein Filter aus Schott-Glas hergestellt sei, lässt sich für den Endverbraucher nicht überprüfen. Zahlreiche chinesische Glasproduzenten haben die Schott-Glasnamen übernommen und fertigen unter diesen Namen Gläser, die andere Spezifikationen aufweisen. Zudem dürfte in Fernost mehr „Schott-Glas“ im Handel sein, als Schott je hergestellt hat. Die Mainzer Schott AG betreibt derzeit Glasschmelzen an drei Standorten. Neben einem Werk in den USA sind die die Schmelzen in Mainz und in Grünenplan im Freistaat Bayern und verarbeitet die Filtergläser danach in einem Werk in Malaysia zu Filterscheiben, die dann an die Filterhersteller verkauft werden, welche die Weiterverarbeitung bis zum fertigen Produkt übernehmen. Leider ist es dem Mainzer Glashersteller bis heute nicht möglich, sein Filterglas eindeutig zu kennzeichnen und damit identifizierbar zu machen. Zudem hat man keinerlei Überblick, auf welchen Routen das Glas aus den Schott-Glasschmelzen weltweit gehandelt wird.

    Wer seinen Filter bei einem stationären Händler oder in dessen Online-Shop in Deutschland einkauft, muss vielleicht auf ein erhofftes Schnäppchen verzichten, hat aber die vergleichsweise hohe Sicherheit, dass er kein billiges, gefaktes Produkt erhält, das ihn in der Folge enttäuschen würde.

     


    siehe auch: Kategorie Filter

    Filterhalter mit Steckfiltern oder Schraubfilter?

    Polfilter – CPL Filter

    ND Filter, Graufilter (Neutral Density Filter)

    Grauverlaufsfilter GND

     

     

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