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    Wo kommen die Sensoren der digitalen Kameras her? Alles Sony oder nicht?

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    Kamerasensor - Sensor - Bildsensor

    Die Welt der Sensorhersteller ist deutlich vielfältiger, als meist angenommen

    Und sie verändert sich noch schneller, als sich der Markt für Foto-, Video- und Smartphonekameras verändert. Jeder Blick auf die Szene der Sensor-Hersteller ist daher zu guten Teilen schon historisch, denn die Hersteller von Sensoren wurden wie im Falle von Aptina schneller verkauft, als die mit ihren Sensoren ausgestatteten Kameras, wie in diesem Fall die spiegellosen Kameras der Nikon 1-Serie.

    Wie bei elektronischen Bauteilen nicht anders zu erwarten, gibt es auch im Bereich der Bildsensortechnik Unternehmen, die über eigene Produktionskapazitäten verfügen und solche, die sich als sogenannte Fabless Companies auf die Entwicklung spezieller Sensoren konzentrieren und diese dann bei Auftragsfertigern (Foundries) produzieren lassen. Daneben gibt es auch Unternehmen, die Großserien-Sensoren für besondere Aufgaben modifizieren oder modifizieren lassen. Bei den Bildsensoren unterscheidet man zwischen CCD- (charge coupled device) und CMOS- (complementary metal oxide semiconductor) Sensoren. Manche Unternehmen produzieren nur Sensoren einer Bauart, andere beide.

    Neben der zur Sony Corporation gehörenden Sony Semiconductor Corporation (Werbung) (http://www.sony.net/Products/SC-HP (Werbung)) gibt es noch gut zwei Dutzend andere Hersteller von Bildsensoren für Digitalkameras und digitale Kameramodule für Smartphones, die in großen Stückzahlen produziert und eingesetzt werden. Dazu kommen noch Nischenhersteller für Spezialanwendung, im Bereich der als Machine Vision bezeichneten industriellen Bildverarbeitung. Deren Produkte finden jedoch gerade im Kleinserienbereich auch in Fotokameras Anwendung. Ein Beispiel eines solchen Nischenanbieters ist die aus Belgien stammende Firma Cmosis (Werbung) mit weiteren Standorten in Deutschland und Portugal, die den Wetzlarer Hersteller Leica Camera mit Bildsensoren beliefern. Zu diesen Spezialitätenherstellern zählt inzwischen auch die Firma Dalsa, die den Bildsensorbereich der niederländischen Philips übernommen hatte, welche den Sensor für die längst verblichene Contax N digital des japanischen Herstellers Kyocera geliefert hatte. Dalsa, heute zu Teledyne gehörend, hat für die Schweizer Seitz Phototechnik AG den spezifischen Bildsensor für das Scanrückteil für deren digitalen Roundshot-Kameras (Werbung) geliefert.

    Dass Sony mit der Tochter Sony Semiconductor Bildsensoren produziert wurde besonders herausgestellt, als Sony das Know How und bestimmte Rechte an den Entwicklungen der Kamerasparte von KonicaMinolta übernommen hatte, deren Sensorlieferant Sony wohl schon zuvor war. Mit der Übernahme des Kamerageschäfts eines vormaligen Kunden war Sony damals jedoch plötzlich in der Situation mit eigenen Endprodukten in Konkurrenz zu anderen Kunden der Semiconductor-Sparte zu stehen. Der von der Marktbedeutung wichtigste dieser Kunden ist Nikon, welche die Sensoren für ihre DSLR-Kameras aus dem Sony-Konzern beziehen. Die Tatsache, dass Nikon bislang keine spiellosen APS-C- oder Vollformatkameras anbietet und Sony den DSLR-Bereich seit Jahren sichtbar vernachlässigt, könnte durchaus auf diese Lieferanten-Kunden-Bindung zurückzuführen sein.

    Kamerasensor - Sensor - Bildsensor

    Bei den digitalen Mittelfomatkameras und den Digitalrückteilen, wie sie heute von Ricoh (Pentax), Hasselblad, Mamiya/Leaf oder Phase One angeboten werden, dominiert derzeit ganz offensichtlich Sony Semiconductors als Lieferant. Dabei muss man jedoch berücksichtigen, dass es sich bei den MF-Kameras um eine inzwischen ziemlich kleine Nische handelt.

    Kamerahersteller wie Canon, die über eine eigene Fertigungsstätten für die Sensor-Produktion verfügt, können da möglicherweise etwas unabhängiger vorgehen. Canon stellt derzeit seine in Japan angesiedelte Sensorenkompetenz mit seinen Meldungen über die Entwicklung von Sensoren mit 120 und 250 Megapixeln wieder deutlich in den Vordergrund. Ob dies dem Unternehmen bei der Vermarktung seiner Kameras letztlich hilft oder eher die Endverbraucher verwirrt, die soche Kameras noch lange nicht werden erwerben können, sei dahingestellt.

    Kamerahersteller, die über keine eigene Sensorproduktion verfügen wie Nikon oder Ricoh (Pentax) und ihre Bildsensoren zukaufen müssen, erscheinen nur auf den ersten Blick im Nachteil. Denn sie sind üblicherweise nicht auf einen einzelnen Lieferanten fixiert, sondern beziehen ihre Sensoren für die einzelnen Modellreihen von unterschiedlichen Herstellern. So bezieht Nikon wie schon erwähnt die Sensoren für seine DSLR-Kameras wohl zumeist von Sony Semiconductor. Die Sensoren für die in Euopa weniger erfolgreiche Nikon 1 stammten jedoch von Aptina Imaging, die inzwischen vom früher zu Motorola zählenden Chip-Hersteller ON Semiconductor (Werbung) übernommen wurden. Zu ON Semiconductor gehört inzwischen auch der als Truesense Imaging, Inc von der früheren Eastman Kodak abgespaltene Sensor-Bereich, der Leica Camera zuvor mit den Sensoren für das erste Modell der Leica S2 beliefert hatte.

    Haben die meisten Bildsensor-Produzenten bislang ihren Sitz in den USA oder Japan, so haben sich inzwischen auch Koreanische Konzerne wie Samsung in dem Bereich etabliert. Chinesische Hersteller wie BYD sind ebenfalls dabei, ihr Bildsensorengeschäft kräftig auszubauen. Neben dem Bereich der Foto- und Video-Kameras finden viele Sensorhersteller inzwischen im Automotive-Bereich einen neuen schnell wachsenden Massenmarkt. In diesem Segment verspricht sich wohl auch der französisch-italienische Konzern STMicroelectronics (Werbung) den größten Marktzuwachs und ist im Bereich der bildmäßigen Fotografie nicht mehr unterwegs.

     

     

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