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    Was wird aus DHW und den Rolleiflex-Kameras? (aktualisiert – Hy6 lebt)

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    Rollei - Rolleiflex 6001

    Als der Braunschweiger Hersteller DHW Fototechnik, der als Manufaktur in der Tradition der Rollei-Werke Franke & Heidecke neben der Rollei 35 auch vier analoge zweiäugige Mittelformatkameras sowie die Mittelformat-Systemkamera Hy6 produzierte kurz vor der vergangenen photokina Insolvenz anmelden musste, stand die Frage im Raum, wie es mit der Kameraproduktion in Braunschweig weitergehen soll.

    Während Stimmen laut wurden, dass mit der Insolvenz wohl das Ende für die Kamerafertigung eingeläutet wurde und diese sich mit der kürzlich erfolgten Versteigerung großer Teile der Insolvenzmasse bestätigt sahen, waren andere überzeugt, dass es zumindest für Teilbereiche eine Lösung für die Weiterführung der Produktion geben könnte, schließlich verfügt man in Braunschweigs Salzdahlumer Straße 196 über wertvolles Wissen, das man auch in Entwicklungsprojekten für andere Firmen nutzen kann. Und so verwundert es wenig, wenn jetzt bekannt wird, dass neben dem Service für alle in Braunschweig in den letzten Jahrzehnten produzierten Kameras, Objektive und Zubehörteile mit der in Gründung befindlichen DW Photo GmbH auch die Produktion der Doppelaugen und wohl auch der Hy6, ihren Objektiven und dem Zubehör wieder aufgenommen werden soll. Für die Rollei 35 und die Rolleivision-Projektoren ist jedoch mit dem Aus für die alte DHW Fototechnik das Ende gekommen. War die Nachfrage nach Projektoren schon länger stark geschrumpft und die Vorräte an bestimmten Bauteilen weitgehend aufgebraucht, so zeigte sich auch bei der Rollei 35 zuletzt ein deutlicher Rückgang der Bestellungen.

    Auch wenn man mit den langjährigen Mitarbeitern jetzt einen erneuten Neustart wagt, kommt gleich zu Beginn eine gewaltige marketingtechnische Herausforderung auf das Unternehmen zu: Die Rechte an den Marken Rollei und Rolleiflex liegen nach Auskunft des Deutschen Patent- und Markenamtes inzwischen bei der in Hamburg ansässigen Rollei GmbH & Co.KG. Das früher unter dem Namen RCP Technik firmierende Unternehmen nutzt die Marken heute zumeist für Produkte, die aus China importiert werden und rein gar nichts mit den Kameras aus Braunschweig zu tun haben, obwohl man sich in seiner Selbstdarstellung auf die niedersächsische Fertigungstradition beruft. Bei den aktuellen Preisvorstellungen für eine Namenslizenz haben sich die Hamburger offensichtlich an einem Niveau orientiert, das im Fotobereich für sogenannte Premium-Marken zwar durchaus üblich ist, für DW Photo jedoch den Start massiv behindert hätte. Ohne Imageträger wie die Mittelformatkameras aus Braunschweig dürfte der Wert der beiden Marken jedoch auf Dauer kaum zu halten sein. Ob sich auf der anderen Seite die Braunschweiger Kameras ohne den Markennamen Rollei auf Dauer erfolgreich verkaufen lassen, ist derzeit kaum abzuschätzen.

     

    Rolleiflex

     

    Man sollte die Kamerabauer in Braunschweig jedoch nicht zu schnell abschreiben. Man blickt dort beim Scheitern und dem anschließenden Neustart seit dem Rückgang der Nachfrage nach den zweiäugigen Mittelformatkameras auf eine gewisse Tradition zurück. Schon nach dem letztlich gescheiterten Ausflug nach Singapur, wo man eine völlig überdimensionierte Fertigung errichtet hatte, die man nie wirklich auslasten konnte, der Rückkehr nach Deutschland unter den Fittichen eines britischen Rüstungsunternehmens und der anschließenden Konzentration auf das Mittelformat, die Manderman-Episode als Tocher der Optischen Werke Schneider in Bad Kreuznach, der darauf folgenden Zeit unter Samsung, die das Unternehmen in Folge der Asienkrise wieder abstoßen mussten, der Übernahme durch den dänischen Investor Capitellum, zu dessen Umfeld die heutige Rollei GmbH in Braunschweig mit ihrer Immobilientochter noch zählt, folgte die Trennung in Produktion und Handel, der vor seiner Einstellung kurzfristig nach Berlin verlagert wurde. Während der Bereich Rollei Metric an den Trimble-Konzern verkauft wurde, ging die Fertigung damals an eine wieder Franke & Heidecke genannte Neugründung, an welcher sich zwei Nachfahren der Unternehmensgründer als Namensgeber beteiligt hatten. Trotz Einstieg eines neuen Investors aus dem badischen Offenburg ging Franke & Heidecke jedoch letztlich in Insolvenz. Die Produktion wurde danach von der DHW Fototechnik weitergeführt und soll nun auf die DW Photo übergehen. Da ein Großteil der Maschinen im Rahmen der Versteigerung verkauft wurde, reduziert sich die Fertigungstiefe für DW Photo beachtlich, was jedoch im Zeitalter von CNC und 3D-Druck kein unlösbares Problem darstellen sollte.

