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    Wo kommen die Fotoprodukte heute her? Alles aus China oder doch nicht?

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    Wo kommen die Fotoprodukte heute her? Alles aus China oder doch nicht? - Gesicht-Welt

    Spitze der Fertigungsverlagerung nach China mit dem Absturz der Kompaktkameras überschritten

     

    Nach Deutschland wurde Japan der Hauptfertigungsstandort für die weltweite Kameraproduktion und hat den Stab dann um die Jahrtausendwende zügig auf das chinesische Festland weitergereicht. Inzwischen werden jedoch manche Fertigungen wieder aus China abgezogen und in verschiedene südostasiatische Länder verlagert. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einerseits steigen die Löhne und damit die Fertigungskosten in China, andererseits gibt es auch in Südostasien inzwischen ausreichend ausgebildete Arbeitskräfte und in zunehmendem Umfang auch qualifizierte Zulieferer. Da die Fertigung in China sich zudem auf große Stückzahlen konzentriert, die mit dem Markteinbruch bei den Kompaktkameras kaum noch erreicht werden, haben viele bisherige OEM/ODM-Hersteller im Reich der Mitte ihr Produktionsspektrum auf die Fertigung von Kameramodulen für Smartphones ausgerichtet. Unternehmen wie Premier wurden sogar von Smartphone-Zulieferern (Hon Hai/Foxconn) übernommen. Andere Firmen wie Asia Optical haben ihr Produktionsprogramm auf die Zulieferung von optischen Komponenten wie Zielfernrohre oder Optik für Laserdrucker verlagert.

     

    Die Wanderung der Kameraindustrie

    Mit dem Ausstieg von Zeiss Ikon-Voigtländer Anfang der 1970er-Jahre, dem Ende der Großserienproduktion bei den Rollei-Werken Franke und Heidecke in Braunschweig und Singapur Anfang der 1980er-Jahre und dem langsamen Auslaufen der Kameraproduktion bei Pentacon in Dresden in den 1990er-Jahren, kamen fototechnische Produkte praktisch durchgängig aus Japan. Mit den steigenden Lohnkosten in Japan erfolgte erst die Verlagerung der eigenen Produktion an bislang agrarisch geprägte Standorte wie Sendai (Nikon), wo das Lohnniveau niedriger war als in den industriellen Kernräumen. Auch die für Japan typische Auslagerung von bestimmten Fertigungsschritten auf kleine und kleinste Zulieferer, die sich auf ganz bestimmte Bauteile konzentriert hatten, konnten die Produktionskostensteigerungen für eine bestimmte Zeit auffangen.

    Canon begann mit der AE-1 die weitgehend vollautomatische Kameraproduktion und konnte somit die Kostensteigerungen nochmals auffangen. Die automatische Produktion war kostengünstiger als beispielsweise die manuelle Produktion bei Rollei in Singapur. Andere Unternehmen wie Minolta verlagerten Lizenzfertigungen zu Samsung nach Korea. In Korea ließ auch Nikon für einen kurzen Zeitraum Kameragehäuse produzieren.

     

    Kameras und Objektive aus Südostasien

    Mit dem Aufkommen der analogen APS-Kameras startete Nikon dann jedoch den Schritt zur Produktionsverlagerung in einen eigenen Standort in Thailands frühere Hauptstadt Ayuthaya etwa 100 Kilometer nördlich von Bangkok. Dort befinden sich im Rojana Industrial Park inzwischen vier Werke des japanischen Kameraherstellers, der dort bis zu 8.000 Mitarbeiter beschäftigt. Aufgrund der auch in Thailand steigenden Löhne hat Nikon vor zwei Jahren eine Komponentenfertigung in Laos aufgenommen. Selbst die bislang in Sendai angesiedelte Fertigung der Objektivbajonette wurde inzwischen zur malaysischen Notion VTec Berhad, einem Mechanik-Zulieferer für zahlreiche Optikfirmen wie Tamron, Canon oder Sony, ausgelagert. Nikon hat sich auch mit etwa 10 Prozent an Notion beteiligt, welche am Standort Ayuthaya Thailand einen weiteren Fertigungsstandort eröffnet haben. Die in Europa eher weniger gefragten Nikon 1-Kameras kommen aus Nikons chinesischer Fabrik in Wuxi.

    Im thailändischen Ayuthaya hat Sony im Hi-Tech Industrial Park vor Jahren ein nicht mehr benötigtes TV-Werk zur Kamerafabrik umgerüstet und produziert dort inzwischen praktische alle Systemkameras. Auch Fujifilm hat die Produktion seiner X-Einsteigermodelle nach Thailand verlagert. Für optische Komponenten und Objektive hat man mit der Fujifilm Optics Philippines Inc. im Carmelray International Business Park südlich von Manila eine weitere Fertigung. Auf Cebu werden auch die Gehäuse der Pentax-DSLK-Kameras montiert. Die Objektive kommen in der Hauptsache aus dem Norden Vietnams. Dort wurden auch die Schneider-Kreuznach-Objektive für die Samsung-DSLR-Kameras produziert. Noch unter Hoya-Regie hat Pentax die gesamte Fertigung aus Japan ausgelagert.

     

    Weltweite Arbeitsteilung

    Panasonic, die vor wenigen Jahren den Digitalkamerapionier Sanyo übernommen haben, produziert im Gegensatz zu seinen Wettbewerbern auch heute noch zu großen Teilen in China. Dort laufen auch die von Panasonic für Leica produzierten Kameramodelle vom Band. Die in Deutschland produzierten Leica-Modelle werden seit vielen Jahren in Portugal vormontiert und dann in Deutschland endmontiert.

    Der konsequente Ausbau der kameratechnischen Zulieferer-Industrie in Südostasien hat die Fertigungsverlagerung in den letzten fünfzehn Jahren stark begünstigt. Und so werden heute immer mehr Kameras dort produziert. Mit der Übernahme von Copal durch Nidec und die Produktionsverlagerung in ein ehemaliges Fujitsu-Werk in Pathumthani zwischen Bangkok und Ayuthaya kommen inzwischen fast alle Kameraverschlüsse für KB und kleiner aus diesem Werk.

    Nach der Verlagerung der Produktion an kostengünstigere Standorte werden inzwischen auch Verwaltungsfunktionen aus Japan ausgelagert. So hat Nikon Anfang August 2015 die gesamte weltweite Marketing-Kommunikation nach Singapur verlagert. Und aus der dortigen Sicht wundert es nur wenig, wenn die kürzlich veröffentlichte Nikkor-App (Werbung) nur in amerikanischem Englisch und Chinesisch verfügbar ist.

     

     

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