    Den Braunschweigern, die vor Jahren mit der Schließung von Voigtländer und der Aufgabe der Projektorenproduktion bei ZETT schon den Verlust an fototechnischer Produktion verbuchen mussten, bleibt mit den heutigen Rolleiwerken (http://www.rolleiwerke.de/ (Werbung)) zumindest der Name eines modernisierten Gewerbekomplexes, der von der dortigen Rollei GmbH und ihrer Immobilientochter vermarktet wird. DW Photo beabsichtigt die Fertigung auf genau diesem Campus wieder aufzunehmen.


    Aktualisiert am 23. Juli 2015

    Update zum Artikel vom

    DW-Photo-Logo

    Die Firma DW Photo GmbH ist inzwischen beim Handelsgericht Braunschweig unter der HRB Nr.: 205343 eingetragen und hat ihren Firmensitz im Gebäudekomplex Rolleiwerke der Rollei- Immobilen GmbH & Co.KG in der Salzdahlumer Str. 196 in 38126 Braunschweig. Geschäftsführer der DW Photo GmbH ist Hans Hartje.

    Da die Marken Rollei und Rolleiflex an die rechtlich nicht verbundene Rollei GmbH & Co.KG, die heute in Norderstedt angesiedelt ist, verkauft wurden, werden die Produkte aus Braunschweig künftig andere Markennamen tragen.

    (C. J.)


    Hy6 lebt - Aktualisiert am 23. Mai 2017

    Die (Rolleiflex / SINAR / Leaf AFi) Hy6 mod2 wird wieder produziert

    Die Namensrechte der Mittelformatkamera Hy6 sind an die DW Photo GmbH übertragen worden und die Hy6 mod2 wird nun zu einen UVP von 5.950 EUR auf der neuen Website (Werbung) präsentiert.

    Es werden z.Z. sieben Objektive, ein 120er Rollfilm-Magazin 6060, der Prismensucher und etwas weiteres Zubehör angeboten.

    Digitale Rückteile von Leaf (Mamiya Leaf gehört mittlerweile zu Phase One) sollen an der Hy6 mod2 verwendet werden können.

    DW Photo bietet Service und Reparatur für alle Produkte die von Rollei, Franke & Heidecke und DHW Fototechnik gefertigt wurden. Die Hy6 mod2 kann mit passenden Objektiven auch gemietet werden.

    Für Besitzer einer Hy6 ist vielleicht folgender Satz wichtig, der etwas versteckt unter Philosophie verborgen ist:

    Aus der ersten Hy6 machen wir mit kleinem Aufwand eine Hy6 mod2

    Die Informationstiefe auf der Website ist (noch) dünn, es fehlen z.B. Technische Daten und detaillierte Informationen oder Beschreibungen der Produkte. In einer Kurzbeschreibung wird beispielsweise ein Telekonverter erwähnt, welchen ich jedoch nicht gefunden habe.

    (Redaktion)


    Siehe auch:

    Die Zukunft der Rolleiflex-Kameras

    Mittelformat

     

     

    mehr Informationen

     

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    4 Kommentare
    1. Avatar

      Hans Wurst

      5. Juni 2015 at 11:16

      Mir war RCP-Technik mit ihrer „Rollei“-Markennamen-Trittbrettfahrerei immer schon suspekt, aber wenn sie jetzt der echten „Rollei“ den Namen durch hohe Geldforderungen verweigern, sind sie bei mir völlig unten durch.
      Da kann man nur hoffen, dass der Ast, auf dem sie sitzen und sägen, ganz abbricht.

    2. Avatar

      Sikke Loling

      5. Juni 2015 at 12:02

      Das gleiche Spiel äuft doch auch mit Kodak, AgfaPhoto, Telefunken, Schaub Lorenz, Graetz und wie die Konsorten sich alle nennen. Geglaubt wird die Story, hinterfragt wird sie nicht. Solange das Geld locker sitzt, funktioniert das.

    3. Avatar

      Karl

      24. Juli 2015 at 20:55

      Da würde ich mich doch freuen, wenn wieder Kameras
      in der Braunschweiger Kameraschmiede gefertigt werden.

      Bin schon ganz neugierig, wann es los geht.

    4. Avatar

      Jörg Pumpa

      27. Juli 2015 at 7:23

      Wir bleiben dran und halten Euch auf dem Laufenden.
      Ich bin auch schon sehr gespannt, wie die Kameras in Zukunft heißen werden.
      VG Jörg

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